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Finale der Herausforderer : Sir Ben Ainslie meldet sich zurück beim America’s Cup

Auf dem Weg zum ersten Sieg: die britische Mannschaft im sechsten Lauf beim Herausforderer-Finale Bild: AFP

Nach dem Streit um die Fortführung des Herausforderer-Finales wird beim America’s Cup wieder gesegelt. Nach fünf verlorenen Rennen gelingt den Briten der erste Sieg. Die Erleichterung ist groß.

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          Fünf verlorene Rennen dauerte es, bis der viermalige Olympiasieger Sir Ben Ainslie seine mentale Stärke und sein Selbstbewusstsein aufblitzen ließ. Erstmals führten die Briten im sechsten Lauf der Ausscheidung der Herausforderer in diesem America’s Cup vor Auckland. Während aber der Steuermann der Italiener, der Australier Jimmy Spithill, bei der kleinsten Führung in den vergangenen fünf Läufen die Britannia sofort deckte, fuhr der bis dahin fünf Mal geschlagene Ainslie im sechsten Lauf sein eigenes Rennen, entschied sich für die linke Seite des Kurses und ließ sich von da an die Führung nicht mehr nehmen.

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          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Ainslie ist bekannt als der Spitzensegler, der noch die aussichtsloseste Lage in einen Sieg zu drehen vermag – ob beim America’s Cup oder bei den Olympischen Spielen. Gleichwohl fühlte man am Samstagnachmittag nach dem ersten Sieg im sechsten Lauf gleich einen ganzen Sack Steine von den britischen Herzen fallen.

          Gewinnt die Britannia noch einen der beiden Läufe am Sonntag, geht die Regatta der Herausforderer in eine weitere Runde. „Die letzten Tage waren wir immer auf der falschen Seite. Aber die Jungs haben nie aufgegeben“, sagte Ainslie direkt nach dem Sieg. Allerdings wies er wieder darauf hin, dass die Britannia, in deren Kampagne rund 100 Millionen Dollar stecken sollen, immer noch minimal langsamer als die Luna Rossa sei.

          Aufgeheizte Stimmung in Auckland

          „Wir quetschen immer noch das Letzte aus diesem Boot heraus. Wir haben uns in leichtem Wind verbessert, aber noch ist es nicht genug“, sagte Ainslie. Sein Konkurrent Spithill hingegen betonte, dass „die Boote sehr, sehr gleich sind“. Er sei ausgesprochen zufrieden mit seinem Boot, grundsätzlich aber sei es „sehr schwierig“, die neuen AC75 zu segeln.

          Auch am Samstag schienen die Italiener zunächst eiskalt zu dominieren. Die Stimmung war aufgeheizt vor dem dritten Renntag der Herausforderer, auf dem Wasser aber herrschte nur eine leichte Brise – eigentlich ein Vorteil für das italienische Team. Die Briten aber wussten, dass sich allenfalls noch drei Niederlagen in der gesamten Serie erlauben durften; und vier Rennen sind für dieses Wochenende angesetzt.

          „Die letzten Tage waren wir immer auf der falschen Seite. Aber die Jungs haben nie aufgegeben“: Sir Ben Ainslie
          „Die letzten Tage waren wir immer auf der falschen Seite. Aber die Jungs haben nie aufgegeben“: Sir Ben Ainslie : Bild: AFP

          Würden sie bis Sonntagabend nicht wenigstens zwei Läufe gewinnen, würde die Luna Rossa die Neuseeländer von Anfang März an um den America’s Cup herausfordern – und die Briten unverrichteter Dinge nach England zurückfliegen. Unter dem Druck, keinesfalls mehr einen Start zu verlieren, legten die beiden Steuerleute Spithill und Ainslie im ersten Lauf am Samstag einen Frühstart hin.

          Zu Beginn der Kreuz erarbeiteten sich die Briten dann zwar die Führung, mussten sich aber nach einem Protest der Italiener aufgrund des unfairen Vorteils am Start wieder 50 Meter hinter diese zurückfallen lassen. Das erschien mit einer Britannia, die deutlich besser segelte als am vergangenen Wochenende, gar nicht so einfach. „Was wollt ihr, was sollen wir tun?“ fragte der vierfache Olympiasegler Ainslie schließlich die Schiedsrichter per Funk. Nach dem „Abbremsen“ verloren die Briten den Lauf haushoch.

          Einmal mehr entschied das Anwenden der Regeln die Vorentscheidung um den 36. America’s Cup. Dass überhaupt gesegelt werden durfte, obwohl Auckland nach weiteren Corona-Fälle unter einem teilweisen Lockdown leidet, ging auf die eiskalte Anwendung der Regeln durch die Italiener zurück. Sie wissen genau, dass sie bei dem leichten Wind dieses Wochenendes Vorteile besitzen.

          Auch deshalb setzten sie sich gegen den Wunsch der Veranstalter durch, das Rennwochenende aufzuschieben, um den Neuseeländern das Zuschauen zu ermöglichen. Ainslie, der sich noch einmal bei den Gastgebern bedankte, hatte daraufhin mit Blick auf seine italienischen Gegner an „Machiavelli“ erinnert. Am Ende erholten sich die Briten gegen den erfahrenen Matchracer Spithill auch am erste Rennen des Samstags nicht mehr von den Problemen am Start.

          Auf der zweiten Kreuz führte Luna Rossa schon mit gut 400 Metern. Nach einem klaren null zu vier an Siegen am vergangenen Wochenende fehlte den Italienern am Samstagmittag in Auckland nur noch zwei Siege in den ausstehenden acht Läufen. „Noch ist es nicht die Zeit für Siegesgesten“, kommentierte der zweite Steuermann Francesco Bruni freilich. Er sollte recht behalten. Auch im zweiten Lauf legte Ainslie alles andere als einen perfekten Start hin. Er reichte aber, um mit großer Entschiedenheit, einer Portion Glück und dem Können seines Taktikers Giles Scott in Führung zu gehen und diese dann nach Hause zu segeln.

          Mit ihrem größeren Vorsegel verloren die Briten zwar bei den Manövern auf dem 29 Kilometer langen Kurs bei leichtem Wind. Nach einem Duell der Halsen auf dem Raumschotkurs ins Ziel, der die Grinder bis an 93 Prozent ihrer maximaler Herzfrequenz führte, brachte die Mannschaft der Britannia ihre Führung von 14 Sekunden dennoch ins Ziel.

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