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America’s Cup : Dicke Luft auf dem Luxusboot

  • -Aktualisiert am

Aus dem Gleichgewicht geraten: Das Team Oracle ist außer Form Bild: REUTERS

Geschlagen, deprimiert, aufgescheucht: Das Team Oracle braucht beim America’s Cup den Auszeit-Joker - und wird verspottet. Nun wird bei den Amerikanern über personelle Konsequenzen nachgedacht.

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          Larry Ellisons „Musashi“ wurde am Vormittag wieder dorthin bewegt, wo sie während der Rennen immer den Anker warf: zwischen Alcatraz und der Golden Gate Bridge. Vom luxuriösen Deck der Neunzig-Meter-Motoryacht ist das Duell der Katamarane besonders angenehm zu verfolgen. Dem Software-Milliardär dürfte am Dienstag allerdings die Laune vorerst vergangen sein nach der bitteren Offenbarung seines Oracle-Teams. Die Regatta ist für den Titelverteidiger in eine kritische Phase geraten.

          Innerhalb weniger Tage könnte Ellisons Investment von bis zu 200 Millionen Dollar auf Nimmerwiedersehen in der schönen Bucht von San Francisco versenkt werden. Erstmals in der Geschichte des America’s Cup nahm eine angeschlagene Crew nun den Auszeit-Joker in Anspruch und verlegte ein vorgesehenes Rennen. „Wir müssen uns neu formieren“, sagte Oracle-Steuermann James Spithill und antwortete auf die Frage nach personellen Konsequenzen so: „Ich kann nichts garantieren, nicht mal, dass auch ich wieder dabei sein werde.“

          Der dritte Renntag hatte eine dramatische Wendung genommen. Bei besten Bedingungen und gewohnt beständigem Wind von rund 20 Knoten war die Oracle-Crew gut gestartet und lag dann auf dem Weg zur Lee-Tonne (windabgewandte Seite) zeitweise mit fast 200 Metern in Führung. Die Aufholjagd gegen die bisher etwas stärkeren Neuseeländer sollte weitergehen. Taktische Fehler und ein katastrophales Wendemanöver, bei dem der riesige Katamaran fast zum Stehen kam, führten aber zur vierten Niederlage in dieser Rennserie. Mit 65 Sekunden Rückstand kamen die Amerikaner schließlich im fünften Rennen ins Ziel. Geschlagen, deprimiert - und aufgescheucht: Ellisons hochbezahlte Crew als Segel-Stümper?

          In Neuseeland, wo die Hälfte der Bevölkerung während der Rennen vor den Fernsehern sitzt, sorgte die Joker-Entscheidung, dass das sechste Rennen nun erst am Donnerstagmittag (Ortszeit) ausgesegelt wird, für einen Lesersturm in den Internetportalen der dortigen Medien. Die Segelfans zogen entweder spöttisch über das Milliardärs-Team her oder empörten sich über die in der Geschichte des America’s Cup einmalige Verlegung.

          „Wir können Rennen gewinnen“

          Die wurde in der Vergangenheit nur dann in Anspruch genommen, wenn an den Booten ein Materialschaden entstanden war. Nun aber muss sich eine Mannschaft neu sortieren. „Wir können Rennen gewinnen“, sagte Spithill später. Nach dem verpatzten Rennen sprang er in ein Beiboot, in dem Teamchef und Segellegende Russell Coutts (kommt selbst aus Neuseeland) saß, der für Ellison die Millionenkampagne leitet. Hubschrauberkameras fingen Bilder einer lebhaften Diskussion ein. Dicke Luft bei Oracle.

          Von den findigen Neuseeländern wird der Segel-Wettstreit zu einem Duell zwischen Arm und Reich stilisiert. Doch aufs Wesentliche komprimiert, hinterlässt die in Führung liegende Crew derzeit einen gereifteren, besser eingespielten Eindruck. Die Katamarane selbst machen technisch wohl nicht den großen Unterschied. Aber was lässt sich Oracle jetzt einfallen? Gut möglich ist, dass entscheidende Positionen an Bord bis Donnerstag neu besetzt werden.

          Die Herausforderer aus Neuseeland brauchen noch fünf Siege zum Titelgewinn
          Die Herausforderer aus Neuseeland brauchen noch fünf Siege zum Titelgewinn : Bild: AP

          Taktiker John Kostecki, der auf dem Katamaran Spithill die entscheidenden Hinweise geben muss, steht offenbar zur Disposition. Der Segel-Veteran gewann vor zehn Jahren auf der deutschen Yacht „Illbruck“ das Ozean-Rennen und kennt eigentlich die Bedingungen in der Bucht von San Francisco bestens, kommt er doch von hier. In seiner Verantwortung stand am Dienstag das fatale Wendemanöver an der Lee-Tonne. Oracle hat ein mit Millionengagen bezahltes, doppelt besetztes Luxusteam. In Warteposition befindet sich der viermalige britische Olympiasieger Ben Ainslee. Er lenkte bisher den Trainingskatamaran der Amerikaner und könnte Kostecki ablösen.

          Die Frage ist, wie viel Einfluss Ellison von ganz oben nehmen wird. Der fünftreichste Mensch der Welt ist nicht zimperlich mit seinen Entscheidungen, wenn das Steuer herumgerissen werden muss. Und sein Ziel, die älteste Trophäe des Sports in der eigenen Vitrine zu behalten, gerät in Gefahr. Die Neuseeländer müssen für den Triumph nur noch fünf Rennen gewinnen, die Oracle-Crew wegen einer Strafe doppelt so viele. Spithills Sätze klingen nun wie Durchhalteparolen: „Wir kommen wieder. Keiner von uns ist nervös.“

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