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America’s Cup : Kuriose „Geisterrennen“ nach amerikanischem Desaster

„Wir hatten massive Probleme“: Die Italiener kämpfen mit den anderen Herausforderern vor dem America’s Cup. Bild: AFP

Nach dem Kentern fehlt das amerikanische Boot vorerst im Kreis der drei Herausforderer. Das führt zu unerwarteten Neuerungen beim America’s Cup. Für Briten und Italiener geht es am Wochenende um sehr viel.

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          Die starke Beschädigung der Jacht der amerikanischen Mannschaft in den Ausscheidungsrennen der Herausforderer für den America’s Cup hat immer weitreichendere Folgen. Da an der „Patriot“ weiterhin rund um die Uhr gearbeitet wird, fallen die für diesen Freitag in Auckland angesetzten Rennen aus. Stattdessen kommt es am Samstag zu einer Vorentscheidung zwischen den derzeit verbleibenden Konkurrenten – dem Team Luna Rossa aus Italien und der Britannia des Team UK. Die Briten unter Serien-Olympia-Sieger Sir Ben Ainslie gelten dabei als Favoriten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Italiener, die nach dem Kentern des Team „American Magic“ am vergangenen Sonntag einen – eigentlich unverdienten – Sieg nach Hause fuhren, blicken auf eine Woche sehr harter Arbeit. „Wir hatten massive Probleme“, sagte der Luna-Rossa-Steuermann Jimmy Spithill am Freitag mit Blick auf das Rennen gegen die Amerikaner. „Das einzige, was uns geblieben war, war eine Stoppuhr für 50 Dollar.“

          Er verwies damit auf den nahezu Total-Ausfall der Elektronik auf der hochgezüchteten AC75. Dies war der Grund, warum die Italiener in diesem Rennen unter anderem mehrfach die Begrenzung des Rennkurses schnitten und sich damit Strafen einhandelten. „Wir waren praktisch blind, wir hatten nichts mehr in der Hand“, sagte Spithill. Als die „Patriot“ kenterte, lag sie vor dem letzten Raumschotkurs ins Ziel mehr als einen halben Kilometer vor der „Luna Rossa“. 

          Nach dem Desaster der Amerikaner wird es an diesem Wochenende zu weiteren, unerwarteten Neuerungen des America’s Cup kommen: Der Prada Cup der Herausforderer wird um „Geisterrennen“ ergänzt. Obwohl die Amerikaner nicht antreten können, müssen ihre Konkurrenten aus Italien und Großbritannien in den gesetzten Duellen jeweils an der Startlinie erscheinen. Es wird, mit nur einer Jacht, einen Startschuss geben, dann den Abbruch und der Siegerpunkt geht an den einsamen Starter.

          Gewinnen sie den ersten Lauf am Samstag, sind die Briten nach dann insgesamt fünf Siegen automatisch im Finale der Herausforderer. Damit würden sie auch verhindern, dass die anderen Mannschaften in einem weiteren Lauf noch mehr Daten über die britische Jacht sammeln. Sie hat sich unter Ainslies Führung innerhalb weniger Wochen von einem hässlichen Entlein zu einem stolzen Schwan und echten Herausforderer der Neuseeländer gemausert.

          Gewinnen die Italiener mit ihrem australischen Steuermann Spithill hingegen beide Läufe gegen die Briten, sind die Teams mit jeweils vier Siegen punktgleich. Die Italiener wären dann, weil sie die letzte Regatta gewonnen hätten, Sieger dieser Vorausscheidung. Der Verlierer wird am 29. Januar im Halbfinale gegen die dann wieder einsatzfähigen Amerikaner antreten. Die Mannschaften sind nicht grundsätzlich gegen die veränderten Regeln eingestellt: „Es ist immer gut, noch mehr Praxis auf dem Wasser zu gewinnen“, sagte Francesco Bruni, neben Spithill Steuermann der Italiener. Man werde in den Geisterregatten nicht alles geben, aber eben doch vieles testen können.

          Auch werden, wie Renndirektor Ian Murray erklärte, von nun an alle Regatten sofort abgebrochen, wenn eines der beiden Boote kentert. Bislang wurde eine Mannschaft über fünf Minuten nicht disqualifiziert, solange sie keine Hilfe von außen annahm – was dazu führte, dass die Segler zu lange auf sich selbst gestellt blieben. Künftig können sich sofort alle Kräfte um das Bergen des gekenterten Schiffes kümmern. „Wir wollen sofort da sein, sofort durchzählen, ob alle Segler da sind“, sagte Murray. Beim Kentern der „Patriot“ hätten sich die Retter quälend lange fünf Minuten zurückhalten müssen, da das große Leck nicht sofort zu entdecken gewesen war.

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