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Wilde Hatz wegen Corona : Alba Berlin und die Basketball-Wahnsinnstour

Maodo Lo (rechts) und Alba Berlin kämpfen sich durch den dichten Terminplan. Bild: dpa

Mehr als zwei Wochen legte Corona das Team von Alba Berlin komplett lahm. Nun hetzt der Basketballmeister durch Deutschland und Europa. Kann das gutgehen? Die Lage ist kompliziert.

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          Zwei Wochen war die Mannschaft krank. Nun spielt sie wieder, Gott sei Dank. Sechzehn Tage lang hatte das Coronavirus zu Jahresbeginn Alba Berlin lahmgelegt. Elf Spieler waren infiziert, manche krank, womöglich in Folge der Silvester-Partie gegen die Bundesligamannschaft aus Würzburg, die gleich anschließend eine Reihe von Infektionen meldete. Auch der Berliner Coach Israel Gonzalez und sein Assistent Sebastian Trzcionka fielen krank aus.

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Einige Spieler hätten zehn Tage lang ihr Schlafzimmer nicht verlassen, so schlimm hatte es sie erwischt, berichtete Gonzalez. Doch statt in aller Ruhe und mit verantwortungsbewusstem Training wieder auf das Niveau von vor der Krankheit zu kommen, hat für den deutschen Basketball-Meister eine Jagd durch deutsche und europäische Liga begonnen, über die man nur den Kopf schütteln kann. Für die pandemische Realität ist die Welt des Basketballs ein wenig zu dicht getaktet.

          Drei Mal konnte Alba in seiner Trainingshalle in der Schützenstraße von Berlin-Mitte trainieren, „sehr leicht“, wie Gonzalez sagte, dann flog es bereits zum ersten Euroleague-Spiel nach Mailand. Zwei Tage später wartete in Berlin Real Madrid, drei weitere Tage danach Ludwigsburg, und am Morgen drauf ging schon der Flug zur Partie gegen Makkabi in Tel Aviv. Nur neun Tage nach dem Beginn dieser Wahnsinnstour, mit eindrucksvollen Leistungen, aber vier Niederlagen, geht es an diesem Freitag (20.30 Uhr bei MagentaSport) beim Liga-Konkurrenten und Play-off-Aspiranten der Euroleague, Bayern München, darum, auch in der fünften Partie nicht schlecht auszusehen und Verletzungen zu vermeiden.

          „Wir sind müde“

          „Wir sind müde“, klagte „Coach Israel“, wie er in Berlin genannt wird, in der vergangenen Woche: „Das ist normal, wenn man vier Spiele in einer Woche hat.“ Er ist in einer schwierigen Situation: ein Trainer, der mit seiner Mannschaft nicht trainieren kann, ein Coach, der mit seiner Mannschaft durch Deutschland und Europa jagt und nichts hat von den gelegentlichen Glanzleistungen, die seine Spieler zeigen, allen voran Aufbauspieler Maodo Lo.

          Alba spielt erstaunlich, hält zeitweise mit Mailand und Real mit, die zu den stärksten Mannschaften Europas gehören. Ganz offensichtlich fehlen Stärke und Ausdauer für das kraftraubende Hochgeschwindigkeits-Basketball, das Alba spielt. Die Mannschaft verliert – am Sonntag mit einem Punkt gegen den Bundesligarivalen Ludwigsburg. „Man wünscht sich das anders“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. „Für uns geht es einfach darum, zurückzufinden.“

          Meckern hilft auch nichts: Alba-Trainer Israel Gonzalez an der Seitenlinie
          Meckern hilft auch nichts: Alba-Trainer Israel Gonzalez an der Seitenlinie : Bild: dpa

          In der Bundesliga steht der Meister mit fünf Niederlagen in fünfzehn Spielen auf Platz sieben; alle Konkurrenten haben zwei oder drei Spiele mehr absolviert. In der Euroleague stehen für die Berliner bei zwanzig Spielen lediglich sechs Siege zu Buche: Rang 16. „Hadern habe ich mir abgewöhnt“, sagte Baldi in der Halbzeitpause eines der Spiele bei Magenta Sport: „Ich bin froh, dass wir einigermaßen vollständig spielen können. Bei allem anderen werden wir uns irgendwie durchlavieren.“

          Mit Lavieren werden sie nicht durchkommen bei den Bayern, dem großen Rivalen von Alba. Das Team von Andrea Trinchieri hat in diesem Monat schon acht Spiele hinter sich gebracht, ist aber nach den Niederlagen gegen Chemnitz und Monaco in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Nach Siegen in Vitoria und Villeurbanne scheint für die Münchner die Qualifikation für die europäischen Play-offs wieder greifbar. Ein Erfolg über Berlin soll die Bayern diesem Ziel näher bringen. Da das Spiel eine Euroleague-Partie ist, müssen die Bayern sich nicht, wie in der Bundesliga, beim Einsatz ihrer starken Ausländer einschränken. Für Alba stellt sich derweil die Frage, wie vieler Niederlagen es bedarf, bis die Mannschaft wieder in Form ist.

          Hoffnung macht allein Point Guard Maodo Lo. Wie er das Berliner Team anführte, spielte es zeitweise auf europäischem Top-Niveau. Er sei stolz, sagte er nach dem 74:89 gegen Real, dass sie mit einem der besten Teams Europas mitgehalten hätten. Erst im letzten Viertel ging ihnen die Energie aus; dreißig Spielminuten lang hielten sie mit. Dies sei seine zweite Corona-Erkrankung gewesen, erzählte Lo. Beim ersten Mal sei er vierzehn Tage lang krank gewesen, diesmal nur drei: „Den Rest der Zeit hat man zu Hause rumgehockt.“

          Er staunt selbst, dass er – gegen Real mit 21 Punkten, bei Makkabi mit 18 – so schnell, so kraftvoll spielt und mit so viel Selbstbewusstsein: „Ich habe keine Erklärung. Keine Ahnung, wie das Virus funktioniert.“ Man mag es nicht glauben: Ausgerechnet die Partien gegen die überragenden Teams aus Mailand und Madrid dienten Lo und den Berlinern dazu, sich wieder fit zu spielen, das Gefühl für Pass und Wurf zurückzugewinnen. Für ihr Spiel gilt: Es kann nur besser werden.

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