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Absage für Berliner Turnier : Zverevs verpasste Chance

Kein Aufschlag in Berlin: Alexander Zverev Bild: dpa

Durch die Absage für das Schauturnier in Berlin geht Alexander Zverev unangenehmen Fragen aus dem Weg und nährt das Bild des unnahbaren Jungstars. So kann er sein ramponiertes Image nicht korrigieren.

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          Alexander Zverevs Entscheidung hatte sich abgezeichnet. Dass der deutsche Tennis-Spitzenspieler derzeit wenig Lust verspürt, bei einem Schauturnier in Berlin anzutreten, ist ja auch im Kern nachvollziehbar. Zum einen hat er gerade mit dem ehemaligen spanischen Profi David Ferrer einen neuen Trainer verpflichtet.

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          Zumindest für eine 15-tägige „Probezeit“, in der getestet werden soll, ob die Zusammenarbeit überhaupt funktioniert. Nach den teilweise spektakulär gescheiterten Versuchen mit den „Star-Coaches“ Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl scheint das keine allzu schlechte Idee. Und gemeinsame Trainingsstunden sind deshalb ein wertvolleres Gut als die Teilnahme an einem Show-Wettkampf in der Heimat.

          Zum anderen hätte sich der 23-Jährige in Berlin spätestens bei der ersten Pressekonferenz einigen unangenehmen Fragen stellen müssen. Fragen zu seinem wenig vorbildhaften Verhalten der vergangenen Wochen nämlich. Zur Teilnahme an der von Novak Djokovic veranstalteten Adria Tour etwa, die auf Hygieneschutzmaßnahmen weitgehend verzichtete – und so letztlich zum Corona-Hotspot wurde. Oder zu seiner anschließenden Ankündigung, sich für zwei Wochen freiwillig in Quarantäne zu begeben. Doch dann war er wenige Tage später auf einem Video bei einer ausgelassenen Strandparty in Monaco zu sehen. Von wegen soziale Distanz.

          Durch seine kurzfristige Absage für Berlin kommt er um diese Konfrontation zumindest vorerst herum. Zwar verpasst er auch die Chance, sich mit Topgegnern wie dem österreichischen Weltranglistendritten Dominic Thiem auf Wettkampfniveau zu messen. Doch ist angesichts aktueller Corona-Entwicklungen ohnehin unklar, ob die ATP Tour tatsächlich wie geplant im August in den Vereinigten Staaten den Spielbetrieb wiederaufnehmen kann.

          Zverev entzieht sich allerdings einmal mehr der Kommunikation in einer schwierigen Situation. Sein Statement in den sozialen Netzwerken vermittelte nur das Nötigste. Eine echte Auseinandersetzung mit der Kritik an seinem Verhalten findet nicht statt.

          Unterm Strich nährt er damit das Bild des mindestens unnahbaren, vielleicht sogar abgehobenen Jungstars, das sich besonders in der deutschen Öffentlichkeit von ihm gebildet hat. Und an dem er selbst fleißig mitgezeichnet hat. Zverevs Absage ist deshalb auch eine verpasste Chance, das ramponierte Image etwas zu korrigieren. So nachvollziehbar sie im Kern auch sein mag.

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