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Basketball-Bundesliga : Alba Berlins Saison voller Brüche

Albas Elmedin Kikanovic bei einem Freiwurf Bild: dpa

Alba Berlin verliert in der Basketball-Bundesliga den Anschluss zur Spitze. Nun soll mit neuem Trainer ein neues Team aufgestellt werden.

          Alba Berlin, achtmal deutscher Basketball-Meister, hat praktisch mit der Vorbereitung auf die Saison 2017/2018 begonnen. Zwei Spiele vor Ende der Hauptrunde und Beginn der Play-offs berief der Klub am Dienstagabend seinen Cheftrainer Ahmet Caki ab und betraute den bisherigen Assistenztrainer Thomas Päch mit der Betreuung der Mannschaft. Am Wochenende hatte Alba in Oldenburg, bei der Nummer dreizehn der Liga, 92:100 verloren. Und Caki hatte bei den Verantwortlichen dabei den Eindruck erweckt, mit seinem Latein am Ende zu sein.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das Team steht auf Platz sechs der Tabelle und wird, wenn es die Position hält, in der Viertelfinalrunde auf das hochfavorisierte Team von Bayern München treffen. Rutscht die Mannschaft in den Spielen am Samstag in Frankfurt und am Montag in Berlin gegen den Tabellenachten Ludwigsburg auf Platz sieben ab, steht vermutlich das Ausscheiden gegen Meister und Pokalsieger Brose Bamberg bevor. Das bedeutet: Im schlimmsten Fall wird der 34 Jahre alte Päch sein Team nur fünfmal im Spiel coachen. In der nächsten Spielzeit, in der Caki gehofft hatte, endlich zeigen zu können, wie eine Mannschaft Basketball spielt, die er zusammengestellt hat, wird in Berlin ein neuer Trainer erwartet.

          Ahmet Caki ist nicht mehr Cheftrainer bei Alba

          Pech und Missverständnisse prägten die Saison der Berliner. Es begann mit der Weigerung des talentierten Amerikaners Brandon Ashley, seinen Vertrag mit Alba zu erfüllen. Schon in der Vorbereitung brach sich Malcolm Miller die Hand und fiel wochenlang aus. Dominique Johnson erwies sich als Fehlbesetzung und wurde durch Carl English ersetzt. Als die Mannschaft einigermaßen eingespielt schien, verletzte sich Aufbauspieler Peyton Siva – er fehlt inzwischen seit mehreren Monaten. Weil kein anderer Spieler in der Lage schien, das Team zu führen, verpflichtete Alba kurzfristig den amerikanischen Point Guard Gerald Robinson, der gerade eine Saison im Iran hinter sich gebracht hat. Kaum war er eingetroffen, brach sich der serbische Nationalspieler Dragan Milosavljevic, der noch am ehesten als Leitwolf des Teams gelten konnte, den Arm.

          Alba Berlin, mit seiner Riesenarena europaweit Spitze beim Zuschauerschnitt, hat in der Liga den Anschluss an die Spitze verloren. Während Bamberg und Bayern über Budgets zwischen fünfzehn und zwanzig Millionen Euro verfügen, liegt Berlin, unterstützt vom Hauptgesellschafter und Namensgeber Alba sowie dem chinesischen Trikotsponsor ZhongDe Metal Group, deutlich unter zehn Millionen. Die letzte Meisterschaft datiert von 2008. Die Pokalsiege von 2009, 2013, 2014 und im vergangenen Jahr in München gegen die Bayern erweckten den Eindruck, das Team sei immerhin noch in der zweiten Reihe die Nummer eins.

          In der vergangenen Saison lebte der serbische Trainer Sascha Obradovic, einst Aufbauspieler mehrerer Berliner Meisterschaftsteams, diesen Anspruch temperamentvoll vor. Seine Wutausbrüche an der Seitenlinie waren mindestens so spektakulär wie sein Team. Der 41 Jahre alte Caki wollte nach Jahren als Assistent der Trainer-Legende Duskan Ivkovic und wenigen Monaten als Cheftrainer bei Anadolu Efes Istanbul in Deutschland beweisen, dass er ein Trainer von internationalem Format ist. Er scheiterte vor allem bei dem Versuch, das Wort Chef vor seiner Berufsbezeichnung Trainer zu etablieren. Sein stiller Humor schwand, während die Schwierigkeiten und Formschwankungen seines Teams zunahmen. Gerade bei Alba, wo Alpha-Trainer wie Svetislav Pesic und Obradovic jahrelang die Atmosphäre bestimmten, wirkte der akribische und leise Caki, der nie Basketball auf hohem Niveau gespielt hat, sondern bereits mit achtzehn Jahren Trainer wurde, wie ein leitender Angestellter, aber nicht wie ein Anführer. Auch sein Assistent Fatih Emre Gezer muss gehen. Die Entscheidung von Manager Marco Baldi, sich nun von den beiden zu trennen, dürfte weniger der verzweifelte Versuch sein, zum Finale hin die Saison noch zu retten – obwohl die Mannschaft ihr Potential nie auszuschöpfen schien, Päch also durchaus Gestaltungsmöglichkeiten haben könnte. Vielmehr geht es darum, mit neuem Coach ein neues Team für die kommende Saison aufzustellen.

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