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Agentur CAA : Aus Hollywood ins Sportgeschäft

  • -Aktualisiert am

Ausnahmsweise in der Zuschauerrolle: Jay-Z und Beyonce Bild: AP

Die Agentur CAA Sports holt zum Angriff auf IMG aus - mit dem Rapper Jay-Z als Frontmann. Zu den Aushängeschildern gehören Eishockey-Profi Sidney Crosby, Snowboard-Olympiasieger Shaun White und Fußball-Ikone David Beckham.

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          Auf dem Weg des eloquenten, unbremsbaren Aufsteigers aus dem sozialen Elend von Brooklyn hat Shawn Corey Carter schon manche Konvention gebrochen. Hip-Hop machte es möglich. Und seine Lebensphilosophie obendrein: „Ich bin kein Geschäftsmann. Ich bin ein Geschäft, Mann“, hat der Rapper mal gesagt, den alle Welt nur unter seinem Künstlernamen Jay-Z kennt. Der Dreiundvierzigjährige weiß um die Wirkung von Show und Glamour und hatte denn auch nichts gegen das Gerücht, er sei der Besitzer eines Klubs in der besten Basketballliga der Welt. Das wirkte so viel interessanter als die banale Wahrheit: dass Jay-Z tatsächlich nur ganze 0,067 Prozent an den New Jersey Nets besaß, die im letzten Sommer aus der Vorstadt von der anderen Seite des Hudson nach Brooklyn in eine neue Halle umzogen. In „Jay-Z’s place“, wie Touristen den Sportpalast gerne nennen, wenn sie Leute in der Gegend nach der Adresse fragen, weil sie glauben, es sei so etwas wie eine Sehenswürdigkeit.

          Der Unterschied zwischen Schein und Sein wird in der Unterhaltungsindustrie gerne verwischt. Und so produzierten seriöse Zeitungen wie „USA Today“ vor ein paar Tagen Schlagzeilen wie „Jay-Z startet Sportagentur“, in denen sie die entscheidenden Informationen im Kleingedruckten versteckten. Der Rapper ist mit seinem neuesten Baby, genannt Roc Nation Sports, nichts anderes als eine werbewirksame Figur im Schaufenster eines mächtigen Unternehmens: CAA Sports.

          Die Inszenierung wirkt gut getimet. Wohl auch, um die im Hintergrund ablaufende und größere Kampagne akustisch zu dämpfen: Den von Jay-Z’s Geschäftspartnern geplanten, sehr viel spektakuläreren Coup. Die Creative Artists Agency in Los Angeles, traditionell eine der einflussreichsten Agenturen im internationalen Film- und Musikgeschäft (mit Künstlern wie George Clooney, Tom Hanks, Steven Spielberg, Bruce Springsteen und Kanye West), will auch im Sportbusiness die Nummer eins werden. So meldete das Branchenblatt „Variety“ am Mittwoch: CAA will den jahrelang dominierenden Konkurrenten IMG Worldwide übernehmen. Die Gespräche mit dem Eigentümer, einem Private-Equity-Unternehmen, laufen schon.

          Aufbauen heißt vor allem: Aufkaufen

          Dabei reichen die Tentakel von CAA Sports schon jetzt ziemlich weit. Allein die Baseball-Abteilung konnte ein Gehaltsvolumen von mehr als einer Milliarde Dollar bei den Vertragsverhandlungen für Spieler in der obersten Klasse, der sogenannten Major League, aushandeln. Es gibt Agenten, die sich nur um Sponsorenverträge von Arena-Eigentümern kümmern, und solche, die Klubs und interessierten Käufern von Teams zur Seite stehen.

          Attraktives Aushängeschild: Snowboardprofi Shaun White

          Auch in diesen Bereichen werden Milliarden umgesetzt und spielen auf diese Weise Courtagen von mehreren Millionen ein. „Das war von Anfang an der Plan“, ließ Howard Nuchow, der bei CAA Sports zusammen mit Michael Levine das Sagen hat, vor einem Jahr durchblicken. „Wenn du die beste Agentur für Sportler aufbaust, dann kannst du diese Plattform für andere Dinge nutzen.“ Zum Beispiel für internationalen Fußball. Im Oktober erhielt eine Filiale des Unternehmens - CAA Eleven - von der Uefa den Zuschlag für die Vermarktungsrechte der Fußball-Europameisterschaft 2016 und der europäischen Qualifikationswettbewerbe zur Weltmeisterschaft 2018 und stach dabei bestens beleumundete Konkurrenz aus.

          Viele attraktive Aushängeschilder

          Unter Aufbauen versteht man bei CAA Sports vor allem eines: Aufkaufen. Seit sieben Jahren lockt man konsequent unabhängige Agenten an, die ihre Sportler mitbringen. Zu ihnen gehörte zum Beispiel Football-Spezialist Jimmy Sexton, der unter anderem den Berliner Björn Werner repräsentiert, der sich auf dem Sprung in die National Football League befindet und Chancen auf einen hochdotierten Vertrag besitzt.

          Die Ansammlung von immer mehr Agenten schuf ein Gebäude mit vielen attraktiven Aushängeschildern. Zu ihnen gehören die Basketballspieler LeBron James und Carmelo Anthony, Eishockey-Profi Sidney Crosby und Snowboard-Olympiasieger Shaun White. Und nicht zu vergessen David Beckham, so etwas wie der Vorzeigeathlet schlechthin für den Wandel im öffentlichen Bild von Sport und Sportlern. „Seine Reputation geht weit über das hinaus, was er auf dem Spielfeld geleistet hat“, betont Professor Victor Matheson, ein Wirtschaftswissenschaftler, der sich an der Universität Holy Cross in Worcester/Massachusetts mit Sport beschäftigt und weiß, wie sich die Unterhaltungsindustrie im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat.

          Der Vorzeigestar im Wandel des Sports zum Showgeschäft: David Beckham

          Ähnlich wie Jay-Z wusste Beckham schon früh, dass man seine Reputation aufbauschen kann, wenn man im Rahmen von lukrativen Geschäften mit den passenden Werbepartnern zu einer Ikone wird. Bei CAA verstand man solche Ambitionen schon immer. Michael Ovitz, der erste Chef der Firmengeschichte, betrachtete zum Beispiel das Buch „Die Kunst des Krieges“ des chinesischen Militärstrategen und Philosophen Sunzi als so etwas wie eine Bibel für den täglichen Erfolgskampf und hatte nichts gegen den Ruf des ruchlosen, kalten Strategen.

          Jay-Z muss sich von den Nets kümmern

          Ovitz und die Vertreter der Gründergeneration verließen in den neunziger Jahren das Unternehmen, das mittlerweile mehr als eine Milliarde Dollar wert sein dürfte, nachdem es sich allmählich aus der ausschließlichen Fixierung auf die Kinobranche lösen konnte und mit Hilfe von Einlagen aus der Private-Equity-Branche ständig weiterwuchs.

          Eine Konsequenz für die neue Aktivität von Jay-Z: Er muss sich von seinem Miniaturanteil an den Nets, dem Team aus seinem Borough, seinem Stadtteil, trennen. Das verlangt das Reglement der NBA, das auf diese Weise mögliche Interessenskonflikte ausschließen will. Dass er für diese Summe nur rund 350.000 Dollar bekommt, wird ihm nicht weh tun. Sein Vermögen wird auf 400 Millionen geschätzt.

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