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America's Cup : Bruch mit der Tradition

Im Angesicht des Pokals: Oracle-Chef Larry Ellison plant Reformen des America's Cup Bild: REUTERS

Larry Ellison will den America's Cup für die iPhone-Generation attraktiv machen. Mehrrumpf-Yachten sollen für mehr Spektakel sorgen. Für die nächste Ausrichtung 2013 oder 2014 gibt es derweil neue Bewerberreviere.

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          Larry Ellison zeigt sich voller Tatendrang. Gerade ist er der Initiative von vierzig Milliardären aus den Vereinigten Staaten beigetreten, die allesamt das Versprechen abgegeben haben, einen großen Teil ihres Vermögens spenden zu wollen. Doch nicht nur auf diesem Gebiet hat der nach Forbes-Erhebungen sechstreichste Mensch der Welt und Begründer des Software-Konzerns Oracle seine Vorstellungen, zu welchem Zweck sein vieles Geld eingesetzt werden sollte. Ellisons liebste Nebenbeschäftigung ist das Segeln - und auch hier könnten demnächst im Namen des 66 Jahre alten Amerikaners Entscheidungen fallen, die für Aufsehen sorgen dürften.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was eine Projektgruppe von Spezialisten derzeit im geheimen Auftrag für den nächsten America's Cup ausarbeitet, hat revolutionären Charakter. Wie die F.A.Z. erfuhr, soll für die 34. Ausgabe des wichtigsten Segelwettbewerbs mit einer langen Tradition gebrochen werden. Nicht mehr die üblichen Yachten mit einem Rumpf, sondern viel schnellere, spektakulärere, aber auch gefährlichere Katamarane (zwei Rümpfe) oder Trimarane (drei Rümpfe) sollen eingesetzt werden. Diese monströsen Gerätschaften, die mit riesenhaften Flügelsegeln auf einer Kufe über das Wasser gleiten und mit Hochtechnologie ausgerüstet sind, waren schon im vergangenen Februar zu sehen gewesen, als vor Valencia der Gewinner des 33. America's Cup ermittelt wurde. Doch da schien das Mehrrumpf-Duell bloß eine Ausnahme zu sein, weil sich die beiden Konkurrenten nicht auf ein gemeinsames Format einigen konnten und jeder für sich bei der Konstruktion seiner Rennyacht die Grenzen des Machbaren auslotete.

          Mit seinem Sieg im Winter mit dem Team von BMW Oracle Racing über den Schweizer Gegner Alinghi hat Ellison nun das Recht erhalten, die wichtigsten Paragraphen im Reglement festzulegen - Bootstyp, Zeitplan, Revier. Die Machtfülle für den Titelträger ist eine Spezialität beim America's Cup. Der für sein dynamisches Auftreten bekannte Unternehmer hat zuletzt betont, wie wichtig ihm die Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung des Segelns sei. Aus seinem Umfeld ist zu vernehmen, worum es geht: „Wir müssen attraktiver werden für junge Leute. Wir müssen unsere Zielgruppe erweitern, die Youtube- und iPhone-Generation für uns begeistern und darüber neue Sponsoren gewinnen“, heißt es.

          Der Katamaran soll mehr Spektakel bringen

          Gegenwind von Traditionalisten

          Starker Gegenwind wird von Traditionalisten aus Neuseeland und England erwartet. Dafür werden sich andere wie die Franzosen Chancen ausrechnen. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen auf Mehrrumpfbooten. Das gilt auch fürs Schweizer Alinghi-Team. Eine Flotte mit Hochleistungskatamaranen unterstützt sogar der Oman. Hier lockt das Geld vom Persischen Golf. Parallel dazu wird von Ellisons Leuten an einem gewöhnlichen Konzept für Einrumpfboote gearbeitet, weil eben nicht heraus ist, ob bei einer Neupositionierung ein breites Teilnehmerfeld zusammenkommen würde. Am nächsten Dienstag wird als erste Information das Protokoll für den 34. Cup veröffentlicht - vorerst mit beiden Varianten.

          Auch bei der Festlegung des Reviers ist inzwischen eine Überraschung möglich. Ellison hat zwar eine persönliche Präferenz für seine heimatlichen Gewässer vor San Francisco, zumal sein Segelteam unter der Flagge des Golden Gate Yacht Club fährt. Doch die Stadt wie der Bundesstaat Kalifornien sind mehr oder minder pleite und eigentlich nicht in der Lage, eine Veranstaltung dieser Kategorie - außer mit netten Worten - zu unterstützen. San Francisco würde zwar alte Hafenanlagen mietfrei zur Verfügung stellen, aber die müssten erst mit etwa hundert Millionen Dollar aufwendig renoviert werden. Das Geld wäre von Ellison privat aufzubringen. Vieles wird davon abhängen, wie groß der politische Wille für die Ausrichtung ist und ob Ellison aus Verbundenheit wirtschaftliche Aspekte bei der Entscheidung vielleicht doch nicht so hoch ansetzt.

          Revier in Italien?

          Schon kommt eine andere, derzeit in den Hinterzimmern heiß diskutierte Option ins Spiel, mit welcher der Milliardär schon liebäugeln soll. Italienische Investoren sollen ihm ein Angebot über weit mehr als eine halbe Milliarde Dollar gemacht haben, wenn der Cup in Italien stattfände, und hätten dafür schon ein passendes Revier parat. Hinter diesem Plan steht der Reeder Vincenzo Onorato, dessen Segelteam Mascalzone Latino schon als erster Herausforderer von Ellisons Team feststeht. Für Italien spricht neben der Finanzierung auch die große Begeisterungsfähigkeit seiner Segelfans.

          Auch die spanische Stadt Valencia hat ein Angebot abgegeben, das jedoch weit hinter dem italienischen liegen soll. Hier hofft man auf den Vorteil der vorhandenen Infrastruktur. Eine Rückkehr in das Regattarevier von 2007 und 2010 scheint eher unwahrscheinlich. Die amerikanischen Küstenstädte Newport und San Diego sind derweil aus dem Rennen. Von nächstem Jahr an sollen Vorregatten rund um den Globus mit dem Status von sogenannten Weltmeisterschaften stattfinden. Der nächste Wettstreit um den America's Cup ist für 2013 oder 2014 geplant.

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