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Amateurfußball : Lebenslange Vereinstreue - das war einmal

  • -Aktualisiert am

Schwere Zeiten für den Amateur-Fußball Bild: picture-alliance / dpa

Nach der einzigartigen WM-Begeisterung werden die Zuschauer wohl auch zum Bundesligastart wieder in die Stadien stürmen. Auf den Sportplätzen der Amateurklassen ist dagegen wenig los. Ein trauriger Trend für die Zukunft?

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          Während die Profivereine in der Fußballsaison 2006/07 wieder mehr mit Zuschauerrekorden rechnen, stellt sich die Lage bei den Amateurvereinen wenig rosig dar. Dieter Degenhart, langjähriger Präsident des Bayernliga-Vereins FC Memmingen, denkt lieber an frühere Zeiten zurück. In den fünfziger und sechziger Jahren zählte der FCM im Schnitt über 1000 Zuschauer pro Spiel, heute sind es kaum mehr als 400 - was nur einen Bruchteil des Etats deckt. Und auch der sechzigjährige Lutz Grüneberg, Präsident und früherer Spieler des FC Konstanz, klagt: „Während Anfang der siebziger Jahre im Schnitt 1200 Zuschauer unsere Spiele besuchten, sind es heute in der fast gleichen Klasse zwischen 200 und 250.“ Andere hat es schlimmer getroffen: Der VfR Heilbronn und Union Böckingen trugen ihre Derbys in den sechziger und siebziger Jahren vor 6000 bis 10.000 Zuschauern aus. Heute spielt der VfR (mittlerweile FC Heilbronn) vor kaum mehr als 300 Zuschauern (Landesliga Württemberg) und Union Böckingen vor 120 (Bezirksliga).

          Die Beispiele zeigen: Den Amateurvereinen sind über Jahrzehnte hinweg die Zuschauer davongelaufen - auch wenn einzelne Ligen durch Sonderfaktoren kurzzeitig ihre Zuschauerzahlen erhöhen konnten; etwa die Bayernliga in den achtziger Jahren, als 1860 München wegen Lizenzentzug dort spielen mußte. Genaue Zahlen zum Zuschauerrückgang im Amateurfußball kennen weder der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch die regionalen Fußballverbände, obwohl „das Thema bekannt ist“.

          Zuschauerrückgang begann in den achtziger Jahren

          So bleibt denn auch unklar, wann der Zuschauerrückgang eingesetzt und ob er sich kontinuierlich oder in Phasen vollzogen hat. Mit der Bundesliga-Einführung 1963 ging offenbar kein Rückgang einher; er scheint in den achtziger Jahren begonnen und sich in den neunziger Jahren fortgesetzt zu haben. Degenhart geht von einem „steten und schleichenden Zuschauerrückgang seit Einführung von Direktübertragungen und der zunehmenden Präsenz der Ersten Bundesliga“ aus. Ein Teil der Amateurspiele-Zuschauer begann, lieber Spiele des nächstgelegenen Bundesligavereins zu besuchen. Andere frönten lieber dem Fußball im Fernsehen, wo mittlerweile jeden Tag Spiele (Bundesliga, Champions League, Tore aus allen europäischen Ligen und Diskussionsrunden) geboten werden.

          Sicher ist, daß sich fast das ganze Fußballinteresse auf den Profifußball richtet. Der Fernseh- und Starfußball liefert den Gesprächsstoff, fürs Lokale bleibt nichts mehr übrig, schlimmer: Das Fernsehen löst lokale Bindungen auf. Schließlich hat das Fernsehen die Fußballkonsumenten verwöhnt - das Amateurspiel bleibt gegen das Profispiel ohne Chance. Ein weiterer Grund für den Zuschauerrückgang im Amateurfußball liegt sicher darin, daß sich ein Teil der Zuschauer anderen Freizeitangeboten zugewendet hat. Außerdem findet sich ein hausgemachtes Problem: In nicht wenigen Amateurmannschaften, selbst in unteren Ligen, spielt kaum noch jemand aus dem eigenen Ort.

          „Die sorgen kaum noch für Stimmung“

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