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ATP-Finale in London : Jetzt wartet Federer auf Zverev

  • -Aktualisiert am

Alexander Zverev kämpft sich in London ins Halbfinale vor. Bild: AFP

Beim ATP-Finale zeigt Alexander Zverev ein beeindruckendes Spiel. Es ist ein weiterer Schritt nach vorne in seiner noch jungen Karriere. Im Halbfinale wartet allerdings eine große Herausforderung.

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          Alexander Zverev hat einen weiteren Schritt nach vorne in seiner noch jungen Karriere gemacht. Der 21 Jahre alte Hamburger zog bei seiner zweiten Teilnahme am ATP-Finale der acht besten Spieler zum ersten Mal ins Halbfinale ein. Nach dem Erfolg (7:6,7:5) über den Amerikaner John Isner trifft er am Samstag auf den Schweizer Roger Federer (15.00 Uhr MEZ bei Sky). Das zweite Semifinale bestreiten der Weltranglistenerste Novak Djokovic, der auch in seiner dritten Partie keine Schwäche zeigte und den Kroaten Marin Cilic 7:6 (9:7), 6:2 bezwang, und der Südafrikaner Kevin Anderson (21.00 Uhr bei Sky). Der Sieg hat den für ihn angenehmen Nebeneffekt, dass er den Argentinier Juan Martin del Potro in der Weltrangliste überholt und das Jahr als Vierter abschließen wird – es sei denn, Außenseiter Anderson gewinnt in London den Titel, dann würde der Südafrikaner wiederum am Deutschen vorbeiziehen. „Das ist natürlich sehr speziell. Auch weil es ein ganz besonderes Turnier ist, das auf einer Stufe mit den Grand Slams steht“, sagte Zverev. „Ich bin unglaublich glücklich, dass ich hier erstmals im Halbfinale stehe.“ Zufrieden ist er damit aber noch nicht. „Jetzt zu denken, sauber, ich stehe im Halbfinale, wäre nicht gut. Es ist noch nicht zu Ende“, sagte Zverev.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Der erste Satz im Duell mit Isner war ein Leckerbissen. Nicht für die Freunde des gepflegten Tennissportes, die ihre Freude an langen Ballwechseln, an pfiffigen Lösungen und überraschenden Schlägen haben. Was Alexander Zverev und John Isner zeigten, war die ganz hohe Schule der Aufschlagskunst. Meist mit brachialer Gewalt, ab und an mit Raffinesse und geschickter Plazierung des Balles prägten sie das Geschehen auf dem Spielfeld. Das kann man langweilig nennen oder faszinierend. In fast 50 Prozent der Fälle kam gar kein Ballwechsel auf, und wenn der Return einmal gelungen war, dann flog der Ball danach auch maximal fünf Mal über das Netz.

          Das Überraschende am Spielverlauf war, dass der vermeintliche bessere Spieler sich in diesem Match als noch besserer Aufschläger erwies und der vermeintlich bessere Aufschläger die wenigen Ballwechsel häufig bestimmte. Zverev schlug mehr Asse als Isner (10:6) und brachte mehr erste Aufschläge (77% zu 58%) im ersten Durchgang ins Feld. Und doch war er es, der einen Breakball abzuwehren hatte, bevor es in den Tie-Break ging, weil Isner besser retounierte als der Deutsche. Aber Zverev erwies sich an diesem Tag als Muster an Nervenkraft. Er wehrte den Satzball des Gegners mit einem Ass ab und holte sich das Spiel mit weiteren Aufschlag-Winnern. Wenig später im Tie-Break nutzte er dann seinen ersten Satzball entschlossen mit einer riskanten Vorhand, auf die der Amerikaner keine Antwort hatte.


          Im zweiten Satz änderte sich zunächst sehr wenig. Zverevs Aufschlagquote blieb beeindruckend. Und immer, wenn sich Isner, eine kleine Chance ausrechnete, konterte Zverev mit Urgewalt. Als in einer Szene das Hawkeye nachgewiesen hatte, dass der Aufschlag des Hamburgers wieder für einen Punkt gut gewesen war, ging Isner auf Zverev zu, lächelte und schlug ihm auf die Schultern. Ein Zeichen der Anerkennung und der Sympathie, die beiden kennen sich sehr gut und schätzen sich als Trainingspartner. Wenig später war die Widerstandskraft des Amerikaners erschöpft. Zverev nutzte seinen ersten Breakball des gesamten Spiels zum 5:3 und brachte danach seinen Aufschlag souverän zum 6:3 und Matchgewinn durch.

          „Ein oder zwei Bälle haben heute entschieden. Vielleicht wusste ich in den wichtigen Momenten, was John denkt. Wir kennen uns so gut“, sagte Zverev nach dem Matchball. Zu seinem Halbfinale gegen Federer an diesem Samstag meinte er zunächst nur: „Ich hoffe, dass ich bereit bin.“ Der 21 Jahre alte Hamburger bemerkte in London schon mehrmals, dass ihm die lange Saison in den Knochen steckt. Die Auseinandersetzung mit Isner war seine 75. um Weltranglistenpunkte in diesem Jahr. Dazu kamen noch Spiele beim Hopman- und beim Laver-Cup. Zverev bekannte schon vor Tagen: „Ich fühle mich schon seit zwei Monaten nicht mehr in bester Verfassung.“ Für ihn sollte die Saison im Oktober enden. Sein Aufschlag allerdings könnte ihn auch noch über die letzten Novembertage tragen.

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