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America’s Cup : Die Giganten lassen ihre Muskeln spielen

Abgehoben vor Auckland: Die Neuseeländer sind schnell unterwegs. Bild: Reuters

Auch am zweiten Tag des America’s Cups gewinnen Italiener und Neuseeländer jeweils einen Lauf. Der Vorteil liegt nun allerdings bei den Kiwis. Immer deutlicher werden die Unterschiede der Teams.

          3 Min.

          Sie schenken sich nichts. Auch nach dem zweiten Tag des America’s Cups steht es weiter unentschieden. Wie schon am ersten Renntag gewannen auch am Freitag Italiener und Neuseeländer jeweils einen Lauf. Damit steht es nach vier Läufen zwei zu zwei – wer als erster sieben Läufe gewinnt, sichert sich den 36. America’s Cup. Der Vorteil liegt nun allerdings bei den Kiwis: Am Freitagnachmittag gelang ihnen ein großes Comeback.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Hatten die Italiener den ersten Renntag mit einem Sieg beendet und setzten ihre Siegesserie im ersten Lauf am Freitag fort, gelang den Neuseeländern im zweiten Lauf am Freitagnachmittag vor Auckland die Revanche. Ernsten Debatten an Bord zwischen den beiden Läufen ließen sie einen beeindruckenden Sieg über Luna Rossa mit 700 Metern Vorsprung folgen. Nach einem Fehler der Luna Rossa verbuchten die Kiwis schon an der letzten Luvtonne mit einem Vorsprung von 63 Sekunden den bislang größten Vorsprung während dieser Regatta.

          „Pech gehabt nach einem guten Tag“, fasste Jimmy Spithill, Steuermann der Italiener, die beiden Rennen in der Sekunde nach dem verlorenen zweiten Lauf zusammen. Bei beiden Läufen am Freitag war die erste Wende nach dem Start entscheidend: Im ersten Rennen hatten die Neuseeländer um Steuermann Peter Burling keine Chance, im zweiten sicherten sie sich ihren Vorteil gegenüber Spithill und seiner italienischen Mannschaft. Luna Rossa wie auch Te Rehutai brachten danach ihre jeweiligen Rennen sicher über die Linie.

          Dabei ließ die jeweils erste Kreuz nichts an Dramatik vermissen: Auf dem ersten Schlag im ersten Rennen führen die Neuseeländer mit wenigen Metern vor den Italienern, erreichen die linke Seite der virtuellen Regatta-Arena und damit das Recht zu wenden. Damit müssen auch die Italiener umlegen. Eigentlich müssten die Kiwis nun ihre Führungsposition ausbauen.

          Stattdessen luvt die Luna Rossa die Cup-Verteidiger hoch, stellt sich für eine Sekunde höher an den Wind als sie. Dem sechsmaligen Weltmeister Burling bleibt nichts anderes, als die Te Rehutai hinter dem Heck der Italiener abfallen zu lassen und dann zu wenden. Danach beendet Spithill die erste Kreuz nicht nur mit zehn Sekunden Vorsprung, sondern auch mit Tonnen von Selbstbewusstsein.

          Burling und Spithill mit Nervenstärke

          Leichter Wind und wunderschönes Wetter hatten die Segler beim dritten Lauf des Cups vor Auckland vor besondere Herausforderungen gestellt. Zum einen, weil nicht klar war, ob das erste Rennen des Tages am Freitagnachmittag überhaupt gestartet werden könnte. Als es so weit war, lagen zwei der hunderte Zuschauerboote, die es auf das Wasser gezogen hatte, auf der Bahn und zwangen zu einer Startverschiebung.

          In diesem Moment hatten die Neuseeländer noch gut ausgesehen, nur um eine gute halbe Stunde später mit einer bitteren Niederlage umgehen zu müssen. Am Ende segelten die Italiener im ersten Lauf schlicht effektiver: Sie sparten auf dem Kurs fast einen Kilometer gesegelte Strecke gegenüber den Neuseeländern. „Wir sind einfach ein sauberes Rennen gefahren“, brachte der Ko-Steuermann der Luna Rossa, Francesco Bruni, die Sache nach dem ersten Lauf auf den Punkt.

          Beim zweiten Start dasselbe Bild, diesmal aber machen Burling und seine Männer alles richtig. Führend in sicherer Lee-Position zwingen sie die Italiener zur Wende auf die rechte Seite des Kurses. Dort gewinnen die Herausforderer zwar eine Führung von 50 Metern, können sie aber bis zum ersten Aufeinandertreffen der beiden AC75 nicht halten.

          Ein nun eiskalter, hellwacher Burling baut seine Führung beim zweiten Schlag auf 120 Meter aus und schafft es ohne Wegerecht vor dem Bug der Italiener vorbei. An der Luvtonne führen die Kiwis mit neun Sekunden. Dass es nach dem Raumschotkurs schon 34 Sekunden waren, lag auch an einer misslungenen Halse der Europäer – die bislang durch hervorragende Manöver brilliert hatten. Im Ziel des zweiten Laufs hatten die Neuseeländer 800 Meter Vorsprung vor Luna Rossa auf einem Kurs von rund 25 Kilometern Länge.

          Nach nun insgesamt vier Rennen schälen sich die Unterschiede der Gegner im Ringen um die älteste Sporttrophäe der Welt heraus: Bislang hat die Luna Rossa an der Kreuz bei leichtem Wind Vorteile gegenüber der Te Rehutai. Sie scheint minimal schneller. Wichtiger aber noch: sie segelt im entscheidenden Moment ein Quentchen höher. Vor dem Wind hingegen punkten die Kiwis – jedes Mal verringerten sie den Rückstand auf die Europäer oder bauten ihre Führung massiv aus.

          Auch die Mannschaften zeigen Unterschiede: In der Regel fuhren die Italiener die besseren Manöver, alles wirkt weicher, besser abgestimmt. Dies mag ihrer größeren Rennerfahrung während der Qualifikation geschuldet sein. Während Burling, der im ersten Rennen am Mittwoch beim Wechsel der Seiten sogar gestürzt war, davon sprach, seine Neuseeländer seien vielleicht ein „wenig eingerostet“.

          Die beiden Steuerleute, Burling und Spithill, geben sich bislang allerdings nichts mit Blick auf ihre Nervenstärke. Auf sie und die letzten Sekunden vor dem Start wird es nun wieder an diesem Samstag ankommen, für den zwei weitere Läufe angesetzt sind.

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