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Alexander Zverev : Mit 16 bei den Großen

  • -Aktualisiert am

In Hamburg zu Hause: Alexander Zverev durfte am Rothenbaum mitspielen Bild: dpa

Für Alexander Zverev wird ein Traum wahr. Der 16 Jahre alte Tennisspieler darf in seiner Heimatstadt am Rothenbaum aufschlagen. Die Niederlage in der ersten Runde war einkalkuliert. Doch der Weg von Zverev ist klar vorgezeichnet.

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          Das Wort vom „Traum“ führen Sportler ja oft im Munde, wenn von ihren Zielen die Rede ist, wenn es um die Karriere im Großen und Ganzen geht. Alexander Zverev macht da keine Ausnahme. Und in diesem Fall darf man dem 16 Jahre alten Jungen aus Hamburg-Hummelsbüttel sogar glauben. Er erzählt im Grunde die gleiche Geschichte wie Michael Stich und Tommy Haas. Wie er als Kind schon immer zum Rothenbaum gekommen ist und all die großen Tennisspieler bewundert hat, die da bei den German Open spielten. Und wie gerne er dort selbst mal aufschlagen würde, irgendwann, wenn er mal groß ist.

          Am Montagnachmittag war es für ihn so weit. Centre Court, erste Runde, Hauptfeld beim bedeutendsten deutschen Turnier gegen Roberto Bautista Agut. Dass er gegen den in der Weltrangliste auf Rang 49 geführten Spanier beim 3:6, 2:6 chancenlos blieb, war keine Überraschung. Doch schon mit dem Auftritt im Hauptfeld war für den Schlaks ein Traum in Erfüllung gegangen.

          Einen Vorgeschmack auf das, was ihn im Match erwartete, hatte der Teenager schon am Donnerstag erhalten, als er mit Turnierdirektor Stich ein paar Bälle im Stadion am Rothenbaum schlagen durfte. Die Kamerateams waren da, Fotoapparate klickten, ein paar Fragen von Journalisten - zehn, fünfzehn Minuten, dann war Schluss, auf Wunsch von Manager Patricio Apey von der Londoner ACE Group: „Wir wollen ihn behutsam heranführen, er ist schließlich erst 16.“

          Von Alexander Zverev haben Tennis-Insider schon lange gehört. Immer, wenn von der Karriere seines fast zehn Jahre älteren Bruders Mischa die Rede war, hieß es: Ihr solltet mal den Kleinen sehen, der ist noch talentierter. Mischa Zverev hatte es immerhin bis auf Platz 46 der Weltrangliste gebracht, seit einigen Jahren aber stagniert der ehemalige Davis-Cup-Spieler, auch bedingt durch zahlreiche Verletzungen.

          Medienrummel inklusvie: „Wir wollen ihn behutsam heranführen, er ist schließlich erst 16.“

          Er trat am Montag bei einem Challengerturnier in Binghamton im amerikanischen Bundesstaat New York gegen den Inder Prakash Amritraj an und konnte deshalb nicht bei „Saschas“ großer Stunde am Rothenbaum vor Ort sein. „Mein Bruder ist mir aber immer ganz nah, auch wenn er nicht da ist. Er ist mein Vorbild“, sagt Alexander, der wie sein Bruder offensichtlich ein Faible für Goldkettchen um den Hals hat. „Er kann mir viele wertvolle Tipps geben, weil er ja auch auf der ATP-Tour ist.“ Den Glauben an die sportliche Klasse und Einstellung seines Bruders hat er nie verloren. Im Gegenteil, der „Kleine“ ist sich ganz sicher: „Mischa wird zurückkommen.“

          Für ihn läuft es dagegen umso besser. Alexander Zverev schaffte es Anfang Juni bei den French Open in Paris ins Junioren-Finale und spielte sich im letzten halben Jahr auf Platz zwei der Junioren-Weltrangliste vor. „Das war eine phantastische Leistung“, sagte Turnierdirektor Stich zur Begründung, warum er dem Jungen eine Wildcard für das Hauptfeld des Turniers gegeben hat: „Es war eine Anerkennung, soll ihm aber auch die Motivation geben zu sehen, was er noch tun muss, damit er irgendwann dahin kommt, bei den Profis zu spielen.“

          Zverev gibt alles und ist in der ersten Runde doch chancenlos

          Denn der Weg ist klar vorgezeichnet. Grade erst hat er die Schule nach der zehnten Klasse abgeschlossen. Und natürlich soll der Weg ins Berufstennis führen, wo er ja im Grunde längst angekommen ist. In diesem Jahr hat er vor Hamburg schon 43 Matches gespielt und die allermeisten gewonnen. Die Winter verbringt er in Florida („Da ist das Wetter zum Trainieren besser“), das Frühjahr oft in Australien. Vater Alexander und Mutter Irina haben einst für Russland professionell gespielt, arbeiten seit Jahren bei einem Hamburger Tennisverein.

          Der Vater ist auch „Saschas“ Coach. „Hamburg ist jetzt eine tolle Erfahrung, er muss sich aber überhaupt keinen Druck machen, er braucht hier nichts zu erreichen“, sagt der 53-Jährige, „er hat zwar immer Lust auf Tennis, aber er ist körperlich noch nicht so stark wie die Erwachsenen.“ Auf 1,94 Meter ist Alexander Zverev in den letzten Monaten empor geschossen, dennoch wirkt er eher zierlich.

          Der Spanier Roberto Bautista Agut gewinnt in zwei Sätzen

          Ruhig und ziemlich abgeklärt beantwortete Zverev die Fragen. Da wirkte er schon fast überreif. Nur lernen wolle er, und seine Erwartungen seien überhaupt nicht hoch. Roger Federer sei schon immer sein Idol gewesen, und nun mit dem Schweizer im gleichen Feld zu spielen sei eigentlich unglaublich. „Ich hatte gehofft, dass ich eine Wildcard für die Qualifikation bekomme, Hauptfeld ist für mich unbeschreiblich“, sagt er, „welcher Sechzehnjährige bekommt schon solch eine Gelegenheit?“ Es gab tatsächlich mal einen, 1984. Der hieß Boris Becker und erreichte bei seiner Hamburg-Premiere die zweite Runde. Aber das ist längst Geschichte.

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