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Alba Berlin : Hoffen auf das Sieger-Gen

Patrick Femerling (l.) spielt zum dritten Mal für Alba Bild: AFP

Alba Berlin verlor in der vergangenen Saison das Eurocup-Finale und schied früh in den Playoffs aus. Mit Hoffnungsträger Patrick Femerling soll alles anders werden. Am besten schon am Freitag (20 Uhr) in der Euroleague-Qualifikation gegen Choral Roanne.

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          Patrick Femerling ist zum letzten Mal heimgekehrt. Seine dritte Verpflichtung bei Alba Berlin dürfte den 2,15 Meter langen Basketballprofi wenn nicht für immer, so doch für sehr lange Zeit nach Berlin geführt haben. Schon im vergangenen Jahr, als er in der türkischen Liga für Antalya spielte, brachte er es fertig, manchen freien Sonntag bei Frau und Tochter in der Hauptstadt zu verbringen, indem er Samstagnacht hin und vor dem Training am Montag zurückflog.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das hat gezehrt“, sagt er über seinen deutsch-türkischen Spagat. „Ich bin froh, dass das vorbei ist.“ Doch das musste sein. Zwar sagt Femerling lapidar, er habe sich beweisen wollen, dass er mit 35 Jahren mehr kann, als nur zwei Mal hin und her zu laufen. Aber eigentlich hat er das weniger sich als vielmehr Alba-Trainer Luca Pavicevic und Alba-Manager Marco Baldi beweisen wollen.

          Femerlings zweite Berliner Zeit war nämlich bitter zu Ende gegangen. 2008 noch war er Meister und Pokalsieger mit den Berlinern geworden, dann legte ihn eine schwere Knieverletzung lahm. Zu den Play-offs 2009 meldete er sich gesund. Doch längst hatte Alba einen Ersatz für seine Position unterm Korb verpflichtet, Blagota Sekulic.

          Mit 221 Länderspielen ist Femerling deutscher Rekordnationalspieler

          „Ich muss mir kein Krönchen aufsetzen“

          Auf der Zuschauertribüne reifte bei Femerling, der mit Alba, mit dem FC Barcelona und mit Panathinaikos Athen sieben Meisterschaften und mit Barcelona die Euroleague 2003 gewonnen hatte, außerdem mit der deutschen Nationalmannschaft Dritter der Weltmeisterschaft 2002 und Finalist der Europameisterschaft 2005 geworden war, das Gefühl, dass der Trainer ihn persönlich nicht mochte.

          Mit Femerling zwischen den Ehrengästen statt auf dem Platz scheiterte Alba in der Meisterschaft 2009. In diesem Jahr, nach dem Finale im Eurocup gegen Valencia, brach das Berliner Team geradezu zusammen und schied im Play-off-Viertelfinale gegen Frankfurt aus. Deshalb ist Femerling nun wieder da. In seinem fünften Berliner Jahr, seiner dreizehnten Profisaison, wird er die Nummer 13 tragen. „Wir sind ja nicht beim Fußball“, sagt er über seine Berufung zum Mannschaftskapitän. „Ich muss mir kein Krönchen aufsetzen und kein Thrönchen hinstellen. Die Funktion tritt nur in Kraft, wenn es Probleme gibt.“ Am Freitag (20 Uhr) treffen die Berliner im Rückspiel der Qualifikationsrunde zur Euroleague nun auf das französische Team von Choral Roanne. In Frankreich verlor Alba mit 79:86.

          Die richtige Zeit zum Aufhören

          Längst ist Femerling es, der Berliner Kontinuität verkörpert wie niemand sonst. Mit 22, nach drei Jahren an der University of Washington, begann der gebürtige Hamburger, der in Düsseldorf aufwuchs, 1998 seine Lehrzeit in der Bundesliga. Am Ende der Saison war er Meister. Nach einem weiteren Jahr in der Hauptstadt begann er seine Wanderjahre durch Europa.

          Dabei begleitete ihn eine junge Berlinerin. Längst ist sie seine Frau und hat sich inzwischen in Berlin mit einem Unternehmen selbständig gemacht. Die gemeinsame Tochter wird im nächsten Jahr eingeschult werden. Klar sei es eine Kunst, den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu erwischen, sagt Femerling. Aber ein Jahr wolle er an diese Saison noch dranhängen, „wenn die Nachfrage da ist“.

          Ein schwärmender Trainer

          Ein einziger Sieg habe vergangene Saison zum Gewinn des Eurocup gefehlt, sagt Trainer Pavicevic. Für die Meisterschaft allerdings mangelte es an mehr. „Um diese Kleinigkeit besser zu sein, haben wir Spieler verpflichtet, die das als Menschen schaffen, nicht nur als Spieler“, beharrt Pavicevic. Vom starken Charakter der Neuverpflichtungen spricht auch Manager Baldi. Er schwärmt geradezu von Femerling: „Er hat das Sieger-Gen. Wir haben Spieler gesucht, die das Gefühl kennen, Meister zu werden, Spieler, die die entscheidenden Situationen schon bestanden haben.“

          „Natürlich haben wir gesprochen“, sagt Femerling über seinen Zwist mit dem Trainer. „Man muss sich zusammensetzen. Das ist im Sport so, das ist bei der Arbeit so, das ist im Leben so. Aber auszuräumen war da nichts, das wäre das falsche Wort.“ Auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft verzichtete Femerling, mit 221 Länderspielen Rekordnationalspieler, nach dem Gespräch lieber. Er kennt die Intensität des Spiels bei Alba. „Neu lernen musste ich nichts“, sagt er. „Aber man muss immer genug Gas im Tank haben.“

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