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Ademola Okulaja : Durch die Hölle zurück aufs Parkett

Ademola Okulaja: Der „Warrior” hat den Kampf angenommen Bild: REUTERS

Ademola Okulaja ist nach Dirk Nowitzki der spektakulärste Basketballprofi Deutschlands. Der „Krieger“, wie er in der Szene genannt wird, steckt im härtesten Kampf seines Lebens. Er muss den Krebs besiegen.

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          „Hallo, Adi, schön, dass du da bist“, so wurde Ademola Okulaja vergangenen Samstag in Mannheim begrüßt am Rande des All-Star-Spiels. Dieser „Adi“ strahlte zurück, obwohl er die Kurzform seines Vornamens eigentlich nicht mag. Aber schon beim TuS Lichterfelde, wo sich der gebürtige Nigerianer Anfang der neunziger Jahre zum Spitzenspieler entwickelte, haben sie ihn so genannt. Aus dem Nigerianischen ins Deutsche übersetzt, bedeutet der Name Ademola eigentlich „gebender König“. Okulaja hat immer viel gegeben - auf dem Basketballfeld am liebsten alles: „Ich hasse es, nach einem Spiel in die Umkleidekabine zu kommen und noch ein bisschen Energie zu haben.“

          Vom Basketballspielen ist der 33 Jahre alte Profi derzeit weit entfernt. Okulaja muss all seine Energie aufbringen, um gegen eine schwere Krankheit anzukämpfen. „Warrior“, Krieger, ist einer seiner Spitznamen. Jetzt führt der baumlange Athlet tatsächlich einen Krieg: gegen den Krebs.

          Der Grund für den Wirbelbruch: ein Tumor

          Im Frühsommer 2008 hatte sich der Nationalspieler - Okulaja steht bei den Bamberg Baskets unter Vertrag - wegen des Bruchs eines Brustwirbels operieren lassen müssen. Der Traum, mit der deutschen Nationalmannschaft und an der Seite von Dirk Nowitzki die Olympiaqualifikation in Athen zu spielen, platzte mit der Diagnose.

          Immer ein Mann für die spektakuläre Aktion: Basketball-Star Okulaja

          Doch es kam noch schlimmer. Der Grund für den Wirbelbruch war ein Tumor. Die Ärzte implantierten einen Ersatz aus Titan für den zerstörten Wirbel und entfernten den Tumor. „Ich hatte super viel Glück im Unglück“, sagte Okulaja der Zeitschrift „Stern“: „Die zwei Wochen Training mit dem zerschmetterten Wirbel waren hochgefährlich. Schon bei der kleinsten Bewegung hätte ein Knochensplitter ins Rückenmark dringen können, und ich wäre gelähmt gewesen.“

          „Die Chemo, das ist die Hölle“

          Okulaja muss beweglich sein. Ein Arzttermin jagt den nächsten, die kommenden Therapien werden abgesprochen, weitere Untersuchungen festgelegt. „Ich habe überhaupt keine Zeit“, sagt er. Das sei auch der Grund dafür, dass der Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen von Bamberg auf ein Minimum geschmolzen sei. Zweimal schaute der 2,06 Meter lange Flügelspieler inzwischen bei Spielen seiner Mannschaft zu: beim Saisonauftakt gegen die Eisbären Bremerhaven und zuletzt vor einer guten Woche gegen die Köln 99ers. Beide Spiele hätten die Baskets verloren, sagt Okulaja und lächelt schon fast ein wenig verlegen: „Ich habe ihnen wohl kein Glück gebracht.“

          Bamberg fehlt Okulaja, dessen Erfahrung, Athletik, dessen Stärke beim Spiel eins gegen eins. Wie oft hat er mit einem krachenden Dunking seine spektakuläre Show erfolgreich für sich und seine Mannschaften abgeschlossen, Punkte gesammelt im doppelten Sinne? Eine Rückkehr ins Training, ins Bamberger Team, das um den Einzug in die Play-off-Runde kämpft, ist im Moment kein Thema. „Daran ist leider überhaupt nicht zu denken“, sagt Okulaja. Er befindet sich in einer Regenerationsphase zwischen dem zweiten und dem dritten Abschnitt der Chemotherapie, der er sich an der Universitätsklinik in Würzburg unterzieht. „Die Chemo, das ist die Hölle“, erzählt er, „das würde ich wirklich niemandem wünschen.“

          Er spielte in der halben Welt

          Der „Warrior“ aber hat den Kampf längst angenommen. „Ich konzentriere mich hundertprozentig auf den Krebs“, fügt Okulaja hinzu, „genauso wie ich mich früher auf den Basketball konzentriert habe.“ Was auch bedeutet: Okulaja ist auf große Distanz gegangen zu jenem Sport, in dem er lange als der einzige deutsche Spieler neben Nowitzki galt, dem man es zutraute, in der amerikanischen Profiliga NBA Fuß zu fassen.

          Nach seinem Examen an der University of Carolina in den Fächern Wirtschaft und Politik hatte sich Okulaja in der NBA beworben. Erfolglos. Als er 2001 ein Angebot von den San Antonio Spurs erhielt, gab es kein Zurück mehr. Okulaja war in Europa schon zu einer Größe gereift, hatte gerade einen Zweijahresvertrag beim FC Barcelona unterschrieben. In der alten Welt standen ihm alle Türen offen: Okulaja spielte in Berlin, Girona, Malaga, Treviso, Valencia - und war 2006 bei Khimki Moskau der erste Deutsche in der aufstrebenden russischen Liga.

          „Komme erst wieder, wenn ich wirklich gesund bin“

          Das wunderbare Leben als Profi hat für ihn an Bedeutung verloren. Nicht dass Okulaja mit Frustration zurückblicken würde. „Ich habe überhaupt keine bösen Gefühle, was den Basketball betrifft. „ Andernfalls wäre er am vergangenen Samstag kaum beim Allstar-Day in Mannheim aufgetaucht, hätte wohl kaum als Co-Kommentator beim dröhnend lauten Spektakel des Dunking-Wettbewerbes zum Mikrofon gegriffen. „Ich bin ein lustiger Typ, ich lache gerne“, sagt Okulaja, „das hat sich durch meine Krankheit nicht geändert.“ Im Gegenteil. Okulaja packt weiter zu. Bei einer Spendenaktion in Mannheim hat er 2000 Euro im Rahmen der Aktion „Kinderleben“ für krebskranke Kinder gesammelt.

          Kraft tankt der neben Nowitzki spektakulärste deutsche Spieler der vergangenen zehn Jahre zu Hause bei der Familie, seiner Frau und den beiden kleinen Jungs, achtzehn und drei Monate alt. Er wird sie brauchen für die dritte Phase der Chemotherapie, obwohl die Prognose der Ärzte positiv zu sein scheint. „Die kleineren Herde haben sich nicht vergrößert . Und an der Stelle, an der der Primär-Tumor war, ist auch nichts mehr gewachsen.“ Der wichtigsten Herausforderung seines Lebens scheint er gewachsen. „Ich will gesund werden“, sagte er in Mannheim, „und ob das im nächsten Mai oder im Mai 2010 sein wird, ist egal.“ Erst dann will er über eine Rückkehr als Basketballprofi entscheiden: „Ich komme erst wieder, wenn ich wirklich gesund bin, wirklich Leistung bringen kann.“ Er sagt es so entschlossen, dass man die Kraft spürt: Der Krieger kämpft.

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