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America's Cup : Auf der Suche nach den segelnden Superreichen

America's Cup: Bis Ende März haben Interessenten Zeit für die Meldung Bild: REUTERS

Die Vorregatten des America's Cup beginnen im Juni in Europa. Bisher gibt es nur vier offizielle Herausforderer des Titelverteidigers Oracle. Die Organisatoren glauben trotzdem weiter an ihre Geschäftsidee, die sicherlich ihre Reize hat.

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          An Hoffnungen und Versprechungen fehlt es nicht. „Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt für diese Veranstaltung“, kommentierte der Bürgermeister San Franciscos, Gavin Newsom, die Entscheidung. Larry Ellison, unter den Reichsten der Welt die Nummer sechs, Besitzer des Siegerteams Oracle und treibende Kraft hinter dem Großprojekt, nennt das Revier ein „Amphitheater des Segelns“, weil die Zuschauer von den erhöhten Landzungen aus in der San Francisco Bay die Rennen auf den pfeilschnellen Katamaranen so nah wie nie zuvor verfolgen könnten. Der ökonomische Nutzen für die Stadt soll 1,4 Milliarden Dollar betragen, 8000 neue Arbeitsplätze würden geschaffen, heißt es. Seit am Silvestertag von den Organisatoren des America’s Cup öffentlich gemacht wurde, wo die 34. Ausgabe des wichtigsten Segel-Wettbewerbs im Jahr 2013 stattfinden wird, sind die Beteiligten um Aufbruchstimmung bemüht. Die ist nötig, weil das Thema zuletzt von Negativmeldungen beherrscht wurde.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorbereitung auf den 34. Cup erwies sich als ziemlich zähe Angelegenheit. Vor allem ist es bis heute nicht gelungen, ein Teilnehmerfeld zusammenzubekommen, welches auf weitere Interessenten anziehend wirkt. Dafür kamen Absagen, darunter überraschende wie vom breit aufgestellten britischen Team Origin, mit dem fest gerechnet worden war. Dass Ellisons alter Rivale Alinghi aus der Schweiz, die Südafrikaner oder das sowieso nur noch auf dem Papier existente Team Germany des Internet-Milliardärs Dommermuth die Segel streichen würden, war zu erwarten. Womöglich ist der Spieltrieb segelnder Superreicher und die Innovationsbereitschaft von Konzernen für ein neues Format überschätzt worden, als Ellisons Leute als Titelverteidiger und damit maßgebende Regelwarte im August eine revolutionäre Veränderung von Einrumpfbooten zu 72-Fuß (22 Meter) Hochgeschwindigkeits-Katamaranen ankündigten. „Wir werden wilde, aufregende Rennen sehen“, warb Ellison für die Idee.

          Budget von 40 bis 100 Millionen Euro

          Vielleicht ist auch nur die Zeit ein Problem. Überzeugungsarbeit geht nicht von heute auf morgen. Und wieder ist viel Geld nötig. Nur noch bis Ende März haben Interessenten Zeit für die Meldung. Wer konkurrenzfähig sein will, braucht je nach sportlicher Ausrichtung bis ins Jahr 2013 ein Budget von 40 bis etwa 100 Millionen Euro. Einzig Ellisons Oracle-Team ist bisher rundum perfekt ausgestattet und auf einem hohen technischen Niveau. Da ist auch der Absprung des langjährigen Werbe- und Technologiepartners BMW vor Weihnachten zu verkraften.

          Larry Ellison, unter den Reichsten der Welt die Nummer sechs, ist Besitzer des Siegerteams Oracle

          Zu ungewiss ist anscheinend für die Marketingleute des Automobilbauers der Erfolg der neuen Serie. So gibt es bisher nur vier offizielle Herausforderer der Amerikaner, und nur einer von ihnen, die Schweden von Artemis, scheinen ihr Geld beisammen zu haben. Weitere Meldungen kamen bisher von einem französischen Team und einem unbekannten Syndikat, hinter dem wohl die abwartenden Neuseeländer stehen. Der erste und damit wichtigste Herausforderer, die Italiener von Mascalzone Latino, gibt offen zu, Finanzprobleme zu haben.

          Die Organisatoren glauben weiterhin an ihre Geschäftsidee, die sicherlich ihre Reize hat. Nun soll endlich richtig Wind gemacht werden. Dafür wurden zwei Marketingexperten engagiert, die einst die Champions League im Fußball groß gemacht haben. Für Ellisons Segel-Traum im Heimatrevier werden nun große Teile der Hafenanlagen an den Piers saniert. Den größten Millionenbatzen übernimmt der Milliardär, der dafür Pachtoptionen erhält. Im Juni wird der neue America’s Cup dann erstmals auf dem Wasser sichtbar werden.

          „Wir haben zwei sehr gute Kontakte“

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung startet dann in Europa (wahrscheinlich in Italien) die mehr oder minder weltumspannende Grand-Prix-Serie, das sind vier bis fünf Vorregatten pro Jahr, welche auf den eigentlichen Cup 2013 vor San Francisco zusteuern. Gesegelt wird in dieser Saison auf kleineren Katamaranen, die derzeit in Neuseeland für alle Teams gebaut werden. Darüber, wer bis Ende März noch mit an Bord geht, gibt es nur Gerüchte. Zu hören ist von Interessentengruppen in Australien, Brasilien oder gar Südkorea. Auch das deutsch-französische Team All4One von Jochen Schümann scheint noch etwas beim America’s Cup probieren zu wollen.

          „Wir haben zwei sehr gute Kontakte zu internationalen Unternehmen“, sagt Stéphane Kandler, neben Schümann Geschäftsführer. Der deutsche Segelstar hält sich derzeit als Privatmann bei der WM in der Drachen-Kielbootklasse vor Melbourne auf und ist in Sachen Cup-Chancen zurückhaltend. Wahrscheinlicher ist, dass bei All4One alles beim Alten bleibt und die neue Saison mit einer nagelneuen Rennyacht bestritten wird – aber auf einem Rumpf, in den hergebrachten Top-Wettbewerben. Es ist sogar gut möglich, dass sich Geldgeber Audi noch mehr engagieren wird.

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