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Rad-Weltmeister : Umstrittener Valverde mit 38 ganz oben

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„Für mich wird ein Traum wahr, ich kann es noch gar nicht glauben“: Alejandro Valverde. Bild: dpa

Alejandro Valverde ist ein Mann mit Doping-Vergangenheit und daher im Radsport umstritten. Nun fügt er bei der WM in Österreich seiner Karriere eine erstaunliche Geschichte hinzu und wird Weltmeister.

          Die Strecke war diesmal auch so etwas wie ein Star, in jedem Fall wurde immer wieder über sie diskutiert. Schließlich mussten die Radprofis am Sonntag bei der Straßen-Weltmeisterschaft in Innsbruck nicht nur fast 5000 Höhenmeter bewältigen, sondern auch noch eine extreme Bergpassage mit einer Maximalsteigung von 28 Prozent – die „Höttinger Höll“. Die österreichischen Organisatoren trieben es in ihrem Drang, ein unvergleichliches Spektakel zu organisieren, sozusagen auf die Spitze. Eine Tortur für das Peloton, das in Tirol insgesamt 258,5 Kilometer zurücklegen musste. Da konnte Erfahrung nicht schaden. Dass aber Alejandro Valverde, ein 38 Jahre alter Profi, das Regenbogentrikot eroberte, war dann doch eine erstaunliche Geschichte. Der umstrittene Spanier, ein Mann mit Doping-Vergangenheit, setzte sich im Spurt einer kleinen Gruppe durch.

          Der Klassiker-Spezialist gewann vor dem Franzosen Romain Bardet und Michael Woods aus Kanada und wurde damit Nachfolger des Slowaken Peter Sagan, der diesmal an seine Grenzen stieß und vorzeitig vom Rad stieg. Der Routinier Valverde, der erstmals Weltmeister wurde, war natürlich tief gerührt nach seinem Coup in Tirol. „Für mich wird ein Traum wahr, ich kann es noch gar nicht glauben. Dafür habe ich so lange gekämpft.“ Vierter wurde der Niederländer Tom Dumoulin, der am Mittwoch Silber im Einzelzeitfahren gewonnen hatte, allerdings mit beträchtlichem Rückstand auf den Australier Rohan Dennis. Das deutsche Team hatte am Sonntag – wie erwartet – nichts mit der Entscheidung zu tun. Simon Geschke kam als bester Deutscher auf Platz 24 – mit 1:54 Minuten Rückstand auf Valverde.

          Ein besonderer Härtefall auch bei den Frauen: Zeitfahr-Weltmeisterin Annemiek van Vleuten ist das Straßenrennen am Samstag trotz eines Bruchs der Kniescheibe zu Ende gefahren. Die 35 Jahre alte Niederländerin war rund 90 Kilometer vor dem Ziel gestürzt, schaffte es aber trotz der Verletzung ins Ziel – sie wurde Siebte. „Ich kann es nicht glauben. Ich habe mich gut gefühlt, trotz der Knieschmerzen“, sagte Annemiek Van Vleuten nach dem Rennen. Die gravierende Blessur war bei einer Untersuchung nach dem Rennen diagnostiziert worden. Die Niederländerin hatte die 156-Kilometer-Distanz absolviert, konnte aber nach dem Absteigen vom Rad nicht mehr gehen. Annemiek Van Vleuten war 2016 in Rio auf der letzten Abfahrt des Olympia-Rennens schwer gestürzt und hatte sich Absplitterungen an der Wirbelsäule und eine Gehirnerschütterung zugezogen. Den Olympiasieg holte sich vor zwei Jahren ihre Teamkollegin Anna van den Breggen, die nun auch am Samstag in Innsbruck ganz oben auf dem Podium stand.

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