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Berlin besser als Bayern : Deutsche Riesen – in Europa ganz klein

  • -Aktualisiert am

Mit Schwung zum Korb: Berlins Martin Hermannsson beim Euroleague-Spiel gegen St. Petersburg Bild: EPA

Die beiden deutschen Basketball-Spitzenklubs schlagen sich derzeit durchaus unterschiedlich. Das hat auch gute Gründe. Wohin geht also die Reise für Alba Berlin und Bayern München?

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          Immerhin zusammen sechs Niederlagen weisen Bayern München und Alba Berlin in der Basketball-Bundesliga auf. Doch der vergangene Sonntag zeigte wieder einmal, wie dominant die beiden Meisterschaftsfavoriten sein können und wie unwahrscheinlich es ist, dass sie von einer dritten deutschen Mannschaft in einer Playoff-Serie besiegt werden.

          In den Duellen mit den Teams, die vor der Saison als erste Verfolger gehandelt wurden, demontierten die beiden Euroleague-Teilnehmer ihre Konkurrenten. Die Berliner ließen Brose Bamberg zu keinem Zeitpunkt eine Chance und landeten einen 107:70-Kantersieg, während die Bayern nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit im dritten Viertel gegen den Pokalfinalisten Oldenburg den Schalter umlegten und mit einem 25:1 ein besonderes Statement auf dem Weg zum 79:58 (29:41)-Erfolg abgaben.

          Bundesliga und Euroleague

          In der Bundesliga rangieren die Münchner vor Berlin, in der Euroleague ist es umgekehrt. Zumindest aber konnte der deutsche Meister in der vergangenen Woche mit dem Auswärtssieg in Sankt Petersburg die Position am Tabellenende an die Russen übergeben. Berlin steht mit einem Sieg mehr derzeit auf Position 15 im Achtzehnerfeld. Das ist nur ein marginaler Unterschied in der Tabelle, aber dennoch ist es unstrittig, dass sich die Mannschaft von Trainer Aito insgesamt deutlich besser als ihr nationaler Konkurrent verkauft hat. Wie es von allen Experten prognostiziert wurde, ist die europäische Königsklasse so stark wie nie zuvor. Die Teams verteidigen extrem intensiv, was leichte Punkte aus dem Umschaltspiel umso wertvoller macht. Genau da liegt ein Vorteil der Berliner, die das höchste Tempo in diesem Wettbewerb anschlagen, während die Münchner deutlich langsamer unterwegs sind.

          Außerdem gelang es dem Pokalsieger besser, die Verletzungen, von denen beide Teams heimgesucht wurden, zu kompensieren. Der Berliner Spielmacher Peyton Siva ist in dieser Beziehung besonders anfällig. In seinen dreieinhalb Spielzeiten bei Alba hat er 64 von 238 Pflichtspielen versäumt, das ist eine Ausfallquote von 26,9 Prozent! In dieser Euroleague-Saison hat der Amerikaner neun von 26 Begegnungen verpasst. Aber der 25-jährige Martin Hermannsson kam nach Anlaufschwierigkeiten immer besser in Schwung und konnte die Mannschaft auf dieser Schlüsselposition stabilisieren. Nachdem der Isländer in den ersten 13 Partien im Schnitt 8,4 Punkte mit einer Dreierquote von 21,1 Prozent erzielte, sind es seitdem 13,6 Punkte mit einem überragenden Wert von 50 Prozent jenseits der 6,75 Meter.

          Berlin weiterentwickelt, Bayern stagnieren

          So wie Hermannsson hat sich die gesamte Mannschaft auf europäischem Parkett weiterentwickelt. Nachdem es den Berlinern in engen Spielen lange schwerfiel, am Ende die richtigen Entscheidungen zu treffen, machten Luke Sikma und Kollegen in diesem Bereich große Fortschritte, was vier knappe Auswärtssiege in der Rückrunde belegen.

          Die Bayern scheinen hingegen zu stagnieren. Eigentlich erwartete man, dass der Meister in der Lage sein würde, sich ins Rennen um die Playoff-Plätze einzuschalten. Davon sind die Münchner nach einem guten Start jedoch meilenweit entfernt. Das enttäuschende Abschneiden in der Euroleague kostete Head Coach Dejan Radonjic Anfang des Jahres seinen Job, aber seinem ehemaligen Assistenten und Nachfolger Oliver Kostic fällt es schwer, die Mannschaft von festgetretenen Pfaden wegzuführen. Dazu kommt die Unklarheit bezüglich der Spielmacherhierarchie. Aufgrund der langwierigen Verletzung von T. J. Bray war Maodo Lo in der ersten Saisonhälfte der unumstrittene Chef auf dem Parkett. Der Nationalspieler löste seine Aufgaben phasenweise überragend, muss aber inzwischen der extrem hohen Belastung Tribut zollen. Bray ist zwar mittlerweile dabei, sucht aber nach einem halben Jahr Pause noch seinen Rhythmus. Dazu kommt auch noch der nachverpflichtete Zan Mark Sisko. Der 22-jährige Slowene ist ein klassischer Vorbereiter, aber aufgrund seiner fehlenden Erfahrung sicherlich noch kein Kandidat für die Starterposition.

          In dieser Woche steht ein Doppelspieltag auf dem Programm (alle Spiele live bei MagentaSport) und damit die Möglichkeit für Berlin und München, sich gegen die gleichen Konkurrenten zu beweisen. Am Mittwoch empfängt Alba das Topteam des FC Barcelona und die Bayern erwarten Baskonia Vitoria. Am Freitag müssen dann die beiden deutschen Teilnehmer auswärts beim jeweils anderen spanischen Vertreter antreten. Auch wenn das Erreichen der Playoffs hochgradig unwahrscheinlich ist, so sind die verbleibenden acht Partien trotzdem wichtig. Denn nur auf Euroleague-Niveau kann man die Erfahrungen sammeln, die in einer Finalserie den Ausschlag geben können.

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