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Alba Berlin in Playoffs : „Die Spieler lieben sich“

Spielmacher Martin Hermannsson (am Ball) spricht mit Respekt vom Gegner, mit Zuversicht von seinem Team und mit keinem Wort von sich. Bild: Picture-Alliance

Die Berliner Basketballer faszinieren nicht nur mit hohem Tempo, frechen Ballgewinnen und mutigen Würfen. Sie begeistern durch offenkundig gute Stimmung und Zusammenhalt im Team. Dafür verantwortlich ist auch der Mann mit den 2000 Telefonnummern.

          Die Basketball-Profis von Alba Berlin sorgen für Stimmung. Als sie im April das dritte Finalspiel in Valencia verloren, das sie zuvor mit einem Heimsieg über die überlegenen Spanier erzwungen hatten, riefen Tausende spanische Zuschauer den Namen der Mannschaft. Bei den Siegen über Ratiopharm Ulm, mit denen die Berliner die Play-offs um die deutsche Meisterschaft begannen, unterhielten sie das Publikum mit so vielen Punkten wie kein Konkurrent: 205 in zwei Partien. „Besser geht’s nicht“, lobte Manager Marco Baldi. Schon an diesem Sonntag kann Alba mit Sieg Nummer drei ins Halbfinale einziehen durch einen Erfolg gegen Ulm (15.00 Uhr bei Magenta Sport).

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ebenso wie das Hochgeschwindigkeitsspiel der Berliner, des jüngsten Teams der Liga, ebenso wie ihre frechen Ballgewinne und ihre mutigen Distanzwürfe erfreuen die offenkundig gute Stimmung und der Zusammenhalt im Team das Publikum. Die Spieler und ihre Partnerinnen verabreden sich so zur Halloween-Party mit Verkleidung oder gehen schon mal gemeinsam zum Karaoke. „Die Spieler lieben sich“, behauptet Baldi, und in den Spielen seiner Mannschaft zeigt sich das in Gesten der Aufmunterung, in lachenden Gesichtern und einer Spielweise, in der zwar jeder Verantwortung übernimmt, aber niemand sich hervorzutun versucht.

          Der Isländer Martin Hermannsson, der seine Mannschaft beim Sieg in Ulm mit 23 Punkten und 7 Assists anführte, sprach nach dem Spiel mit Respekt vom Gegner, mit Zuversicht von seinem Team und mit keinem Wort von sich. Es wäre phantastisch, sagt er über das Saisonziel, „mit dieser Mannschaft, mit diesen Spielern EuroLeague spielen zu können“. Denn fast noch größer als der Wunsch, nach dem Meisterschafts-Finale gegen Bayern München über fünf Spiele im Vorjahr, nach Pokal-Endspielen in dieser und der vergangenen Saison und den drei Finalspielen im EuroCup endlich einen Titel zu gewinnen, ist der nach dem Aufstieg in die erste Klasse Europas.

          Die Zulassung zu den Top 18 mit ZSKA und Real, mit Fenerbahce und Panathinaikos würde die Mannschaft wohl zusammenhalten. „Wenn wir dort spielen, ist das einzige, was wir nicht bieten können, das große Geld für verrückte Verträge“, sagt Albas Sportdirektor Himar Ojeda. „Alles andere haben wir.“ Vor allem gibt es die Möglichkeit, sich unter der Ägide von Trainer Aito Reneses und seinem Stab zu entwickeln. Das hat sich in der Welt des Basketballs herumgesprochen, und deshalb klingelt derzeit fast ständig das Mobiltelefon von Ojeda. Mehr als zweitausend Telefonnummern hat der Spanier, vor drei Jahren von den Atlanta Hawks gekommen und mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet, in seinem Handy gespeichert – ein Eindruck davon, wie gut der Mann vernetzt ist.

          Doch Zahlen sind in der von Statistiken bestimmten Welt des Basketballs nicht alles für Ojeda. Zwar kennt auch er die erfolgreichsten Werfer und Rebounder und Passgeber praktisch jeder Basketball-Liga in Europa und den Vereinigten Staaten. Zwar zeichnen sechs Kameras jedes Training seiner Mannschaft auf, werden Laufwege und Herzschlag jeden einzelnen Spielers gemessen. Doch ein Team wie das von Alba Berlin zusammenzustellen, erfordert mehr. „Die Stimmung in der Mannschaft ist kein Zufall“, sagt Ojeda. „Wir haben große Sorgfalt auf die Chemie des Teams verwandt. Für mich ist das der Schlüssel.“

          Auf Reisen zu kleinen und großen Turnieren geht es Ojeda darum, statistische Werte um den persönlichen Eindruck zu ergänzen. Wenn er etwa, wie beim Portsmouth Invitational in Virginia vor Jahren, erlebt, wie ein Spieler sich zum Mittagessen mit anderen zusammensetzt und austauscht, statt sich mit Kopfhörern abzuschotten, merkt er sich das. So empfahl sich etwa Luke Sikma, ohne dass er es ahnte. In Berlin ist er einer der überragenden Spieler der Liga geworden. „Teamfähigkeit ist wichtig“, sagt Ojeda. „Manchmal wichtiger als andere Optionen.“

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