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Ausschreitungen bei Alba-Sieg : „In deutschen Hallen so etwas noch nie gesehen“

Im Einsatz: Offenbar gingen die Auseinandersetzungen vom Istanbul-Block aus Bild: dpa

Fast 13.000 Fans freuen sich auch ein Basketball-Spiel, doch statt der Bälle fliegen in Berlin zunächst Fäuste und Stühle. Die Berliner Polizei ermittelt nun wegen Landfriedensbruch.

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          Spieler und Trainer stürzten vom Spielfeld auf die Tribüne, um Frauen und Kinder in Sicherheit zu bringen. Was ein Feiertag für Fans und Spieler von Alba Berlin werden sollte, ein weiteres Spiel unter den besten sechzehn Basketball-Mannschaften Europas, drohte ein schwarzer Mob in einen Albtraum zu verwandeln:

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mehr als fünfzig gewalttätige Anhänger zogen randalierend durch die Halle, als das Spiel beginnen sollte, attackierten die Berliner Fans, warfen Stühle und Absperrungen und bedrohten das Publikum auf der Haupttribüne. „Ich bin jetzt seit 40 Jahren im Basketball. Zumindest in deutschen Hallen habe ich so etwas noch nie gesehen“, sagte Alba-Manager Marco Baldi nach der Partie gegen Galatasaray Istanbul am Donnerstagabend.

          Randale beim Besuch des Bürgermeisters

          Er konnte erleichtert sein. Außer Sachschaden hatten die Gewaltakte wohl keine Folgen. Als das Überfallkommando der Berliner Polizei eingetroffen war und mitgeteilt hatte, dass es die Lage unter Kontrolle habe, fand das Spiel statt; mit einer Stunde Verzögerung zwar, doch erfolgreich. Obwohl Alba Berlin einen Vorsprung von sechzehn Punkten in letzten Viertel bis auf einen verspielte, gewann das Team schließlich 75:69 und wahrt damit die Chance, als erste deutsche Mannschaft das Viertelfinale der Euro-League zu erreichen.

          Fairer Zweikampf: Auf dem Platz hielten sich alle Beteiligten an die Regeln

          Ausgerechnet beim ersten Besuch von Michael Müller, seit er Regierender Bürgermeister der Stadt ist, drohte die Partie aus den Fugen zu geraten. Unter Buh-Rufen des entsetzten Publikums zogen die Randalierer durch die Halle, und niemand schien sie zu stoppen können. Jeder wusste, wie gefährlich diese offenbar aus Istanbul eingeflogenen Männer sind.

          Das Hinspiel der Berliner bei Galatasaray im Januar hatte in einer leeren Halle stattgefunden; es war eine von drei Euro-League-Partien, bei denen die Türken zur Strafe für schwere Sicherheitsmängel bei ihren Spielen keine Zuschauer hatten zulassen dürfen. Im November hatten Gewalttäter beim Spiel von Galatasaray gegen Roter Stern Belgrad schwere Krawalle angezettelt. Ein Fan aus Serbien wurde in deren Verlauf erstochen.

          Auch deshalb griff Galatasaray-Trainer Ergin Ataman bei den Krawallen in Berlin nach dem Mikrofon des Hallensprechers und rief die Randalierer zu Mäßigung auf. Wie chaotisch es in seinem Klub zugeht, bildet sich auch in seinem Team ab. Wegen ausstehender Zahlungen hat sich Anfang des Monats der frühere NBA-Spieler Carlos Arroyo, treffsicherer Aufbauspieler und Mannschaftskapitän, verabschiedet; der bekannteste von einem halben Dutzend Spitzenspieler, die Galatasary verpflichtet, aber nicht bezahlt hat.

          Manche Berliner Zuschauer verließen, als die Randalierer losschlugen, aus Sorge um ihre Sicherheit und die ihrer Angehörigen sofort die Halle. Andere waren geradezu begeistert. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ veröffentlichte auf ihrer Homepage ein Video, das offensichtlich von Zuschauern in einer der letzten Reihen des Berliner Fanblocks aufgenommen wurde. Zu hören sind dabei nicht nur die Aufrufe des türkischen Sprechers und die Explosion eines Böllers, sondern auch Ausrufe der Begeisterung. „Das ist ja geiler als beim Fußball“, ist deutlich zu verstehen.

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