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Tennis-Glosse zum 60. : McEnroe, der alte Rabauke

Duell zweier Tennis-Größen: Boris Becker (rechts) und John McEnroe beim Daviscup 1987. Bild: dpa

Der Tennis-Rabauke von einst hat Geburtstag. Und noch immer treibt er gerne Schabernack, auch wenn sich etwas Entscheidendes geändert hat. John McEnroe zum Sechzigsten.

          John McEnroe, der Tennis-Rabauke von einst, ist heute ein erfolgreicher Schauspieler seiner selbst. Bei Showturnieren der Altherren markiert der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger den verzweifelt Ehrgeizigen wie an seinen besten Tagen in den achtziger Jahren. Daneben pflegt McEnroe sein altes Rüpel-Image als frecher Interviewer sowie von Zeit zu Zeit als selbsternannter „Tennis-Commissioner“ im Fernsehsender Eurosport.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In diesen Rollen wettert der Amerikaner gegen den Ausverkauf des Davis Cup oder stichelt gegen diesen und jenen, den er doof findet. Bei seinen gespielten Ausfällen ist „Big Mac“ höchst unterhaltsam: Er treibt nicht mehr sich, seine Gegner und die Zuschauer zur Weißglut, um am Ende zu gewinnen, sondern er treibt jetzt eher Schabernack. Vermutlich hat McEnroe in den vielen Stunden seiner Anti-Aggressions-Therapie gelernt, seinen Hitzkopf zu kontrollieren und ihn nur noch kalkuliert einzusetzen. Jedenfalls zeigt sich an dem Amerikaner, der an diesem Samstag vor 60 Jahren in Wiesbaden geboren wurde, dass Biestigkeit kein Lebensschicksal ist.

          Junge Rowdys folgen nach

          Eine ganze Weile hat es so ausgesehen, als ob John McEnroe ohne Nachfolger bliebe. Seit Jahren liefern sich Federer, Nadal, Djokovic und Co. zwar heiße Tennisduelle, gehen aber respektvoll und höflich miteinander um. Diejenigen, die ihnen sportlich nacheifern, sind wieder von anderem Schlag: Sie neigen wie einst McEnroe zur grenzenlosen Verbissenheit, allen voran Alexander Zverev und Stefanos Tsitsipas. Der Deutsche hackt mitunter nicht nur auf seinem Schläger herum, sondern auch auf dem Gegner.

          Als Zverev vor Monaten gegen Tsitsipas verlor, attestierte er dem Griechen eine mäßige Leistung und bezeichnete die Niederlage als „lächerlich“. Tsitsipas sagte danach weise, einen guten Spieler erkenne man eben an einem schlechten Tag. So gesehen ist der Grieche ein ganz miserabler Spieler. Als er am Mittwoch dem Bosnier Damir Dzumhur unterlag, regte sich Tsitsipas über dessen „sehr einfaches Tennis“ auf: „Ich habe gegen mich verloren, nicht gegen ihn.“ Man kann den heutigen Motzkis ihre Jugend zugutehalten. Man kann sich aber auch wünschen, dass sie gelegentlich die Klappe halten.

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