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Alba Berlin : Das dicke B verliert an Gewicht

Ratlos: Alba-Trainer Sasa Obradovic Bild: Picture-Alliance

Jahrelang dominierten Bayern, Bamberg und Berlin den Basketball in Deutschland. Doch in dieser Saison startet das Team aus der Hauptstadt so schlecht wie nie in die Playoffs. Schon gegen Frankfurt droht Alba das Aus.

          2 Min.

          Die Hoffnung ruht auf einer langen Serie. „Wir müssen spielen, als wäre das fünfte das Spiel, das wir in Frankfurt gewinnen“, sagt Sascha Obradovic, der Trainer von Alba Berlin. Der Serbe forderte schon Geduld, bevor sein Team im ersten Spiel der Playoffs am Wochenende um die deutsche Meisterschaft bei den Skyliners mit 64:83 Punkten unterging. Nun muss Obradovic nicht Erwartungen dämpfen, sondern die Hoffnung aufrechterhalten. Galt nicht immer, dass Berlin eines der drei großen B an der Spitze des deutschen Basketballs ist? Während Meister Bamberg und die Bayern souverän siegten, braucht Alba an diesem Mittwoch einen Erfolg, um im Rennen zu bleiben.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Keine Rede mehr von Kennzeichen B in Berlin: Als Nummer sechs der Saison ist Alba so schlecht wie noch nie in die Entscheidung der Saison gegangen – und damit ohne den Vorteil, das erste, dritte und eventuell auch fünfte Spiel zu Hause austragen zu dürfen. Zwar hatte die Mannschaft die Spielzeit mit einer beeindruckenden Siegesserie begonnen, gewann den Pokal triumphal mit Erfolgen gegen Frankfurt und München. Doch langwierige Verletzungen rissen wichtige Spieler aus dem System.

          Es fehlt an Zusammenhalt

          Spielmacher Jordan Taylor hatte es an der Hand, die Flügelspieler Niels Giffey und Dragan Milosavljevic am Fuß, und als Alba auch noch mitten in der Saison Center Mitchell Watts aussortierte, den Kroaten Kresimir Loncar einbürgerte und die beiden frei gewordenen Quoten-Plätze mit den Amerikanern Robert Lowery und Brandon Ashley besetzte, erlitt Aufbauspieler Lowery einen Bänderriss, der ihn und sein Team acht Wochen kostete. „Togetherness“ nennt Obradovic als die große Stärke der Frankfurter, die im Kern seit zwei, drei Jahren zusammenspielen. Und als Manko seines Teams. Es fehlt an Zusammenhalt, der ein Team besser macht als die Summe seiner Einzelkönner. „Wir müssen deutlich mehr Mut zeigen“, sagt Manager Marco Baldi. „Wir müssen dieses Zögern und Hadern abstellen.“

          Die Frankfurter Spieler, die ein Dutzend Siege nacheinander im Rücken haben, darunter den Erfolg im Finale des Europe Cup, sind selbstbewusst und des Nebenmannes gewiss. Die Berliner sind verunsichert. Zwar erkämpften sie sich in Frankfurt 34 Rebounds, acht mehr als ihr Gegner, 16 davon im Angriff. Doch die vielen zweiten Chancen warfen sie buchstäblich weg. Zwanzig ihrer 39 Würfe gingen daneben. Der Frankfurter Aaron Doornekamp allein traf bei fünf von sieben Distanzwürfen. Alle Berliner Spieler zusammen waren kein bisschen erfolgreicher - bei 17 Versuchen.

          Bamberg und Bayern, sagt Baldi, seien allen anderen voraus; sie verfügen als einzige Teams der Liga über zweistellige Millionen-Budgets. Die nächsten, Oldenburg, Frankfurt, Ulm und Berlin, seien Herausforderer. „Sie sind in der Lage“, sagt Baldi, „diejenigen zu erden, die enteilt schienen.“ Berlin ragt durch seine Tradition und seine Größe zwar heraus. Achtmal war der Klub Meister, mehr als tausend Jungen und Mädchen spielen in seinen vielen Teams, fast dreieinhalbtausend zusätzlich werden in der Schule von Alba-Trainern betreut.

          Doch selbst der eindrucksvolle Schnitt von mehr als 10.000 Zuschauern pro Heimspiel - Bamberg als Nächster hat dreitausend weniger - hat an diesem Mittwoch keine Bedeutung. Alba muss in die Max-Schmeling-Halle mit rund 8000 Plätzen ausweichen. Die große Arena beansprucht, Ironie des Spielplans, der große Basketball für sich: die Euro-League. Ihr Endturnier wird am Wochenende in Berlin ausgespielt. So nah und doch so fern: Nur wer Meister wird, darf im nächsten Jahr mitspielen.

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