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Alberto Contador : Das letzte Hurra

  • -Aktualisiert am

Liebling Contador: Spanien feiert den Mann, der sein letztes Rennen bestreitet. Bild: AFP

Alberto Contador verpasst bei seiner letzten Rundfahrt den Sieg – aber er bezaubert die spanischen Fans bei der Vuelta mit seinen Attacken. Er wird der Radsport-Szene fehlen.

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          Er ist eine verblüffende Erscheinung, ein Mann, der im Schlussbogen seiner Laufbahn noch einmal aus sich herausgeht. Und wie. Alberto Contador inszeniert sich als ein Kämpfer, der auch das aussichtslos Erscheinende in Angriff nimmt. Das ist in diesen Tagen bei der Spanien-Rundfahrt zu sehen, die von Contador maßgeblich belebt wird. Bei der Vuelta a España, dem letzten Rennen seiner Karriere, reiht Contador ein Spektakel an das andere. Das bislang am stärksten funkelnde Produkt gelang ihm dabei am Mittwoch.

          Gut, der Alto de Los Machucos versprach schon auf dem Papier einiges. Zwar nur sieben Kilometer lang, aber mit Rampen von bis 26 Prozent ausgestattet. Dieses Asphaltband war extrem schmal, an den Seiten ausgefressen, auch in der Mitte ramponiert. An den steilsten Stellen war Beton aufgetragen – Beton, der eingekerbt war, damit Autos im Winter überhaupt noch eine Chance haben, hier hoch zu kommen. Dazu gab es nun dichten Nebel und leichten Regen – eine ganz spezielle Atmosphäre.

          Contador bezaubert, weil er ohne Rücksicht fährt

          Es war die Stimmung, die Contador zu einer Attacke inspirierte. Einen Kilometer lang hatte er noch Gnade walten lassen. Das Team Sky kontrollierte zunächst das Geschehen, fünf Helfer spannten sich vor Christopher Froome, der viermal bei der Tour de France siegte. Das Tempo war so hoch, dass manche abreißen ließen. Sechs Kilometer vor dem Ziel beschleunigte Contador und setzte sich ab. Er holte Mann um Mann einer Ausreißergruppe ein. Nur bei einem schaffte er das nicht, bei dem Österreicher Stefan Denifl. 28 Sekunden lagen letztlich zwischen Contador, dem spanischen Volkshelden, und dem österreichischen Radprofi, dem Sieger der 17. Etappe der Vuelta.

          „Ach, wäre der Anstieg doch nur länger“, klagte einer seiner Anhänger im Ziel. „Wo kommt nur plötzlich dieser Österreicher her?“, fragte ein anderer fast verzweifelt. „28 Sekunden fehlen für einen historischen Moment“, rief ein Dritter. „Es ist wirklich schade“, sagte Contador zu diesem Moment bei seiner Abschiedstour. „Ich habe mich an diesem Tag richtig gut gefühlt, am besten eigentlich im Verlauf dieser Vuelta. Und dann mag ich auch noch dieses Regenwetter.“

          Draufgänger Contador: Einer der wenigen, der mal was riskiert.

          Profiteure seines Vorstoßes waren, wenn auch nur für einen Tag, die Rivalen des Briten Froome. Die Tempoverschärfung des Spaniers brachte das Team Sky, das für gewöhnlich das Peloton dominiert, durcheinander. Der Italiener Vincenzo Nibali und der Russe Ilnur Zakarin erkannten eine Schwäche bei Froome und drehten auf. Die Rennfahrer vom Team Sky mussten ihre Nachführarbeit drosseln, weil ihr Kapitän ihnen nicht mehr folgen konnte. „Das hier war ein Anstieg, der nicht so gleichmäßig zu fahren ist. Hier kann ein Team nicht so stark helfen wie bei den meisten anderen Bergetappen. Hier geht es Mann gegen Mann. Und da war Froome nicht der Stärkste“, sagte Paolo Slongo, Trainer von Nibali. Slongo musste aber auch anerkennen, dass der Auslöser dieses Härtetests für Froome der Spanier Contador gewesen war. „Er hat das Rennen schnell gemacht.“ Allerdings zeigt sich Froome einen Tag später schon wieder bestens erholt und eroberte verloren gegangenes Terrain zurück.

          Contador aber wird in seiner Heimat für solche draufgängerischen Aktionen geliebt. Sein Teambus ist umlagert, als führe er die Vuelta an – wobei er derzeit Fünfter ist, mit einem Rückstand von dreieinhalb Minuten auf Froome. Dass dieser Mann mal des Dopings überführt wurde, dass er eine dunkle Vergangenheit hat? Spielt keine Rolle für die Spanier. Contador bezaubert sie, weil er ohne Rücksicht fährt.

          Selbst bei den rivalisierenden Rennställen spricht man voller Anerkennung über den Profi vom Team Trek-Segafredo. „Heutzutage kalkulieren die meisten Fahrer viel zu sehr. Es gibt kaum einen, der mal was riskiert, sich etwas einfallen lässt. Contador ist eine Ausnahmeerscheinung“, sagte Alexandr Shefer, Sportlicher Leiter des Teams Astana.

          Seine letzte Bühne wird der gefürchtete Angliru am Samstag sein. Der ähnelt vom Profil her dem Los Machucos, er ist jedoch länger. Beim Team Sky macht sich erstmals Besorgnis breit: Was wird Contador wohl an diesem Tag auslösen können? Vermutlich wird Contador nicht gewinnen können. Aber er könnte, wie schon im letzten Jahr, mit seiner sehr forschen Art die Vuelta entscheidend beeinflussen. Manchem wird Contador allein deswegen in Zukunft fehlen.

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