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Segelboote : Die Rennmaschine für normal begüterte Segler

  • -Aktualisiert am

Aktuelle 5.5er bei der WM auf dem Ijsselmeer Bild: Linde de Vries-Rijkuiter

Die Preisunterschiede bei Segelbooten sind enorm: Das Budget eines Maserati lässt sich für ein neues Modell mit allen Schikanen problemlos versenken. Aber es geht auch billiger: Ein gebrauchter Klassiker ist schon für den Wert eines gebrauchten Golfs zu bekommen.

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          „Yachting is a gentlemen's sport, and in dealin' with gentlemen, ye can't be too careful“, meinte ein gewisser Mister Dooley einmal über die Freizeitbeschäftigung vermögender Menschen. Diese Beobachtung wäre nicht weiter erinnernswert, hätte er mit dem feinen Unterschied zwischen dem, was beispielsweise in der Stiftungsurkunde für den America's Cup gemeint war, und dem, was hinsichtlich Interpretationsspielräumen bewanderte Gentlemen bei entsprechender Interessenlage aus einer Regelung machen, nicht die beklagenswerte Hinterfotzigkeit intelligenter Menschen in gleichermaßen freundlichen wie schlichten Worten zusammengefasst.

          Abgesehen vom seglerischen Können, gibt es beim Wettsegeln im wesentlichen drei Faktoren, die über erste und nachrangige Plätze entscheiden: den Antrieb in Gestalt der Segelfläche, zweitens die Geschwindigkeit, also die in Fahrt wirksame Wasserlinie, drittens das Vermögen des Boots, aus beidem mit möglichst großem aufrichtendem Moment, sei es durch die auf der Kante hockende Besatzung oder im Kiel mitgeführten Ballast, etwas zu machen. Doch müssen wir uns nicht in die komplexe Materie des Zusammenwirkens verschiedener Kräfte über und im Wasser vertiefen. Wir bleiben einfach bei den Gentlemen und der Segelfläche.

          Verschleißträchtiges Segel ist teuer

          Im Interesse vergleichbaren Wettsegelns wurde der Antrieb als jene nominelle Fläche definiert, die Segelboote vor und hinter ihrem Mast unterbringen. Eine überzeugend klare und schlichte Regelung, wie sie Mister Dooley zweifellos gefallen hätte. Bis zu einer Segelregatta anno 1927 im notorisch schwachwindigen Revier vor der ligurischen Hafenstadt Genua, die der schwedische Reeder, Sänger, Komponist, Regattasegler und Gentleman Sven Salen mit einem speziellen Vorsegel gewinnen wollte. Seitlich am Mast vorbeigezogen, vergrößert es die tatsächliche Segelfläche gegenüber der nominellen.

          Für den norwegischen König gebaut: die „Fram II”
          Für den norwegischen König gebaut: die „Fram II” : Bild: Ulf Sommerwerck

          Seitdem segeln klassische Rennyachten wie der Sechser mit ungefähr der doppelten ihrer angeblichen Vorsegelfläche. Das Beispiel hat bei praktisch allen Regattabooten Schule gemacht. Dank seines großen Ballastanteils und des schlanken, auch bei reichlich Schräglage problemlos geradeaus laufenden Bootskörpers verträgt der Sechser das übergroße Vorsegel bei praktisch jedem Wind. Das verschleißträchtige Segel ist jedoch teuer und schlaucht die Crew.

          Dachziegelfabrikant als Förderer

          Nach dem Zweiten Weltkrieg, als kostspieliges Regattasegeln kaum zu den Prioritäten in Europa passt, präsentiert der englische Yachtkonstrukteur und Werftinhaber Charles Ernest Nicholson (1868-1954) ein an die anerkannte International Rule angelehntes Meterklassenderivat, den 5.5er: „To measure the lot“, also die Berücksichtigung der tatsächlichen Amwind-Besegelung, reduziert die Segelfläche der annähernd gleich großen Rennyacht auf die Hälfte. Zugleich halbiert Nicholson mit einem revidierten Verdrängungsfaktor das Gewicht von über vier auf unter zwei Tonnen. Schwere Boote sind in Bau und Betrieb teuer. Ergänzende Bauvorschriften und Maße gewährleisten reellen Segelsport.

          Der erste Fivepointfive namens „The Deb“, ein Camper&Nicholson-Werftbau, debütiert 1949 zur „Cowes Week“. Er wird zum Prototyp einer bis heute segeltechnisch besonders interessanten und schönen Drei-Mann-Kielboot-Klasse. Der englische Dachziegelfabrikant und versierte Regattasegler Owen Aisher wird mit fünf 5.5ern namens „Yeoman“ zum unvergessenen Förderer der Klasse, die besonders in Skandinavien und der Schweiz gut ankommt, neuerdings mit meist eidgenössischen Gebrauchtbooten auch hierzulande wieder wächst.

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