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American Football : Frankfurt Universe vor dem Aus

  • -Aktualisiert am

Das war’s wohl für Frankfurt Universe. Bild: Imago

Der Profiklub bestreitet keine Spiele mehr am Bornheimer Hang, was auch den FSV Frankfurt hart trifft. Samsung steigt als Hauptsponsor des Footballteams aus.

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          Das kann das endgültige Aus für den Profifootball in Frankfurt bedeuten: Universe wird kein Spiel mehr in dieser American-Football-Saison im Stadion am Bornheimer Hang bestreiten. Dies teilte Thomas Rittmeister, der Insolvenzverwalter der Frankfurt Universe Betriebs GmbH, am Mittwochabend mit. „ Wir werden uns definitiv eine andere Spielstätte suchen müssen“, sagte Rittmeister dieser Zeitung. Weder die Euro-Bowl-Partie am Samstag noch die bevorstehenden Spiele in der German Football League werden also im Stadion des FSV Frankfurt stattfinden können.

          Für den FSV Frankfurt als Betreiber des Stadions am Bornheimer Hang bedeutet der neue Sachstand, dass der Fußball-Regionalliga-Klub nun abermals um das wirtschaftliche Überleben kämpfen muss. „Es ist eine neue, ganz schwierige Herausforderung für uns“, sagte Vereinspräsident Michael Görner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Unter dem Geschäftsgebaren von Universe litten die Frankfurter schon seit einiger Zeit, denn aus der vergangenen Saison hatte der American-Football-Klub beim FSV noch Mietschulden in Höhe von rund 70.000 Euro. Über Monate hinweg wurden die Frankfurter von Universe vertröstet, bis die Universe-Betriebsgesellschaft Insolvenz anmelden musste. „Das war schon ein schwerer Schlag. Diese Rückstände sind für uns abzuschreiben“, sagte Görner. Damit aber nicht genug: Nun fehlen den Bornheimern, deren Fußball-GmbH sich nach wie vor im Insolvenzverfahren befindet, in ihrer Kalkulation außerdem die Mieteinnahmen aus den kommenden Heimspielen von Universe bis Ende Juni.

          Pro Heimspiel wären 10.000 bis 12.000 Euro an Miete fällig gewesen. „Durch die Insolvenz von Universe und deren Nichtantreten im Stadion am Bornheimer Hang fehlen dem FSV jetzt über 100.000 Euro in diesem Geschäftsjahr“, sagte Görner. „Dieses Geld war auf jeden Fall eingeplant. Es ist eine Situation, die für uns sehr schwierig ist.“ Mit dem Rückzug von Universe aus dem Stadion in Frankfurt gibt es dort im kommenden Geschäftsjahr, das am 1. Juli beginnt, keinen zweiten Nutzer mehr. Deshalb stellt sich nun die Frage für den FSV Frankfurt, wie er den Ausfall seines Mieters kompensieren kann. Es ist davon auszugehen, dass die Bornheimer in dieser Situation auf die Hilfe der Stadt Frankfurt angewiesen sein werden.

          Die letzte Hoffnung, trotz einer hohen Schuldenlast in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrages im FSV-Stadion starten zu können, zerstoben am Mittwochabend. Rittmeister sprach beim Hauptsponsor des Football-Erstligaklubs, dem koreanischen Elektronikhersteller Samsung, vor. Dieser hätte eine Summe, die das Gesamtvolumen der vereinbarten Förderung noch einmal deutlich überstiegen hätte, zusätzlich zahlen müssen, um den Spielbetrieb am Bornheimer Hang aufrechtzuerhalten. Letztlich lehnte der Sponsor, der einen großen Teil des Geldes schon vorinsolvenzlich an Universe gezahlt hatte und rechtlich die Möglichkeit eines vorzeitigen Ausstiegs besaß, aber ab. Auch die ausstehende Summe wird Samsung nun nicht mehr zahlen müssen.

          „Wir bedauern den Rückzug von Samsung sehr“, sagte Rittmeister. Hilfe hat am Mittwochabend auch Sportdezernent Markus Frank bezüglich der Stadionmiete signalisiert. Aber Rittmeister lehnte dankend ab. „Selbst wenn wir umsonst am Bornheimer Hang spielen könnten, wären die Fixkosten immer noch zu hoch.“ Der Insolvenzverwalter sprach von etwa 300.000 Euro, die für die Saison bereit stehen müssten. Dies sei aber nur mit Hilfe von außen zu stemmen. „Die Nebenkosten ersticken uns.“ Die Idee, mit einem Überlebensmodell nach dem Prinzip„Football, Würstchen und sonst nichts“, weiter zu machen, verwarf Rittmeister später am Abend. Es habe keinen Sinn, in viel kleineren Stadien anzutreten, da dort die Einnahmemöglichkeiten zu gering seien.

          Am Samstag hätte die Mannschaft von Cheftrainer Brian Caler eigentlich am Bornheimer Hang auf Paris Flash im Euro-Bowl-Spiel treffen sollen. Eine vollständige Absage hätte auch unangenehme Folgen für den französischen Football-Meister. Bruno Lacam-Caron, der Sprecher des Vereins, sagte dieser Zeitung, dass sein Klub dann auf recht hohen Kosten sitzen bliebe. Der Bus sei für 4000 Euro gebucht, ebenso das Hotel für weitere 4000 Euro. Nun ist es mehr als fraglich, ob der zehnmalige französische Meister die Reise nach Frankfurt überhaupt antreten wird. Wahrscheinlicher dürfte es sein, dass Universe an der Endstation angekommen ist.

          Aktualisierung vom 27. April 2018

          Die Nachricht kam überraschend: „Das Spiel am Samstag findet statt“, sagte Thomas Rittmeister, der Insolvenzverwalter der Frankfurt Universe Betriebs GmbH, am Donnerstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nun wird an diesem Samstag die Euro-Bowl-Partie gegen den zehnmaligen französischen Meister Paris Flash doch im Stadion am Bornheimer Hang ausgetragen (19 Uhr). Am Mittwochabend hatte Rittmeister diese Möglichkeit noch ausgeschlossen. In einem Gespräch mit dem Frankfurter Sportdezernenten Markus Frank hatte der Insolvenzverwalter aber dann positive Signale erhalten. Frank selbst meldete sich am Donnerstag per Facebook: „In einer maximalen Kraftanstrengung ist es uns gelungen, die Voraussetzungen zu schaffen, dass am Samstag das Spiel gegen Paris Flash in unserem Stadion am Bornheimer Hang stattfinden kann.“ Der Stadtrat bat um regen Besuch.

          „Die Stadt hat uns gebeten, Universe bei uns spielen zu lassen. Natürlich kommen wir diesem Wunsch nach“, sagte Michael Görner, der Präsident des FSV Frankfurt. Der Fußball-Regionalliga-Klub ist Betreiber des Stadions am Bornheimer Hang. Die tatsächlich anfallenden Kosten wie die Personalabstellung durch den FSV und die Stadionreinigung würden vom Insolvenzverwalter übernommen werden, kündigte Görner an. Was die eigentliche Mietzahlung in Höhe von rund 10.000 Euro angeht, würden die Stadt Frankfurt und Universe nach einer Lösung suchen.

          Frank, so sagte Rittmeister am Donnerstag, habe bewirkt, dass der FSV die Miete für dieses Spiel „signifikant gesenkt habe“. Zudem erhalten Universe und Rittmeister Unterstützung von David Knower, dem Managing Director des Finanzberaters Cerberus, der schon zu Zeiten von Frankfurt Galaxy als Förderer des damaligen NFL-Europe-Klubs in Erscheinung trat. Knowers Engagement aus Privatmitteln bezieht sich lediglich auf die Partie gegen Paris. Ob Universe in der ersten Liga antreten wird, entscheidet sich später. „Wir haben jetzt zwei Wochen gewonnen“, sagte Rittmeister. Das erste Heimspiel in der German Football League (GFL) ist für den 13. Mai terminiert. Auch die GFL und Hauptsponsor Samsung hätten in der Angelegenheit geholfen, ließ Rittmeister wissen. „Samsung hat sich nicht endgültig zurückgezogen“, sagte der Insolvenzverwalter. „Es finden weiterhin konstruktive Gespräche mit dem Sponsor und anderen Beteiligten statt.“ (leo./die.)

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