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Poker um America’s Cup : „Die Milliardäre kreisen wie Haifische“

Milliarden-Spektakel: Nach dem Cup ist vor dem Cup. Bild: AFP

Wo wird der nächste America’s Cup ausgetragen? Das Pokerspiel hat schon begonnen. Es geht um Milliarden Dollar. Und im Kampf um den nächsten Wettbewerb brechen alte Zerwürfnisse auf.

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          Nur Stunden nach dem Ende des America’s Cup in Neuseeland sind die alten Zerwürfnisse aufgebrochen. Dabei geht es um Art und Ort der Austragung des nächsten Wettbewerbs. Die Grundfrage lautet, ob die Wettfahrten um den 37. Cup vor Neuseeland abgehalten werden, was naheliegt, da Team New Zealand ihn gerade gewonnen hat. Als Alternative aber schält sich ein Duell auf einem englischen Revier heraus. Es geht um Milliarden Dollar: Vom Ort und den Regattabedingungen hängt ab, welche Mannschaften antreten und welches Interesse die Regatta bei Zuschauern rund um die Erde findet.

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          „Das wäre eine Schande für den Sport und den Cup“, wettert Max Sirena, der italienische Skipper der Luna Rossa, die gerade im Finale gegen die Neuseeländer verlor, mit Blick auf das Verlegen nach England. Die Segler bilden eine Front: Jimmy Spithill, der inzwischen um vier America’s Cups gesegelt ist, wäre „schockiert“, wenn die Neuseeländer ihren Cup nicht in Auckland verteidigen wollten. „Schauen Sie sich doch nur die Zeit und die Steuergelder an, die die Kiwis in ihr Team investiert haben. Ich ging davon aus, dass sich nicht mal das Nachdenken darüber lohnte, den Cup an einem anderen Ort auszusegeln.“

          Die Regierung von Neuseeland sei bereit, abermals Steuergelder zu geben, hieß es, wenn der Cup vor Auckland verteidigt würde. Reichen aber werden sie nicht. Deshalb könnte drohen, dass Team New Zealand, das einem Rennstall ähnlich arbeitet, aber chronisch unterfinanziert ist, weil es im Gegensatz zu seinen Wettbewerbern nicht den einen milliardenschweren Förderer besitzt, auf andere Geldquellen setzen muss. Hier kommt der britische Chemie-Milliardär Sir James Ratcliffe ins Spiel. Er ist mit dem Team UK um den britischen Olympia-Segler Sir Ben Ainslie erstmals in den America’s Cup eingestiegen.

          „Das Ganze machte keinen Sinn“

          „Die Milliardäre kreisen wie die Haifische, weil sie denken, Team New Zealand sei auf dem Papier verletzlich“, sagte der frühere Cup-Teilnehmer Dan Slater im Rundfunk. Konkret geht es darum, dass Ratcliffe, der seine Milliarden mit dem Chemiekonzern Ineos verdient, vorgeschlagen haben soll, den nächsten Cup als Duell zwischen Neuseeland und Großbritannien schon im nächsten Jahr auszutragen. „Sie reden davon, Ineos werde das alles bezahlen.

          Beide Mannschaften würden dann zur Isle of Wight gehen und einen America’s Cup segeln wie Mitte des 19. Jahrhunderts“, sagte Brad Butterworth und machte damit die Idee als Erster öffentlich. Der Neuseeländer ist ein Altstar der Szene und aufgenommen in die „Ruhmeshalle des America’s Cup“. Vor der Insel hatte die Yacht America als Herausforderer britische Yachten geschlagen. „Ich hoffe, die Geschichte von dem Duell der zwei ist nichts als ein Gerücht“, sagte Sirena. Dean Barker, der als Steuermann viermal für Neuseeland um den Cup segelte, ergänzte schlicht: „Das Ganze machte keinen Sinn.“

          Bei den Seglern aus dem pazifischen Raum mag mitspielen, dass sie das Revier vor Auckland gut kennen. Die englischen Reviere wie den Solent oder die Isle of Wight hingegen dürfte ihr künftiger Gegner Ainslie besser kennen. Er genießt dort auch die Unterstützung seiner Landsleute. Der neuerliche Cupgewinner Peter Burling hatte nach seinem Sieg am Mittwoch den Heimvorteil sehr hervorgehoben.

          Auch ist den Neuseeländern die gesichtslose Regatta vor den Bermudas, bei der Burling 2017 den Pokal zurück in die Heimat geholt hatte, noch gut in Erinnerung. Die Briten aber haben nun eine starke Stellung. Das Regelwerk aus den Anfängen des Cups sieht vor, dass nicht etwa zwei Länder, sondern zwei Segelklubs gegeneinander antreten. Andere können dann hinzukommen, so dass ein – erwünschtes – größeres Regattafeld der Herausforderer entsteht.

          In diesem Jahr fanden sich aufgrund der hohen Kosten nur noch Yachten aus Italien, Amerika und England ein. Nach dem letzten Zieldurchgang im Finale muss ein Klub dann den Gewinnerklub – in diesem Jahr abermals das Royal New Zealand Yacht Squadron in Auckland – herausfordern. Die Briten haben dies angeblich am Mittwoch sogar noch auf dem Wasser getan – wo Ratcliffes Yacht ankerte.

          Da eine Abordnung des Royal Yacht Squadron um Kommodore James Sheldon aus Großbritannien in Auckland weilte, liegt die Vermutung nah, dass sie die Herausforderung übergaben. Die Neuseeländer dürfen dies zunächst nicht bestätigen. Der Klub ließ erklären, für die Übergabe würden sogar Telefone und Computerleitungen unterbrochen, damit nichts nach außen dringe. Sheldon bestätigte aber schon einen „Austausch“ zwischen den Kommodores.

          Ein Beispiel für den Verkauf der Austragungsrechte lieferte das Schweizer Alinghi-Team. Nachdem sie den America’s Cup 2003 in Auckland gewonnen hatten, verkauften sie ihr Austragungsrecht für fast 90 Millionen Euro über drei Jahre an die spanische Stadt Valencia. Der 32. America’s Cup dort zog eine Flotte von zwölf Mannschaften an, so viel wie in den vergangenen 30 Jahren nicht. Aus dem Überschuss von rund 65 Millionen Euro erhielten die Schweizer 28, Team New Zealand immerhin noch gut 8 Millionen Euro.

          Die Regierung Neuseelands hatte Team New Zealand mit insgesamt 36 Millionen Neuseeland-Dollar (22 Millionen Euro) unterstützt. Die damalige Ministerpräsidentin Helen Clark fordert den Verbleib der Regattaserie in ihrer Heimat: „Es gibt zwei Veranstaltungen, die Neuseeland auf der Weltkarte positionieren: Rugby und Regattasegeln. Wenn wir so erfolgreiche Marken wie die All Blacks und Team New Zealand haben, sollte das Land sie als ‚Marke NZ‘ ganz offiziell unterstützen.“ Angesichts solcher Summen ist freilich auch nicht auszuschließen, dass Team New Zealand pokert. Dank der Gerüchte empört sich das ganze Land – was zu einer höheren Förderung mit Steuermitteln führen könnte.

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