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All-Star-Spiel in der NBA : Nowitzkis Dilemma: „Ich kann nicht dunken“

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„Dirkules” Nowitzki führt die Dallas Mavericks in dieser Saison von Sieg zu Sieg Bild: REUTERS

Dirk Nowitzki ist der überragende Spieler der Dallas Mavericks, dem mit Abstand besten Team der NBA. Basketball-Experten loben ihn in den höchsten Tönen, bei den Fans hat er indes keine Lobby. Im „Beliebtheitswettbewerb“ All-Star-Spiel ist Nowitzki nur Ersatzspieler.

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          In ihrer Beschäftigung mit Sport haben viele Amerikaner eine Leidenschaft: Sie betrachten Mannschafts-Spiele gerne aus der Perspektive vieler kleiner statistischer Detailinformationen, um Antworten auf Fragen zu finden wie: Wer ist wirklich ein besserer Baseballspieler? Welcher Basketballer hilft seiner Mannschaft? Und wer spielt nur für die Galerie? Die Faszination hat mittlerweile eine Reihe von Akademikern angesteckt, die ständig neue Rechenergebnisse nachreichen.

          Einer der profiliertesten ist der kalifornische Professor David J. Berri, einer der Co-Autoren von „The Wages of Win“, der eine komplizierte Formel entwickelt hat, um zu berechnen, welcher NBA-Profi wirklich das viele Geld wert ist, das ihm sein Klub bezahlt. Eine Zwischenbilanz für die laufende Saison veröffentlichte er kürzlich in seinem Blog „The Wages of Wins Journal“. Die Tabelle seiner Top 30 machte klar, dass Spieler wie Allen Iverson (Denver Nuggets) trotz ihrer hohen Korbausbeute nicht zu den wertvollen Leistungsträgern in der NBA gehören und deshalb als absolut überschätzt eingestuft werden müssen. Auch hoch gelobte junge Stars wie LeBron James (Cleveland Cavaliers) und Dwayne Wade (Miami Heat) bringen nicht annähernd die Leistung, die man ihnen so gerne zuschreibt.

          Nowitzki: „Ich kann nicht dunken“

          Demgegenüber tauchte ein Name in statistischen Einzelkategorien wie „Siege produziert“ und „NBA-Effizienz“ stets auf Platz zwei oder drei auf: Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks. Der deutsche Nationalspieler hat hauptsächlich dafür gesorgt, dass seine Mannschaft mit 43 Siegen und 9 Niederlagen das erfolgreichste Team der laufenden Saison ist. Doch bis zu den Millionen von Fans, die in jedem Winter am Computer über die Start-Aufstellung der beiden Auswahlmannschaften aus der Western und der Eastern Conference abstimmen, hat sich diese Tatsache offensichtlich noch nicht herumgesprochen. Nowitzki kam in der Gruppe der Flügelspieler nur auf den vierten Platz.

          „Dirkules” Nowitzki führt die Dallas Mavericks in dieser Saison von Sieg zu Sieg Bilderstrecke

          Das irritierte vor allem Mark Cuban, den Eigentümer der Dallas Mavericks. Er kritisierte, dass auch Basketballfans außerhalb der Vereinigten Staaten Stimmrecht haben, weshalb der Chinese Yao Ming (Houston Rockets) auf der Center-Position seit Jahren gewinnt, auch wenn er verletzt ist wie in dieser Saison. Nowitzki nimmt solche Entscheidungen nicht persönlich. „Wir wissen alle, dass das All-Star-Spiel ein Beliebtheitswettbewerb ist“, sagte er. „Ich bin nicht auffällig. Ich kann nicht dunken. Und niemand will wirklich einen kurz angedribbelten Sprungwurf aus fünf Metern sehen.“

          Nowitzki im Popularitätswettstreit benachteiligt

          Trotzdem wird Nowitzki an diesem Sonntag in Las Vegas dabei sein. Die Fans bestimmen nur über jeweils fünf Spieler. Die anderen sieben in jedem Team werden von den Trainern nominiert. Und die sahen keinen Grund, den Würzburger nicht einzuladen. Womöglich ist der 28 Jahre alte Deutsche beim Rennen um einen anderen Popularitätswettstreit ebenso benachteiligt. Dabei geht es um den prestigeträchtigen Titel „Most Valuable Player“ (MVP), der dem mutmaßlich wertvollsten NBA-Profi der regulären Saison verliehen wird. Die Entscheidung darüber treffen 125 von der Liga ausgewählte Fachjournalisten, die einen Stimmzettel mit fünf Namen ausfüllen und ihnen zehn, sieben, fünf, drei und einen Punkt zusprechen. Das System sorgt dafür, dass meistens der Spieler gewinnt, der von einer relativen Mehrheit am höchsten eingestuft wurde.

          Im vergangenen Jahr reichte es für Nowitzki zum dritten Platz. Das Rennen machte sein ehemaliger Mannschaftskollege und bester Freund Steve Nash von den Phoenix Suns zum zweiten Mal in Folge. Diesmal muss Nowitzki erleben, wie er öffentlich von Dwayne Wade wegen seiner angeblich fehlenden Führungsqualitäten kritisiert wird. Wades überragende Leistung hatte die Mavericks im Liga-Finale im vergangenen Juni den Titel gekostet. Deshalb hat Nowitzki wohl auch nur eine Chance auf den MVP-Titel, wenn seine Mannschaft am Ende dieser Runde im April unangefochten das beste Punktekonto von allen Teams aufweist.

          „Gebt Dirk den Pokal“

          Die stärkste Konkurrenz bilden die Phoenix Suns. Deren Spielmacher Steve Nash hat allerdings darüber geklagt, dass alle eingeladenden Spieler gezwungen sind, zu dem bedeutungslosen Show-Termin des All-Star-Games zu fliegen. In diesem Jahr bleibt dem Kanadier die Reisewohl erspart, er leidet unter einer Schulterverletzung. Demgegenüber muss der ohnehin viel beanspruchte Nowitzki, der im vergangenen Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Japan teilgenommen hatte, in Las Vegas auch noch seinen Erfolg im Wettbewerb der Drei-Punkte-Würfe aus dem vergangenen Jahr verteidigen.

          Wirklich positiv wird die Veranstaltung wohl nur für die Tourismuswerbung der Glücksspielermetropole sein. Denn sie wird in 210 Länder vom Fernsehen übertragen. Die Besucherzahlen in Las Vegas stagnieren, aus Deutschland etwa kommen seit einer ganzen Weile rund 100 000 pro Jahr. Auch der Werbeeffekt des All-Star-Spiels mit dem Namen Nowitzki soll das ändern. Keith Mangum, der Vertreter der Stadt in Sachen Tourismus für den deutschen Markt, ist zuversichtlich, dass sich vor allem wohlhabende jüngere Zuschauer angesprochen fühlen: „Das rückt uns in eine exponierte Position. Und das ist heutzutage in der Vermarktung von Reisezielen das A und O.“

          Das Prinzip gilt genauso für einen Basketballspieler wie Nowitzki, obwohl er seit 1998 in der NBA spielt und sich einen Namen gemacht hat. Vielleicht sollte er sich zusätzlich ein T-Shirt bedrucken lassen mit dem Zitat eines der populärsten Spielers der Liga. „Gebt Dirk den Pokal“, sagte Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers vor ein paar Tagen über die MVP-Trophäe, „Nowitzki hat ein phänomenales Jahr.“

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