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Abgeschmettert : Anspruch und Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Es hat nicht gereicht: deutsche Volleyball-Männer bei der EM Bild: dpa

An Selbstbewusstsein mangelt es den deutschen Volleyball-Männern nicht. Doch ihre EM-Darbietung macht wenig Mut für die Olympia-Qualifikation. Vielversprechender erscheint das Auftreten der Frauen.

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          Die Ergebnisse ähneln sich, aber die Erkenntnisse sind sehr unterschiedlich. Nachdem Deutschlands Volleyballfrauen im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Polen ausgeschieden waren, traten sie traurig, aber doch stolz die Heimreise an. Das junge Team von Bundestrainer Felix Koslowski hatte zuvor all seine sechs EM-Spiele gewonnen. Und auch wenn es dann beim 2:3 gegen den Gastgeber nicht reichte, machten ihre Auftritte Mut.

          Knapp drei Wochen später sind nun auch die deutschen Volleyball-Männer im EM-Viertelfinale an Polen gescheitert. Sie unterlagen 0:3 gegen das Team ihres ehemaligen Erfolgstrainers Vital Heynen. Und auch wenn das Aus gegen den Weltmeister keine Schande darstellte und die Team-Leistung zumindest bei diesem letzten Spiel stimmte, bleibt nach dem Turnier das fahle Gefühl des Scheiterns zurück – was wenig Hoffnung für die anstehende Olympia-Qualifikation verheißt.

          Vor allem die Fallhöhe zwischen Anspruch und Wirklichkeit lässt daran zweifeln, ob die Generation um Zuspieler Lukas Kampa und Angreifer Georg Grozer tatsächlich noch in der Lage ist, ihre gemeinsame Reise bis Tokio 2020 weiterzuführen, auf die sie Bundestrainer Andrea Giani einschwören wollte. Um sich für Olympia zu qualifizieren, müssen sie Anfang Januar in Berlin unter acht europäischen Top-Nationen den ersten Platz belegen – also doch noch so etwas wie Europameister werden. Nur Italien, Russland und Polen fehlen bei diesem Turnier, weil sie schon qualifiziert sind.

          Versprüht positive Energie: Louisa Lippmann
          Versprüht positive Energie: Louisa Lippmann : Bild: Picture-Alliance

          Für die deutschen Männer spricht neben dem Heimvorteil immerhin das durchaus vorhandene Selbstbewusstsein. Vor der EM hatte Kapitän Kampa mindestens eine Medaille angepeilt, weil kleinere Ziele in seinem Alter, Anfang 30, keinen Sinn mehr machten. Sie hatten 2017 EM-Silber gewonnen, eine Wiederholung schien begründet. Doch damals überraschten sie die Elite als Team der Hungrigen. Ein Effekt, der schon vor der WM 2018 verpufft war, als die Qualifikation verpasst wurde.

          Bei der Nations League 2019 sprang dann nur der 14. Platz unter 16 Nationen heraus. Dass dieses weltumspannende Turnier von den Deutschen mit reduziertem Personal angegangen wurde und Spitzenkräften wie Grozer Spielpausen gegönnt wurden, mag als Erklärung dienen, scheint aber auch Teil des Problems zu sein. Weil der 34-Jährige gehandicapt ins EM-Turnier ging, konnte Grozer auch dort weniger Wirkung als gewohnt entfalten. Doch jüngere Teamkollegen füllten gegen schwächere Gegner nicht wie erhofft die Lücken.

          Während die Olympia-Qualifikation für die aufstrebenden deutschen Frauen, die ebenfalls im Januar ansteht, nun die Chance darstellt, nach dem Aufschwung bei der EM zu weiterer Blüte heranzureifen, stellt sie für die alternden Männer nach dem Abschwung bei der EM die letzte Chance dar, ihre Spielzeit zu verlängern. Olympia 2016 hatten sie übrigens knapp verpasst – wegen einer als traumatisch empfundenen Niederlage im entscheidenden Spiel gegen Polen.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

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