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Zverev verliert Finale : Noch zu viele Lücken

  • -Aktualisiert am

Daniil Medwedew (links) gewinnt das Endspiel gegen Alexander Zverev klar. Bild: AFP

Alexander Zverev verpasst den Titel beim Tennisturnier in Schanghai. Gegen Daniil Medwedew hat er im Finale kaum eine Chance – und lobt den Russen danach überschwänglich.

          3 Min.

          Vielleicht sollte man diesem Mann bald eine der wirklich wichtigen Aufgaben der Welt anvertrauen. Obwohl er ein eher zurückhaltender Typ ist, gibt Daniil Medwedew selbst zu, was er in den vergangenen Monaten angestellt habe, sei fast ungeheuerlich; nie im Leben habe er sich so was vorstellen können. Sechs Endspiele in Folge in wenig mehr als zwei Monaten seit Anfang August, eines davon bei den US Open, und der Mann ist einfach nicht aufzuhalten.

          Beim Sieg am Sonntag beim Schanghai Masters über Alexander Zverev (6:4, 6:1) machte er in vielen Momenten den Eindruck, als treffe er den Ball mit verbundenen Augen. Und diesen Eindruck haben offensichtlich nicht nur die Gegner und die Zuschauer. In der Woche von Schanghai, so gab er unumwunden zu, habe er das Gefühl gehabt, unbesiegbar zu sein.

          Die Ereignisse der 73 Minuten des Spiels lassen sich problemlos in der Art zusammenfassen, wie Medwedew den letzten Punkt gewann. Er richtete sich beim ersten Matchball kurz, aber wirklich nur ganz kurz, an der Grundlinie zum Aufschlag ein, warf den Ball in die Luft, und der landete Sekundenbruchteile später auf einem perfekten gewählten Punkt. Nichts zu machen für Zverev, beim besten Willen nicht. Und das mit dem richtigen Punkt führt zu den Grundlagen der ganzen Geschichte. Die Frage, ob er sich für einen Spieler halte, dessen Schülerliebe für Mathematik sich in seinem Spiel spiegle, beantwortet er ohne Hemmungen. „Ja“, sagt Medwedew, „ich denke, dass ich einen smarten Spielplan habe. Ich kann zum Beispiel nicht mit 230 Kilometern pro Stunde aufschlagen, also muss ich mir was einfallen lassen.“ Nach einer optimalen Flugkurve den richtigen Punkt von der Größe eines Bierdeckels zu treffen, ist als Lösung dieses Problems sicher keine schlechte Idee.

          Und wenn der 23 Jahre alte Russe so weitermacht, dann ist vielleicht noch in diesem Jahr ein anderer Coup drin. In der Weltrangliste hat Medwedew jetzt nur noch etwas mehr als 1000 Punkte Rückstand auf Roger Federer und Platz drei. Und da Federer in den restlichen Wochen des Jahres noch reichlich Punkte zu verteidigen hat, er selbst hingegen nicht allzu viele, könnte das der nächste Schritt sein. Zverev jedenfalls wiederholte nach dem Finale, was er schon am Tag vorher gesagt hatte: „Im Moment ist er vermutlich der Beste der Welt.“

          Doch auch für Zverev endete das vorletzte Masters-1000er-Turnier des Jahres – das letzte folgt Ende des Monats in Paris Bercy – mit positiven Erkenntnissen und guten Prognosen. Nach dem bemerkenswerten Sieg im Viertelfinale über Federer und dem Erfolg im Halbfinale gegen Matteo Berrettini steht es mit den Aussichten für die Qualifikation zu den ATP Finals zum Abschluss der Saison in London nicht schlecht; die besten acht sind dabei, und im Moment steht er auf Platz sieben. Der Sieg gegen den Italiener war doppelt wertvoll, weil der zu den Herausforderern um eine der letzten beiden freien Plätze gehört. Alles weitere wird sich in Kürze weisen; Zverev hat jetzt eine Woche Pause und spielt danach in Basel und in Bercy.

          Das Finale am Sonntag in der vollbesetzten Qi Zhong Arena war sein zweites in diesem komplizierten Jahr. Das erste im Juni in Genf hatte er gewonnen, aber Schanghai gehört zur wichtigsten Kategorie unterhalb der Grand-Slam-Turniere, und auch deshalb sagt Zverev, das Finale erreicht zu haben sei für ihn im Moment ein riesiger Erfolg. Um solche Spiele wieder gewinnen zu können brauche er allerdings noch mehr Selbstvertrauen; mehr jedenfalls, als man in einer Woche sammeln könne. „Ich muss öfter gegen Leute wie Novak (Djokovic) oder Daniil spielen, gegen Leute, die dir wenig geben. Aber ich hoffe, das wird jetzt in Basel und Paris und hoffentlich auch in London noch mal einen Tick besser werden.“ An diesem Tag in Schanghai klafften noch ein paar Lücken in seinem Spiel, mehr als zwei Tage zuvor gegen Federer, und den Rest hatte Medwedew cool und souverän im Griff.

          Zverev machte sich noch am Abend auf den Weg zurück nach Europa, Medwedew war sich nicht ganz sicher, ob er die Maschine nach Moskau im ein Uhr in der Nacht noch erwischen würde oder ob er bis 11 Uhr am Morgen warten müsste. In der russischen Hauptstadt macht die ATP Tour in dieser Woche unter anderem Station, der Mann der Saison ist dort gemeldet und gilt natürlich als Attraktion des Ganzen. Aber der beste Dauerläufer kommt irgendwann mal an die Grenzen seiner Belastbarkeit, das ist auch Medwedew klar. Er müsse erstmal sehen, wie er sich nach der Landung fühlen werde, sagte er zum Abschied aus Schanghai.

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