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Eiskunstlauf-WM : Alter Anspruch, neue Realität

  • -Aktualisiert am

Aljona Savchenko und Bruno Massot Bild: dpa

Aljona Savchenko will auch mit ihrem Partner Bruno Massot eine Medaille bei der Weltmeisterschaft. Doch Trainer Alexander König winkt ab.

          3 Min.

          Aljona Savchenko hat immer noch den Tunnelblick der fünfmaligen Welt- und viermaligen Europameisterin, wenn es um eine weitere schwere Prüfung in ihrem sportlichen Leben geht. Schon deshalb hat die Paarläuferin die Frage nach ihren Zielen bei der WM in Boston mit einem Wort beantwortet: „Medaille!“ Als sie die fragenden Blicke sah, die dieser Ankündigung ohne Wenn und Aber folgten, bekräftigte sie noch ihre Ankündigung: „Mache ich Spaß oder was? Wenn es um etwas geht, mache ich selten Spaß.“ Mit anderen Worten: Aljona Savchenko und ihr neuer Partner Bruno Massot wollen dieser Tage nicht nur zu ihrem Vergnügen die Eisbahn im traditionellen TD Garden umkreisen. Die Reise nach Amerika soll sich am Ende in Form eines glänzenden Mitbringsels auch gelohnt haben. „Alles ist möglich“, sagt die 32 Jahre alte Energetikerin, die keine halben Sachen kennt, „und unser Ziel ist es, alles zu machen.“ Kein Widerspruch, jeder weiß nun Bescheid.

          Auch Trainer Alexander König, der Mann, der den Ehrgeiz seines blonden Stars in die richtigen Bahnen zu lenken hat, seit die Erfolgsgeschichte des Vorgängerpaars Savchenko/Szolkowy und damit auch die seines Vorgängertrainers Ingo Steuer vorbei sind. König reagiert auf den unverhohlenen Medaillenanspruch seiner Meisterin wie jemand, der wohl nicht recht gehört hat. „Hallo, hallo“, sagt der in sich ruhende Berliner, der den Part des kühlen Realisten in dieser Dreierbeziehung gern übernimmt. König schätzt die Lage vor dem Wettkampfbeginn an diesem Freitag stocknüchtern ein: „Aljona und Bruno sollten am Ende im Punktebereich, also unter den ersten sechs sein – mit Tuchfühlung zur Konkurrenz.“

          Unter Medaillendruck sieht der 49 Jahre alte Eislauflehrer weder sein Paar noch sich selbst. Und er verweist in diesem Zusammenhang gern darauf, dass sich Savchenko und Massot erst seit einem halben Jahr, nach einer achtzehnmonatigen Sperre durch die Internationale Eislauf-Union, im Wettbewerbszyklus zurückgemeldet hätten. Sie als eine Primaballerina der Szene, er als ein bis dahin eher durchschnittlicher französischer Läufer, den sein Verband erst nach langem Hin und Her mit der Deutschen Eislauf-Union gegen eine Transfergebühr von 30 000 Euro freigab. „Das Team hat noch nicht so viel auf der Ergebnisseite stehen“, sagt König, der den zweiten Platz zum Einstand bei der EM in Bratislava als Sprungbrett zu größeren Auftritten betrachtet.

          Doch so weit sind Savchenko und ihr neuer Eisbegleiter noch nicht, dass sie die Welt des Paarlaufs schon im Sturm erobern könnten. Sie messen sich in Boston mit veritabler Konkurrenz: den russischen Olympiasiegern Wolossoschar/Trankow, deren Landsleuten und aktuellen Grand-Prix-Gewinnern Stolbowa/Klimow, den kanadischen Vorjahresweltmeistern Duhamel/Radford und den starken chinesischen Paaren, vor allem dem Gespann Sui/Han, das den Wurfsalchow und den Wurftwist in der Vierfachversion auf höchstem athletischen Niveau im Programm hat.

          Vierfach hoch hinaus wollen Savchenko/Massot möglichst schon im nächsten Jahr, wenn sich die Konturen der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang abzuzeichnen beginnen. In Südkorea will sich Aljona Savchenko endlich ihren olympischen Goldtraum erfüllen. „Alles kommt mit der Zeit, wenn es sein soll“, sagt die ungebremst ehrgeizige älteste Läuferin dieser Weltmeisterschaft beim Blick auf ihre allerhöchsten Ambitionen. „Das Potential ist da, alles ist da, aber alles kommt Schritt für Schritt.“ Für Boston haben Savchenko/Massot vor allem den zweiten Teil ihrer Kür umgestellt, den dreifachen Wurfsalchow als spektakulären Abschiedsgruß an das Ende ihres Programms plaziert. Die Hebungen, bei denen der kräftige Massot in Bratislava vor lauter Nervosität zweimal aus dem Gleichgewicht geriet, sollen im ersten Teil der Kür zur reinen Selbstverständlichkeit für den Franzosen werden. Was in der Slowakei passiert sei, sagt er, „ist vorbei und Teil meiner Erfahrung, ich fühle mich stärker als in Bratislava“.

          Immer schön die Balance halten, das ist das Ziel, das König in Boston vor Augen hat. „Der Vierfachwurfsalchow und der Vierfachwurftwist sind für die beiden in Zukunft machbar, in dieser Saison geht es darum, mit den Dreifachsprüngen gut über die Runden zu kommen“ und dazu das zu zeigen, was Savchenko/Massot jetzt schon allen anderen Paaren voraus haben: „Es ist ein Paar, das sich vom Momentum beflügeln lassen kann.“ Bis wohin, bleibt die Frage. Sie wird altersunabhängig beantwortet, da Aljona Savchenko sich auch mit 32 wie andere Paarläuferinnen mit 18 fühlt. Sagt sie zumindest und verweist lachend auf Claudia Pechstein, die noch mit 44 zu den besten Eisschnellläuferinnen der Welt gehöre. Will da jemand eine Verlängerung der eigenen Karriere über die Winterspiele in Pyeongchang hinaus in Erwägung ziehen? Nichts ist unmöglich. Für Aljona Savchenko schon gar nicht, die sich mit ihrem neuen Eispartner Massot und ihrem acht Jahre jüngeren Lebenspartner, dem Engländer Liam Cross, jung wie seit Jahren nicht fühlt. Manchmal sieht man ihr das auch in Boston an.

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