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American Football-Verband : Der Endspiel-Entwickler Michael Schwarzer

  • -Aktualisiert am

Vielseitig: Michael Schwarzer spielte früher Eishockey. Bild: HUEBNER/MOSCHITZ

Michael Schwarzer will als neuer Geschäftsführer des American Football Verbandes Deutschland die Sportart moderner machen. Auf dem Weg zum Funktionär halfen ihm Kontakte aus einer anderen Sportart.

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          Michael Schwarzer ist Veränderungen gewohnt. Seit drei Jahren arbeitet der ehema­lige Geschäftsführer des Football-Erstligaklubs Frankfurt Universe für den American Football-Verband Deutschland (AFVD). Damals hatte ihn der Verband angestellt, weil Schwarzer das Endspiel um den Titel der German Football League (GFL) voranbringen sollte. Die Partie um den sogenannten German Bowl ist so etwas wie die Visitenkarte des deutschen Footballs.

          Erst bei Frankfurt Universe, jetzt beim Football-Verband: Michael Schwarzer
          Erst bei Frankfurt Universe, jetzt beim Football-Verband: Michael Schwarzer : Bild: Imago

          In Frankfurt sollte die Veranstaltung zurück zu alter Stärke, die sie einmal in den Neunzigerjahren hatte, als mehr als 20.000 Fans zum Endspiel kamen. Dies auch in der Stadt am Main zu ermöglichen war Schwarzers Aufgabe. Die Mission glückte – obwohl kein Frankfurter Team am Endspiel in der WM-Arena teilnahm, da Universe die Qualifikation für den Saisonhöhepunkt verpasst hatte. Knapp 21.000 Fans bejubelten den 10:7-Sieg der New Yorker Lions aus Braunschweig über die Schwäbisch Hall Unicorns. Der German Bowl hatte wieder an Glanz gewonnen.

          Schwarzer ist seit Anfang des Jahres der neue Geschäftsführer des AFVD. Auch im vergangenen Jahr war das Liga-Finale in der Frankfurter Arena unter seiner Führung ein Erfolg – wieder ohne Frankfurter Beteiligung, aber mit mehr als 14.000 Zuschauern trotz Pandemie-Zeiten bemerkenswert gut besucht. Dass Schwarzer mit dem Getränkehersteller „Shark Water“ zudem einen neuen Namenssponsor für die Liga und das Endspiel an Land gezogen hatte, waren weitere Argumente für den 34 Jahre alten einstigen Leistungssportler.

          Harter Sport auf Kufen

          Schwarzer ist nicht auf dem Footballfeld aktiv gewesen, sondern in einer anderen Sportart, in der Helm getragen wird: Eishockey. Als Jugendlicher hatte er damit begonnen und war so begabt, dass ihm der Sprung ins Eishockey-Internat des EV Füssen glückte. „Als ich dorthin ging, hatte ich noch den Traum, einmal mein Geld als Profi zu verdienen“, erzählt er. Doch er habe schnell bemerkt: „Shit – da sind so viele besser als ich.“ Im Tor seines Teams stand beispielsweise ein Mann namens Thomas Greiss. Der spielt heute für die Detroit Red Wings in der National Hockey League. „So gut war ich einfach nicht.“ Trotzdem blieb Schwarzer dem harten Sport auf Kufen treu, spielte in jenem Jahr für die Frankfurter Löwen, als diese 2010 die Nachfolge für die in Insolvenz gegangene Profimannschaft der Lions antrat.

          Die Fans kamen in Scharen in die Eissporthalle am Ratsweg – obwohl die Löwen nur in der Regionalliga auf Jagd nach Puck und Punkten gingen. Schwarzer wurde schnell zum Publikumsliebling. In den ersten acht Begegnungen der Hessen war er stets der Spieler, der das erste Tor für Frankfurt schoss. So auch im ersten Heimspiel, als Schwarzer sein Team gegen Iserlohn schnell 1:0 in Führung brachte. „Ich bin sehr dankbar für diese Zeit“, sagt Schwarzer, der beim Eishockey wichtige Kontakte knüpfen konnte, von denen er heute noch profitiert.

          Weg zum Football-Funktionär

          Michael Bresagk, der ehemalige Lions-Profi und Löwen-Gesellschafter, hat „Blacky“ den Weg zum Football-Funktionär mit geebnet, nachdem dieser aus gesundheitlichen Gründen das Eishockeyspiel hatte aufgeben müssen. „Ich hatte Probleme mit der Bandscheibe und stand vor der Wahl: Operation oder Karriereende.“ Nachdem er zuletzt auch als Spieler nur noch wenig eingesetzt worden war, entschied er sich 2012, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Der erste Schritt vom Puckjäger zum Schreibtischtäter war getan.

          Beim deutschen Football-Verband schätzt man das Gespür, das Schwarzer für das Management von Events hat. So scheint die Insolvenz, in die er 2017 mit Universe geschlittert war, abgehakt zu sein. Der Football-Klub hatte unter seiner Führung extrem über seine Verhältnisse gelebt und sich hoch verschuldet. Der Insolvenzverwalter hatte den Klub gerettet, der unter neuer Führung immer noch in der GFL antritt. Für Schwarzer endete das Kapitel Universe am 31. Dezember 2018, im Januar 2019 fing er beim AFVD an.

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          Regeln, Positionen, Begriffe : Was Sie über Football wissen müssen Bild: Picture-Alliance

          Im Verband, der seine Geschäftsräume noch beim Deutschen Olympischen Sportbund in der Otto-Fleck-Schneise hat, soll Schwarzer sich weiter um die Entwicklung des Endspiels um den German Bowl kümmern, die Digitalisierung vorantreiben und die Zusammenarbeit mit den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern optimieren. Es warten anspruchsvolle Aufgaben. Im kommenden Jahr wird in Deutschland die Weltmeisterschaft im American Football ausgetragen. Bis dahin muss die Nationalmannschaft reanimiert werden, nachdem einige Jahre auf eine deutsche Auswahl verzichtet worden war. Die Corona-Krise und die hohen Kosten seien Gründe dafür gewesen, sagt Schwarzer, der auch zu diesem Thema schon Gespräche mit potentiellen Sponsoren geführt hat.

          Die teuren Liveübertragungen der GFL-Partien im Fernsehen sind ein weiterer wichtiger Punkt seines künftigen Wirkens. Er kennt dabei natürlich die Strahlkraft der European League of Football, die der GFL ein harter Konkurrent auf einem recht kleinen Markt ist. „Die neue Liga hilft, so, wie sie jetzt ist, keinem“, sagt der AFVD-Geschäftsführer. Das Angebot an hochklassigen Spielern in Deutschland sei eigentlich zu klein für zwei konkurrierende Ligen. „Und es sind unsere Vereine, die die jungen Spieler ausbilden.“

          Dass wenige Branchen so schnelllebig sind wie der Sport, hat Schwarzer inzwischen gelernt. Beweglich zu bleiben ist auch für Funktionäre ratsam. Demnächst will der AFVD in neue Geschäftsräume ins Nordend umziehen. Die Hoffnung auf ein baldiges, reges Büroleben gibt es sicher nicht nur in dieser Branche. Denn in Zeiten rasch steigender Corona-Inzidenzzahlen sind fast alle Mitarbeiter des Verbandes im Homeoffice.

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