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Alejandro Valverde : Herzog mit einem dunklen Umhang

  • -Aktualisiert am

Der umstrittene Träger des Gelben Trikots: Alejandro Valverde auf der zweiten Touretappe Bild: AFP

Der Spanier Alejandro Valverde fährt unwiderstehlich - und erstmals ins Gelbe Trikot: Allen, die Zweifel hätten, wolle er sagen, dass der Radsport schön und sehr hart sei. Während die Tour gut mit dem Spanier auskommt, nennt Anti-Doping-Experte Franke dessen Führung eine „Schande“.

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          Dieser Antritt, diese Kraft - einfach umwerfend. Wie Alejandro Valverde gleich am ersten Tag der Tour de France Stärke demonstriert hatte, wie er seine Konkurrenten distanzierte, beispielsweise den Luxemburger Kim Kirchen vom Team Columbia - unwiderstehlich. Chapeau, das war eine prächtige Inszenierung an einem regnerischen und windigen Nachmittag in Plumelec.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und es wurde eine eindeutige spanische Antwort auf die Frage gegeben, was von dieser Tour zu erwarten ist: Valverde scheint in einer exzellenten Verfassung zu sein, er könnte seiner Favoritenrolle gerecht werden - und mit diesen Eindrücken lebte umgehend auch wieder die Diskussion um die Vergangenheit auf, um die vermutlich dunklen Seiten in der Vita des Radprofis Valverde.

          In Spanien besteht offenbar kein Interesse daran, gegen Sportler von Rang vorzugehen

          Obwohl das offensichtlich nicht jeder bei der Tour de France so sehen möchte: In der französischen Presse wurde Valverde, der Etappensieger vom Samstag und der erste Träger des Gelben Trikots, kurzerhand zum „Herzog der Bretagne“ gekürt.

          „Man muss mit Valverdes Startrecht leben”, sagt Rolf Aldag

          Valverde also: der Mann, der wie viele andere Rennfahrer mit dem spanischen Doping-Ring um den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht wurde. Der in den Berichten der spanischen Behörden zur „Operación Puerto“ aufgetaucht sein soll mit dem Hinweis auf den Namen seines Hundes als Codewort. Allerdings wurde der Spanier nicht belangt, in seiner Heimat besteht offenbar kein Interesse daran, gegen einen Sportler von Rang vorzugehen.

          Valverde weigert sich zum Thema Fuentes Stellung zu nehmen

          Somit gab es für die Tour-Organisatoren keinen Anlass, den Profi der Equipe Caisse d'Epargne nicht zu ihrer Rundfahrt zuzulassen. Valverde darf unbehelligt seinem Beruf nachgehen, er wähnt sich in Sicherheit. Er fürchtet in diesen Tagen noch nicht einmal Nachstellungen der italienischen Doping-Fahnder. Die Tour de France macht in diesem Juli auch einen Abstecher nach Italien. Und mancher vermutet, dass das Nationale Olympische Komitee Italiens diese Gelegenheit nutzen könnte, sich mit dem Fall Valverde zu befassen. Der Spanier jedoch gibt sich sehr gelassen. Die Fahrt nach Italien, sagte er, mache ihm keine Sorge.

          Am Samstag weigerte Valverde sich, zu dem Thema Fuentes Stellung zu nehmen. Lieber folgte er den branchenüblichen Reflexen und erklärte, wie wichtig der Erfolg für ihn und seine Mannschaft sei. Und er vergaß auch nicht seinen Landsmann Alberto Contador zu erwähnen, der im Vorjahr die Tour gewonnen hatte, diesmal aber - wegen der Dopingverstrickungen des Teams Astana - nicht teilnehmen darf. Er hätte sich sehr gefreut, behauptete Valverde, wenn Contador nach Frankreich hätte kommen dürfen.

          Keine Neigung im Peloton, allzu kritisch mit Valverde umzugehen

          „Es ist ein gutes Gefühl, das Gelbe Trikot als nächster Spanier nach Alberto Contador zu tragen, der leider nicht hier ist.“ Und eine Botschaft versuchte der Spanier auch noch zu vermitteln, sie richtete sich an die Fans des Radsports: All jenen, die Zweifel hätten, wolle er sagen, dass der Radsport schön und sehr hart sei.

          Der Umgang mit Valverde ist auf alle Fälle schwierig - im Peloton allerdings scheint man keine Neigung zu verspüren, sich allzu kritisch mit dem Spanier auseinanderzusetzen. „Wenn er das Startrecht hat, ist es halt so“, sagte Rolf Aldag, der Sportdirektor des Teams Columbia. „Man muss damit leben.“ Das klang nicht so, als würde den Westfalen das Mitwirken Valverdes sonderlich stören.

          Keine Lust auf Detektivarbeit

          Die sportliche Darbietung des 28 Jahre alten Spaniers am Samstag hat Aldag jedenfalls sehr beeindruckt. Er sagte über ihn: „Der war von einem anderen Stern.“ Zumindest schien Valverde am Samstag in Plumelec eine spezielle Welt des Radsports zu vertreten.

          Auch Profis wie der Erfurter Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner äußern sich eher zurückhaltend über den schlecht beleumdeten Kollegen aus Südeuropa. „Solange es keine Beweise gibt, werde ich nicht sagen, dass ich Probleme habe, gegen Valverde zu fahren“, sagte Lang. Auf die Frage, ob er bei der Tour grundsätzlich das Gefühl habe, gegen gedopte Rivalen anzutreten, entgegnete der Deutsche ausweichend: „Das kann man so oder so beantworten.“ Im Übrigen, sagte Lang ergänzend, habe er keine Lust, „Sherlock Holmes zu spielen“.

          Ein Witz sei Valverde im gelben Trikot, klagt Anti-Doping-Experte Franke

          Hans-Michael Holczer, der Chef des Teams Gerolsteiner, mochte sich ebenfalls nicht lange mit der Causa Valverde aufhalten. Stattdessen betonte der Schwabe, dass doch zumindest in Teilen eine Verbannung von Verdächtigten aus der ersten Reihe gelungen sei - er nannte als Beispiele den Kolumbianer Santiago Botero und den Spanier Oscar Sevilla. Dass solche Rennfahrer nicht mehr „im gut bezahlten Radsport“ zu finden seien, sondern in unterklassigen Teams, hält Holczer für einen „Erdrutsch“.

          Valverde hingegen ist offensichtlich nicht zu fassen. Der Spanier, der in diesem Jahr bereits den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich und das Rennen Dauphiné Libéré für sich entschied, hatte 2007 auch von der Straßen-Weltmeisterschaft in Stuttgart nicht ausgeschlossen werden können. Der Internationale Radsportverband (UCI) hatte sich zwar darum bemüht, doch der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne machte, von Valverde angerufen, den Weg für den Spanier frei.

          Anti-Doping-Experten wie der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke greifen die UCI trotzdem an: Dass Valverde sich schon unmittelbar nach der Tour-Ouvertüre in Gelb präsentierte, „kann ich nur als Witz ansehen“, klagte Franke. Überdies sei dies eine „Schande für die UCI“. Die Tour aber scheint gut auskommen zu können mit dem Hundeliebhaber aus Las Llumbreras.

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