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67:65-Sieg für Alba Berlin : Aufruhr im Bayern-Land

Die Berliner Spieler jubeln über den Pokalsieg Bild: dpa

Die zuletzt in der Liga schwächelnden Berliner holen sich gegen Bayern München überraschend den BBL-Pokal. Dabei steht das Spiel kurz vor Anwurf noch auf der Kippe.

          Es gibt nicht viele Pokale, die in den Vitrinen des FC Bayern noch fehlen. Am Sonntag haben sie es verpasst, einen der letzten hinzuzufügen: den deutschen Basketball-Pokal. Nach dem Halbfinalerfolg gegen den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg, den sie tags zuvor mit einem energischen Schlussspurt 86:79 besiegt hatten, konnten die Basketball-Bayern den Heimvorteil eines „Final Four“ in eigener Halle im Finale am Sonntag nicht ein zweites Mal nutzen und unterlagen Alba Berlin 65:67. Den entscheidenden Korb erzielte Dragan Milosavljevic fünf Sekunden vor Schluss. Es war der neunte Pokalsieg für Alba.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Ihr seid nur ein Fußballverein“, so hatten die Berliner Fans während des Endspiels im Sprechchor gespottet. Doch spätestens mit dem Gewinn der Meisterschaft 2014 ist der FC Bayern eindeutig auch ein Basketballverein geworden. „Es ist eine Motivation für uns“, hatte Trainer Svetislav Pesic nach dem Prestige-Erfolg im Halbfinale gegen Bamberg gesagt, „dass die Zuschauer in dieser Stadt, dieser Region, auch anderen Sport erleben können.“

          So wie der Zuschauer Uli Hoeneß, der einst das Münchner Basketballprojekt initiiert hatte und nun den Besuch beim Basketball am Samstag dem zeitgleich stattfindenden Spiel der Bayern-Fußballer gegen Darmstadt vorzogen – als einer von zwei prominenten früheren Präsidenten neben Christian Wulff. Im Gegensatz zu dem früheren Bundespräsidenten dürfte dem früheren Bayern-Präsidenten, dessen Zeit in Haft in einer Woche endet, die Tür zurück ins Amt offenstehen.

          Das Finalturnier hätte beinahe mit einem Kuriosum geendet. Denn die Austragung des Endspiels stand kurzzeitig in Frage. Das für Sonntagmittag terminierte Spiel um Platz drei zwischen Bamberg und den Frankfurt Skyliners (die ihr Halbfinale gegen Berlin durch einen Dreipunktewurf von Jordan Taylor eine Sekunde vor Schluss 76:79 verloren hatten) wurde wegen „Nicht-Bespielbarkeit des Parketts“ abgesagt.

          Grund war eine defekte Pumpe der Heizungsanlage im „Audi Dome“, der früheren Rudi-Sedlmayer-Halle, aus der Wasser auf das Spielfeld tropfte. Fürs Finale wurde aber eine Lösung gefunden, einen Teil des Tropfwassers abzufangen, und den Rest erledigte eine studentische Spezialkraft mit Aufnehmer, die bei jeder Spielunterbrechung den gefährdeten Bereich nahe der Mittellinie trocknete.

          John Bryant (am Ball) von München geht zum Korb

          Die Nationalhymne vor Anwurf stimmte kernig-bayrisch die Blaskapelle Harmonie Neubiberg an. Doch bis auch im Spiel die Bayern vorübergehend den Ton angaben, dauerte es bis ins zweite Viertel der nervösen, von harter Defensive und vielen Fehlern geprägten Partie. Einen 11:15-Rückstand drehten die Bayern in eine 20: 15-Führung und bauten sie bis zur Halbzeitpause auf 34:25 aus.

          Der Berliner Trainer Sasa Obradovic tobte, weil seine Spieler durch mangelnde Konzentration gleich ein halbes Dutzend Mal allein in der ersten Halbzeit den Ball herschenkten: drei Mal ließe sie sich einen beim Rebound gefangenen Ball wieder aus den Händen nehmen ließen, weitere drei Mal traten sie unbedrängt mit dem Ball in der Hand auf die Linie.

          Näher am Netz und den Punkten: Jordan Taylor und Alba Berlin

          Spielmacher Will Cherry musste den cholerischen Coach mit einem Klaps aufs den Rücken beruhigen. Die Laune des Serben besserte sich im dritten Viertel, an deren Ende sein Team auf 43:43 ausgeglichen hatte. Im Schlussviertel zogen die Berliner gegen die ermüdenden Münchner davon und schienen anderthalb Minuten vor dem Ende bei 65: 58-Führung den Sieg schon fast sicher zu haben.

          Doch durch einen schnellen Korb von Anton Gavel, dann durch ein unsportliches Foul von Kresimir Loncar, das den Bayern zwei Freiwürfe plus Ballbesitz brachte, und einen „Dreier“ von Dusko Savanovic hatten die Bayern 29 Sekunden vor Ende wieder ausgeglichen. Dann jedoch schlug die Stunde von Milosavljevic - der Serbe zog zum Korb und holte die entscheidenden Punkte.

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