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Streit um Sun Yang : „Wir haben eine Redefreiheit“

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„Wenn du kein Foto machen willst, dann gehst du nicht mit aufs Foto“: Adam Peaty. Bild: AFP

Der Ärger um Sun Yang bei der WM geht weiter. Schwimmstar Adam Peaty kritisiert die Verwarnungen für die Protestler. Derweil qualifiziert sich eine deutsche Staffel für Olympia. Und die Wasserballer verlieren knapp.

          Großbritanniens Schwimmstar Adam Peaty hat den Weltverband Fina für die Verwarnungen gegen die Sun-Yang-Protestler Mack Horton und Duncan Scott kritisiert. „Ich stehe komplett hinter den beiden, denn es war richtig“, sagte der Olympiasieger am Donnerstag: „Es sollte dafür überhaupt keine Verwarnungen geben, wir haben eine Redefreiheit. Und wenn du nicht aufs Podest willst, dann gehst du nicht aufs Podest. Wenn du kein Foto machen willst, dann gehst du nicht mit aufs Foto. Jetzt wirst du gezwungen, es zu tun.“

          Der Australier Horton und der Brite Scott hatten nach den WM-Siegen des dopingvorbelasteten Chinesen Sun Yang über 400 und 200 Meter Freistil jeweils den Handschlag und das gemeinsame Foto auf dem Podium verweigert. Dafür hatten beide Athleten eine Verwarnung bekommen, die gleiche Strafe erhielt auch Sun wegen seiner Drohgebärde in Richtung von Scott. Peaty betonte, dass die Athleten mit ihren Protesten und den nicht zu überhörenden Buhrufen auf der Tribüne niemanden im Speziellen und nicht die Fina attackieren wollen, „aber die Athleten stehen auf und haben eine Stimme, und es fängt an, dass ihnen zugehört wird“.

          Der sechsmalige Weltmeister hatte schon im Vorfeld der WM mit klaren Worten sein Unverständnis zum Ausdruck gebracht, dass Sun, dem wegen einer womöglich von einem Gefolgsmann mit dem Hammer zerstörten Probe eine nachträgliche Sperre droht, in Gwangju teilnehmen darf. „Ich will nicht sehen, dass dieser Typ gegen meine Teamkollegen antritt, die extrem hart arbeiten, um hier zu sein“, hatte er gesagt: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch kein anderer will.“

          Die deutsche Freistil-Staffel der Frauen über 4 x 200 Meter hat derweil bei der Schwimm-WM das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio gelöst. Reva Foos, Isabel Gose, Marie Pietruschka und Annika Bruhn schlugen am Donnerstag in Südkorea nach 7:54,30 Minuten an und qualifizierten sich damit als fünftschnellste Staffel der Vorläufe auch für das Finale am Nachmittag (ab 13.00 Uhr MESZ). „Es war ein cooles Rennen“, sagte Gose. Auch Brustschwimmer Marco Koch konnte zufrieden sein. Der Weltmeister von 2015 erreichte als Dritter der Vorläufe über 200 Meter souverän das Halbfinale.

          „Es hat sich ganz gut angefühlt“, sagte Koch nach seinem ersten WM-Auftritt in Gwangju. „Ich denke, ein bisschen Luft habe ich noch nach oben.“ Für das Halbfinale gab er die Devise aus, „einfach weiterkommen“. Und sollte es fürs Finale reichen: „Falls es weitergeht, dann hoffentlich ne Medaille“, sagte Koch und verbesserte sich sogleich: „Äh, nicht Medaille...Bestzeit“.

          Koch trainiert nach den Plänen des früheren Chefbundestrainers Henning Lambertz, der im Dezember auch wegen Differenzen mit dem Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Thomas Kurschilgen, zurückgetreten war. „Der Wechsel zu Henning hat mir echt gut getan“, sagte Koch. Zwar sei noch nicht alles optimal. „Aber es geht in die richtige Richtung. Wir müssen unseren Weg weitergehen, dann wird es richtig gut nächstes Jahr.“ Der zweite deutsche Starter über 200 Meter Brust, Maximilian Pilger, schied als 23. aus. Christian Diener kam über 200 Meter Rücken in 1:57,61 Minuten als Achter ins Halbfinale. Das Staffel-Quartett freute sich auf das Finale. „Ich denke, wir können uns alle heute Nachmittag nochmal individuell steigern und dann kommt als Team eine gute Leistung dabei raus“, sagte Schlussschwimmerin Bruhn.

          Wasserballer verlieren gegen Olympiasieger

          Derweil befürchtet der DSV nach einer Nachfrage des Weltverbandes Fina zu einer Wettkampfdopingkontrolle bei den Wasserballern keine Konsequenzen. „Wir haben gestern Abend eine routinemäßige Nachfrage der Fina zu den Angaben unseres Mannschaftsarztes der Wasserballer im Rahmen einer Wettkampfdopingkontrolle auf dem Doping-Testprotokoll eines Spielers erhalten“, wird Kurschilgen in einem DSV-Statement zitiert. „Diese haben wir gestern umgehend schriftlich beantwortet. Die Fina hat daraufhin dem DSV gegenüber schriftlich bestätigt, dass in vollkommener Übereinstimmung mit den bestehenden Regularien (Nada, Wada, Fina) gehandelt wurde.“ Das Thema sei damit vom Tisch, sagte DSV-Sprecher Roman Mölling. Um welchen Spieler es sich handelte, gab der DSV nicht bekannt.

          Die deutschen Wasserballer verloren unterdessen nach einer sehr starken Leistung erst im Fünfmeterwerfen gegen den Olympiasieger. Die Mannschaft von Bundestrainer Hagen Stamm unterlag in ihrem ersten Plazierungsspiel nach dem Viertelfinal-Aus 16:17 (3:3, 3:3, 3:2, 3:4, 4:5) gegen Serbien. Beste Torschützen in der regulären Spielzeit im abermals sehr forsch auftretenden Stamm-Team waren Timo van der Bosch, Maurice Jüngling und Dennis Eidner mit je zwei Treffern. Im Fünfmeterwerfen scheiterte Lucas Gielen am serbischen Torwart. Am Samstag entscheidet sich in einer weiteren Partie (7.00 Uhr MESZ) nun, ob Deutschland die Weltmeisterschaft auf Rang sieben oder acht abschließt.

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