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9. Etappe : Jens Voigt im Gelben Trikot

  • Aktualisiert am

Strahlender Sieger: Jens Voigt im „Maillot Jaune” Bild: AP

Mit einer Flucht über 150 Kilometer hat Jens Voigt als erster Deutscher seit Erik Zabel 2002 das Gelbe Trikot erobert. Als Etappendritter des neunten Teilstücks nahm der 33jährige Berliner dem Tour-Dauersieger Lance Armstrong die Gesamtführung ab.

          Eine grandiose Energieleistung hat dem Berliner Jens Voigt zum zweiten Mal nach 2001 das Gelbe Trikot gebracht, das muntere T-Mobile-Team verscheuchte aufkommende Langeweile: Deutsche Radprofis bestimmten am zweiten Wochenende der 92. Tour de France die Szenerie.

          Auf der 9. Etappe von Gerardmer nach Mulhouse über 171 Kilometer und sechs Bergwertungen schlug die Stunde des Berliner Profis vom dänischen CSC-Team. Der 33jährige Voigt rettete sich mit dem Franzosen Christophe Moreau 2:57 Minuten vor dem Hauptfeld mit Lance Armstrong ins Ziel und zwang den Rekordsieger aus Texas zum Trikotwechsel. Der Amerikaner liegt als Dritter nun 2:18 Minuten hinter Voigt, der sich als erster Deutscher seit dem diesmal von seinem Team nicht berücksichtigten Erik Zabel 2002 Gelb überstreifte. Den Etappensieg feierte der Träger des Bergtrikots, Mickael Rasmussen (Dänemark), der eine Solofahrt über 167 Kilometer erfolgreich abschloß (Siehe auch: Tour 2005: Etappen, Ergebnisse, Live-Ticker).

          „Jens hat alles richtig gemacht“

          Voigt, am Start mit nur einer Minute Rückstand auf Armstrong in Lauerstellung, und Moreau rollten 3:04 Minuten hinter ihm ins Ziel. Nach einem Defekt 20 Kilometer vor dem Ziel hatte sein früherer Team-Kollege bei Crédit Agricole auf Voigt gewartet. Für Moreaus Fairneß bedankte sich Voigt ausdrücklich. Der Trikotverlust tat Armstrong indes einen Tag vor dem ersten von zwei Ruhetagen nicht weh. Nach der ersten Alpen-Etappe am Dienstag nach Courchevel dürfte wieder neu gerechnet werden. „Heute mußte man früh wegfahren - Jens hat alles richtig gemacht. Wir genießen morgen den Ruhetag in Gelb, danach sehen wir weiter. Wir haben andere Ambitionen als vier Fahrer in den Top Ten. Wir wollen mit Basso in Paris aufs Podium“, sagte Voigts-Teamchef Bjarne Riis, beim damaligen Telekom-Team 1996 Ullrichs Vorgänger als Toursieger.

          Strahlender Sieger: Jens Voigt im „Maillot Jaune” Bilderstrecke

          Die zweite Attacke von Voigt am Sonntag saß. Auf der Steigung zum Col des Feignes in den Vogesen konnte sich der mit bisher acht Saisonerfolgen erfolgreichste deutsche Radprofi absetzen. „Jetzt habe ich gezeigt, der alte Wolf hat doch noch Zähne. es hatte ja schon geheißen: Der Voigt attackiert ja gar nicht mehr“, freute sich der vierfache Vater. Sein erstes Tour-Hoch hatte er 2001 erreicht, als er die Etappe in Serran gewann und in Colmar, unweit des Ziels vom Sonntag, das Gelbe Trikot für einen Tag überziehen konnte. Als Moreau und Voigt, der beim Frühjahrs-Klassiker Lüttich- Bastogne-Lüttich eine ähnlich imposante Flucht inszeniert hatte, auf der Verfolgung Rasmussens den Ballon d'Alsace hoch stürmten, standen so viele Menschen Spalier wie sonst nur in L'Alpe d'Huez.

          Zuschauer-Magnet

          Auch an den Vortagen in Deutschland war die Tour der große Zuschauer-Magnet und die Zahl der Fans berührte die Millionen-Grenze. T-Mobile hatte die Frankreich-Rundfahrt am Samstag wieder interessant gemacht. Zum ersten Mal ging die angekündigte Dreier-Taktik auf. Auf dem eigentlich harmlosen Anstieg zum Col de la Schlucht hatte zuerst Alexander Winokurow attackiert und Armstrong reagierte. Dann folgte der Antritt von Andreas Klöden, den der Titelverteidiger, inzwischen ohne einen Team-Begleiter unterwegs, unbeantwortet ließ. Der Vorjahres-Zweite kam zusammen mit dem im Ziel in Gerardmer um neun Millimeter besseren Tagessieger Peter Weening (Niederlande) 27 Sekunden vor der Armstrong-Gruppe ins Ziel.

          Armstrong stocksauer

          In dessen Windschatten hatte Jan Ullrich, der sich am Sonntag bei einem Sturz auf der Abfahrt vom Col de Grosse Pierre Schürfwunden am Oberschenkel und Prellungen zuzog, alles unter Kontrolle (siehe auch: ). „Es ist gelaufen, wie wir das wollten“, freute sich Teamchef Mario Kummer nach der taktischen Meisterleistung am Col de la Schlucht, die Armstrongs Thron etwas ins Wanken gebracht und der versammelten Konkurrenz Mut gemacht hatte. Armstrong war über das plötzliche Verschwinden seiner Helfer im irrsinnigen Tempo den Berg hinauf stocksauer. Nach der Etappe kündigte er ernste Worte abends im Hotel an. Offensichtlich wurde die Standpauke gehört: Am Sonntag bestimmte das Discovery-Team das Geschehen auf der knapp zehn Kilometer langen Schlußsteigung 56 Kilometer vor dem Ziel wieder souverän.

          „Wenn das 14 Tage so weiter geht, wird es sehr schwer für mich, die Tour zu gewinnen“, hatte Armstrong am Vorabend geklagt. Seit seinem ersten Toursieg 1999 habe er sich an keinen vergleichbaren Tag erinnern können, an dem er an einer Steigung so alleine gelassen wurde. „Alarm für Armstrong“ titelte die „L'Equipe“.

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