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Ali gegen Frazier : Es war wie der Tod

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Doch unbeeindruckt stürmte der Getroffene nach vorn, trieb Ali in die Enge, biß sich wie ein Polizeihund mit fletschenden Zähnen an ihm fest und ließ sich einfach nicht abschütteln. Frazier, ein großer Kämpfer, brachte den Weltmeister in Bedrängnis. Die ganze fünfte Runde verteidigte sich Ali nur in seiner Ecke. Unaufhörlich rammte Frazier seine Fäuste wie Preßlufthämmer in Alis Nieren. "Geh aus der verdammten Ecke!" schrie Angelo Dundee, Alis Trainer, aufgeregt.

Die sechste Runde: Frazier wühlte sich ganz nah an Alis Brust heran. Der Nahkampf war seine Lieblingsposition. Und urplötzlich krachte sein linker Haken, seine beste Waffe, gleich zweimal hintereinander an Alis Kinn - wie damals im ersten Showdown 1971 in New York in der fünfzehnten Runde. Präsident Marcos zuckte zusammen, "als hätte ihm jemand ein Messer in den Rücken gestoßen", notierte Mark Kram, der Reporter von "Sports Illustrated". Imelda Marcos blickte bestürzt zu Boden. Doch anders als viereinhalb Jahre zuvor riß der mächtige Hieb Ali nicht die Beine weg. Sie wackelten nur bedrohlich. Ali besaß die Widerstandskraft, einen noch so harten Schlag wegzustecken.

„Ein Champion gibt nicht auf

Mit einem Wortwechsel eröffneten die beiden Kämpfer die siebte Runde. Ali: "Alter Joe Frazier, warum habe ich nur geglaubt, du wärst abgewrackt?" Frazier: "Man hat dich falsch informiert, hübscher Junge."

Nach der zehnten Runde war der Kampf ausgeglichen. In der Pause plumpste Ali ermattet auf seinen Schemel und ließ den Kopf hängen. "Ich war so fertig, daß ich wünschte, ich könnte aufgeben", gestand Ali später. "Doch ein Champion gibt nicht auf." Als er sich beim Gong mühsam erhob, verrieten seine matten Augen die Erschöpfung. "Reiß dich zusammen!" schrien die Männer in seiner Ecke. "Die Welt braucht dich", flehte Bundini mit Tränen in den Augen. In der elften Runde wurde Ali in Fraziers Ecke "festgenagelt". Faustschlag um Faustschlag traf sein aufgequollenes Gesicht. Die Zuschauer in Manila und an den Bildschirmen hielten den Atem an.

„Joe, ich werde abbrechen“

Ali überwand die Krise, er wehrte sich Mann gegen Mann wie in keinem seiner fünfzig Kämpfe zuvor, stellte sich aufrecht zum Schlagabtausch und traf fünfmal soviel. Fraziers Schläge verloren zusehends ihre Kraft. "Er hat keine Power mehr", sagte Dundee. Ali holte das Letzte aus seinem ausgezehrten Körper heraus. Fraziers blutiger Mundschutz flog in der dreizehnten Runde in die Pressereihen. Der Herausforderer strauchelte nach einer harten Rechten. "Du hast ihn": Mit dieser Aufmunterung schickte Dundee seinen Champion in die vierzehnte Runde. Wehrlos steckte der demolierte, aber keineswegs demoralisierte Frazier neun rechte gerade Schläge nacheinander ein.

"Joe", sagte Eddie Futch nach dieser so schmerzlichen vorletzten Runde, "ich werde abbrechen." "Nein, Eddie, das kannst du mir nicht antun", protestierte Frazier mit geschwollener Zunge und erhob sich. Futch drückte ihn wieder auf den Stuhl. "Setz dich, mein Sohn. Du hast die beiden letzten Runde nichts mehr gesehen. Warum glaubst du, in der fünfzehnten Runde sehen zu können? Es ist vorbei. Niemand wird jemals vergessen, was du heute geleistet hast."

Vor allem Muhammad Ali nicht. Statt in Siegerpose durch den Ring zu stolzieren, erlitt er einen Kollaps und lag am Boden, umringt von einem halben Dutzend Betreuer. Anderntags redete er von der Sinnlosigkeit seines Tuns und vom Rücktritt. "Am Ende des Kampfes habe ich gedacht: Warum tue ich das? Was tue ich hier gegen diese Bestie von einem Mann? Alles tut mir weh. Ich muß verrückt sein." Und dann verkündete er vor den Medien in Manila, woran sich der große und heute so kranke Muhammad Ali leider nicht gehalten hat: "Es besteht die große Möglichkeit, daß ihr heute meinen letzten Kampf gesehen habt. Ich möchte abtreten, solange ich ganz oben und noch bei bester Gesundheit bin."

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