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Alba Berlin : „Flying Harnisch“ treibt die Jugendlichen zur Korbjagd

Deshalb auch eröffnet er jungen Trainern eine berufliche Perspektive. An zehn Grundschulen ist das Nachwuchsprojekt von der AG in die nächste Stufe eingetreten. Dort gibt es täglich mindestens eine Sportstunde. „Wir bieten den Rahmen, Alba liefert den Inhalt“, erklärt der Sport- und Mathelehrer Michael Reich von der Spartacus-Grundschule in Friedrichshain. Drei Mal in der Woche kommt ein Trainer in diese sportbetonten Klassen. Alba hat bereits acht von ihnen fest angestellt für diese Aufgabe. Ohne den Job, sagt Harnisch, wären sie dem Sport verloren gegangen.

„Aha, haben einige Eltern gedacht: Kaderschmiede!“ erzählt die Sportlehrerin Brit Kroll, die mit der Grundschule am Kollwitzplatz an dem Projekt teilnimmt. Schnell hätten sie sich davon überzeugen lassen, dass es um Sport und Spiel geht, Ziele, die ohnehin im Lehrplan stehen. Im nächsten Schuljahr erwartet die Sportlehrerin einen Ansturm auf die neue sportbetonte Klasse.
Mit hohem Andrang auf ihre sportbetonte Klasse hat die Spartacusschule Erfahrung. Doch anders als zu Zeiten von Kaderschmieden ist auch hier nicht der Spitzensport Ziel des Sportunterrichts, sondern Sport als Lebensart. „Ich wäre froh, wenn sie alle ihr Leben lang Sport trieben“, sagt Lehrer Reich. „Ich würde mir wünschen, dass die Zukunft des Kinder- und Jugendsports so aussieht wie dies hier.“ Trotzdem beharrt Harnisch darauf: „Was wir tun, hat nichts Visionäres. Das ist einfach durchdachte Praxis.“ Mit dreißig beendete er sein Leben als Basketballprofi und studierte Film- und Kulturwissenschaft. Sport versteht er als kulturelle Errungenschaft, Mannschaftssport schon gar. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagt er. Das ist von Schiller.

Auch Volleyball oder Fußball sollen in die Offensive gehen

Eine halbe Million Euro pro Jahr lässt sich Alba seine Nachwuchsarbeit von der Nachwuchs-Bundesliga bis zu den Drittklässlern in Prenzlauer Berg kosten. „Das geht zu Lasten unserer aktuellen Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Manager Marco Baldi. „Aber unsere gesellschaftliche Verankerung ist wichtiger als ein größerer und besserer Kader.“ Selbstverständlich profitiert auch der Verein davon, der früher aus kaum mehr als seinem Profiteam bestand.

Die Integration von Schul- und Vereinssport, wie sie Alba, Schulen und Senat vereinbart haben, zeigt die Defizite und Grenzen von Politik und organisiertem Sport in der sich wandelnden Zivilgesellschaft auf. Angestellte Trainer ersetzen Übungsleiter, feste Stellen das Ehrenamt. Die Fortsetzung des Programms von den siebten Klassen an aufwärts ist die nächste Aufgabe, die sich Harnisch vorgenommen hat. Die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre bis zum Abitur erschwert das. „Die Schüler sind voll“, sagt Harnisch über den komprimierten Lehrplan und Tagesablauf. „Aber wir wollen die Möglichkeit schaffen, dass unsere Grundschüler auch weiterführende Schulen mit Alba-Programm finden können.“

Harnisch erlebt, dass gerade die Profiklubs über die Zukunft des Sports nachdenken, nicht die Verbände. Von den unternehmerisch geprägten Vereinen nicht nur im Basketball, sondern auch im Handball, im Volleyball und im Fußball erwartet er, dass sie mit ihm in die Offensive gehen. Einerseits würden ihre Teams und ihre Nationalmannschaften davon profitieren. Andererseits würden sie etwas geben, das Harnisch so beschreibt: „Das Glück, spielen zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit.“

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