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Großer Ärger beim Segeln : Italiener sorgen für bittere Fehde um America’s Cup

Es geht nicht in die gleiche Richtung: Italiener (links) wollen bald wieder segeln, die Briten müssen sich wohl fügen. Bild: AFP

Mitten im Finale der Herausforderer eskaliert der Streit beim America’s Cup. Die Veranstalter wollen die nächsten Rennen wegen Corona-Fällen verschieben. Die führenden Italiener wehren sich. Nun gibt es jede Menge Ärger – und viele Verlierer.

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          Mit seinem aggressiven Kurs bringt das italienische Team beim America’s Cup während Corona-Zeiten weite Teile Neuseelands gegen sich auf. Der Nimbus vom Segeln als „Gentleman-Sport“ wird dabei beschädigt, und auch der Ruf der Sponsoren der Italiener, der Modekonzern Prada und der Reifenhersteller Pirelli, leidet.

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          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während die Neuseeländer die nächsten Regatten der Herausforderer aufgrund neuer Corona-Fälle unter anderem in einer Schule in Auckland verschieben wollen, setzten die Italiener das Weitersegeln ohne Zuschauer durch. Sie drohten damit, andernfalls zum Sieger der Serie erklärt werden zu wollen. Damit bekämen sie das Recht, vom 6. März an gegen das Team New Zealand um die älteste Sporttrophäe der Welt zu segeln.

          „Unsere Bitte, die Regatten wegen der Corona-Schutzmaßnahmen aufzuschieben, stieß auf taube Ohren“, kritisierte Tina Symmans, die Chefin des Veranstalterverbandes America's Cup Events (ACE), die Italiener scharf. Ärger und Enttäuschung über die Gäste in Neuseeland kochten am Morgen in Auckland hoch. „Ihnen geht es nur darum, mit Luna Rossa den Prada Cup zu gewinnen, nicht aber um das Gute für unser Land, das so hart dafür gearbeitet hat, diese Veranstaltung ausrichten zu können“, sagte Symmons. ACE wird von neuseeländischen Steuerzahlern finanziert, unter anderem auch vom Verteidiger des Cups, dem Team New Zealand geführt, und ist für die Ausrichtung verantwortlich.

          Am Samstag geht es weiter

          Am Tag zuvor hatte der Inselstaat, von der ganzen Welt beneidet um seinen erfolgreichen Umgang mit der Pandemie, fünf neue Ansteckungsfälle registriert. Bis Mittwochabend hatte die Regierung daraufhin die „Stufe 3“ der Vorsichtsmaßnahmen verhängt, die die für Mittwoch angesetzten zwei Läufe zwischen Italienern und Briten ausfallen ließen. Nach vier Siegen in Serie braucht die italienische Luna Rossa nur noch drei weitere in neun Läufen, um die Serie als Gewinnerin zu beenden.

          Von Donnerstag an verringerte die Regierung die Vorsichtsmaßnahmen dann auf „Stufe 2“ – damit ist ein Segeln ohne Zuschauer erlaubt. Auch trainieren die Teams schon auf dem Wasser. Da die Italiener sich eiskalt auf das Regelwerk berufen, kommt es nun am Samstag von 16.00 Uhr Ortszeit an in Auckland zu den nächsten Läufen.

          Weil die Regierung die Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Pandemie bis „mindestens Montagnacht“ beibehält, müssen aber Tausende Zuschauer, die bislang die Rennen auf und am Hauraki Golf verfolgten, zuhause bleiben. Hotels, Cafés und auch das „Race Village“ verlieren damit noch mehr Umsatz, die Festival-Stimmung nach einem überaus harten Lockdown in Auckland ist zerstört.

          Um in Corona-Zeiten möglichst wenig Zuschauer anzulocken, werden die Läufe auch nicht mehr auf den Innenbahnen vor dem Ufer stattfinden. Noch am Mittwoch hatten die beliebte neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern ihr Volk aufgefordert, „höflich“ miteinander umzugehen und in der wieder aufflammenden Pandemie Rücksicht zu nehmen.

          „Ein totaler Bruch der Regeln“

          Die Italiener aber zeigten sich gnadenlos und pochten auf die Regeln. Dabei hatten zuvor alle Mannschaften einer Verschiebung der Serie der Herausforderer notfalls über deren geplantes Ende zum 24. Februar hinaus zugestimmt. In einer scharfen Auseinandersetzung mit den Ausrichtern verwies die italienische Mannschaft auf den „Rennkalender, die legitimen Erwartungen der Konkurrenten, der internationalen Zuschauer und der internationalen Fernsehnetzwerke, die ihre Übertragungszeiten schon programmiert“ hätten. Alle Alternativen mit Blick auf den zeitlichen Ablauf seien „ein totaler Bruch der Regeln“.

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