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America's Cup : „Team Germany“ in schwerer Seenot

Die Segler befürchten, dass das Team zerfallen könnte Bild: obs

Der Sturm um den America's Cup erreicht nun auch die deutschen Segler - es droht die Auflösung der Crew des „Team Germany“ um Jochen Schümann. Internet-Milliardärs Ralph Dommermuth will die Verträge mit den Seglern auslaufen lassen.

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          Für die wenigen noch verbliebenen Optimisten geht der Existenzkampf beim America's Cup jetzt in die entscheidende Phase. Nachdem der älteste, teuerste und wichtigste Wettbewerb der Segelzunft in den vergangenen Monaten durch einen bizarren Rechtsstreit zwischen zwei exaltierten Milliardären aus der Schweiz und Amerika schon schweren Schaden erlitten hat, erreichen die Wogen des Sturms nun auch die deutschen Segler mit voller Wucht.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Überraschende und widersprüchliche Aussagen des deutschen Syndikatsleiters Michael Scheeren vom Wochenende deuteten darauf hin, dass die mit dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann an der Spitze eigentlich gut positionierte Crew vom „Team Germany“ kurz vor der Auflösung stehe.

          Kleine Schauserie zur Überbrückung

          Nun rudert Scheeren ein Stück zurück, doch an der brenzligen Situation ändert dies nichts. „Entgegen veröffentlichter Verlautbarungen spreche ich mich hiermit ganz klar gegen ein vorzeitiges Aus der deutschen Kampagne beim 33. America's Cup aus“, sagt er. Doch der im Auftrag des Internet-Milliardärs Ralph Dommermuth, Hauptgeldgeber und Eigner des Teams, handelnde Scheeren, blieb auch am Sonntag bei seiner Ankündigung, die Verträge aller Crewmitglieder - und dazu gehört Schümann - am Ende des kommenden März auslaufen zu lassen, wenn bis dahin nicht zusammen mit anderen Teams eine alternative Segelserie als provisorisches Betätigungsfeld aufgebaut werden kann.

          Die Aussagen der Syndikatsspitze dürften innerhalb der deutschen Mannschaft für große Unruhe sorgen, sind doch die kleinen Erfolge der vergangenen Monate nun wieder gefährdet. Seit der vor einem New Yorker Gericht ausgefochtene Rechtsstreit zwischen dem Schweizer Titelträger „Alinghi“ mit dem Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli an der Spitze sowie dem amerikanischen Team von „BMW Oracle Racing“ des Software-Tycoons Larry Ellison den America's Cup lähmt, wird vor allem von den deutschen Seglern versucht, mit anderen Crews zur Überbrückung wenigstens eine kleine Schauserie auf die Beine zu stellen, um den Sponsoren gerecht zu werden. Hinter den Kulissen laufen Gespräche mit anderen Teams, Ausrichtern und Geldgebern. Denn fest steht, dass der 33. America's Cup aufgrund des Zeitverzugs im vorgesehenen Format nicht mehr im Jahr 2009 vor Valencia stattfinden kann - sondern frühestens 2011.

          „Müssen diese Stillstandzeit nutzen“

          Erschwerend für alle Beteiligten kommt hinzu, dass man sich in Valencia derzeit als Segelcrew in einem rechtsfreien Raum bewegt. Die Mietverträge für die Segelbasen im Hafen sind ausgelaufen. Die mit rund 30 Personen verbliebenen Deutschen hoffen auf eine Verlängerung, wollen sie doch ihr Hauptquartier erst einmal dort belassen. Das zuständige Konsortium der Stadt für den America's Cup hat sich aufgelöst, es gibt keine Zusage mehr für Steuerprivilegien oder Arbeitsvisa der außereuropäischen Teammitglieder. Die Lage wird als „ziemliches Chaos“ beschrieben.

          Bei einem Besuch auf der Bootsausstellung vergangene Woche in Düsseldorf zeigte sich Schümann dennoch voller Tatendrang. „Wir müssen diese Stillstandzeit nutzen, um das deutsche Team zu stärken und personell zusammenzuhalten“, sagte er. Ein paar Tage später hat sich Scheeren nun just aus dem Winterurlaub mit seiner Sicht der Dinge gemeldet, die einen weiten Interpretationsspielraum zulassen - bis hin zur Aufgabe.

          Befürchtungen der Segler

          Schümann will zu den Äußerungen der Syndikatsleitung nichts sagen, was nicht auf eine gemeinsam abgesprochene Strategie in dieser wichtigen Zukunftsfrage schließen lässt. Wie überraschend für viele die Ankündigung einer möglichen Beendigung der Arbeitsverträge beim „Team Germany“ kam, zeigt die Zurückhaltung der anderen beiden Sponsoren Audi und Porsche. Ob sich die Turbulenzen bei den deutschen Seglern noch weiter ausbreiten, hängt nun stark davon ab, ob sich in den verbleibenden Wochen wirklich noch ein „Grand Prix“ abseits der Baustelle America's Cup organisieren lässt. Hier gibt es positive Signale. Teams aus England, Spanien, Italien und Südafrika haben Interesse bekundet, in diesem Sommer und Herbst mit den Deutschen zu segeln. Sie sind in derselben Situation, ihre Anfangsinvestition endlich ins Laufen bringen zu müssen.

          Ließe sich die deutsche Crew zusammenhalten und käme eine Regattaserie zustande, würden Schümann und Co. ihren Startvorteil mit einem solide besetzten Team bis hin zu Bootsbauern und Designern nicht wieder komplett verspielen. Denn irgendwann wird der America's Cup wieder starten - und an der deutschen Zielsetzung hat sich bislang nichts geändert: ein Platz unter den Top vier der Welt. „Wer das erreichen will, muss auch in schwierigen Momenten durchhalten“, heißt es aus dem „Team Germany“.

          Das klingt nach Missverständnissen oder gar internen Verwerfungen - doch wie es ausschaut, werden der Milliardär Ralph Dommermuth, sein Unternehmen United Internet sowie die Sponsoren Audi und Porsche Ende März die Zahlungen vorerst einstellen. Zu hören ist von Befürchtungen der Segler, dass das Team damit ganz zerfallen könnte.

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