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Amateure im Milliardengeschäft : Abgezockt in der Welt des College-Sports

  • -Aktualisiert am

Danke, liebe Studenten: Coach Nick Saban kassiert 5,5 Millionen Dollar Bild: AFP

Milliarden für die Universitäten - nichts für die Athleten: Wegen eines uralten Amateur-Ideals dürfen amerikanische Collegesportler kein Geld verdienen, während die Hochschulen grandios Geschäfte machen. Doch dem scheinbar unantastbaren System droht das Ende.

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          Vor ein paar Wochen wurde Joel Bauman von seiner Universität vor eine schwierige Entscheidung gestellt, die mit dem Bildungsauftrag der Hochschule nichts zu tun hat. Sie lautete: Entweder gibt er seine Karriereambitionen als Komponist und Rap-Sänger auf. Oder ihm wird sein Stipendium gestrichen, 20.000 Dollar pro Jahr für Unterkunft und Schulgeld. Das hatte er vor etwas mehr als einem Jahr aufgrund eines besonderen Talents erhalten. Bauman ist Ringer und war bislang Mitglied der Universitätsmannschaft. Der 21-jährige Halbschwergewichtler konnte die gönnerhafte Unterstützung bislang rechtfertigen. In den ersten Semestern gewann er für die University of Minnesota zahlreiche Kämpfe. Doch als die Verantwortlichen aus der Sportabteilung erfuhren, dass ihr Student nebenbei Musik aufnimmt, eigene Videos bei YouTube einstellt, um sie zu bewerben, und die Songs dann auch noch über die iTunes-Webseite für 99 Cent pro Download verkauft, griffen sie ein.

          Sportler als Schachfiguren

          Bauman, schwarzer Adoptivsohn weißer Eltern aus einem kleinen Bauerndorf 150 Meilen von Minneapolis entfernt, verstößt mit seinen kleinen Geschäften gegen eine der heiligen Grundregeln des auf ein uraltes Amateur-Ideal fixierten amerikanischen College-Sports. Danach dürfen Stipendiaten weder ihren Namen noch ihr Abbild oder ihren Status als Student dazu verwenden, auf irgendeine Weise Geld zu verdienen. Doch Bauman sträubt sich gegen solche Eingriffe in sein Privatleben und resignierte lieber, anstatt um sein Stipendium zu ringen: „Wenn es nicht so sein soll, dann ist es eben so.“

          Er hat das Ziel, mit seiner Musik Menschen zu erreichen, zu inspirieren, und sieht darin eine bessere Zukunft. Das Video seines Liedes „Ones in the Sky“ haben bereits mehr als 50.000 Internet-Nutzer angeklickt, angeregt auch durch Medienberichte über die kompromisslose Strafaktion der Universität. Die Artikel passen auf eine konsequente Weise in die Landschaft einer rigoros regierten Sportwelt, deren Ursprünge weit mehr als hundert Jahre zurückliegen und die seitdem ein Eigenleben führt: Die Hauptfiguren - die Sportler - sind so etwas wie Schachfiguren. So verfügen die reichsten Universitäten über Stadien mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern, die sie bei Footballspielen ohne Probleme füllen. Sie besitzen Trainingsanlagen und Sporthallen, die es mit jedem Profiklub aufnehmen. Und sie ködern Cheftrainer in den Paradesportarten Football und Basketball mit Jahresgehältern von mehr als 1,5 Millionen Dollar im Schnitt.

          College-Sport als Milliardengeschäft

          Spitzenreiter ist Nick Saban von der University of Alabama, dem dreimaligen Football-Meister, mit 5,5 Millionen Dollar im Jahr. Die Einnahmen kommen vor allem aus dem Verkauf von Fernsehrechten, die den College-Sport zu einem Milliardengeschäft gemacht haben. Mit zusätzlichen Quellen wie den Lizenzrechten aus Videospielen und dem Verkauf von Trikots sowie Kappen mit den Logos der Mannschaften werden weitere Umsätze erzielt. Dass sie davon nicht profitieren, akzeptieren die Sportler ohne großes Murren, weil sie die Zeit an der Uni als Durchgangsstation zu gut dotierten Verträgen in den Profiligen betrachten. So wie Joel Bauman.

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