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800-Meter-Läufer Reuther : „Das renne ich jetzt im Schlaf“

  • -Aktualisiert am

Bestzeit: Marc Reuther lässt aufhorchen. Bild: Ja

Lange Zeit hatte Marc Reuther mehr mit sich als den 800 Metern zu kämpfen. Nun läuft es besser denn je. Der Mittelstreckenläufer hat zu sich gefunden.

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          Es sind ganz neue Töne, die Marc Reuther anschlägt. Solche, die man bisher nicht hörte von einem Athleten, der wichtige Rennen oft zu verkrampft anging. Der aus jeder Einheit, die er absolvierte, stets das Maximum herausholen wollte und sich dabei, wie er heute meint, verrannte. „Jeder, der vorne mit an der Spitze ist, kann laufen“, sagt der 800-Meter-Spezialist. Entscheidend für den Erfolg sei jedoch, „ob man glücklich ist“. Ob der Frohsinn einen zusätzlich antreibt. Ob der Kopf von zu viel Last befreit bleibt.

          Anfang des Monats hatte Reuther diese neue Leichtigkeit gespürt. Beim Hallenmeeting in Erfurt war der 23-Jährige von der LG Eintracht Frankfurt zum ersten Mal in dieser Saison auf die Bahn gegangen. Als er sie wieder verließ, zeigte die Uhr eine Siegerzeit von 1:45,39 Minuten für den deutschen Freiluft-Meister an. Das war bis dahin die Weltjahresbestmarke und bedeutete zugleich den zweiten Platz in der ewigen deutschen Rekordliste hinter dem Berliner Nico Motchebon. Innerhalb von sechs Tagen blieb der Überraschungsmann noch zweimal deutlich unter 1:47 Minuten. „Das renne ich jetzt im Schlaf“, sagt er übermütig.

          „Startschuss für Persönlichkeitsveränderung“

          Vier Monate zuvor steckte der gebürtige Düsseldorfer tief in der Krise. Nach den Weltmeisterschaften in Doha, bei denen er wie schon 2017 in London im Vorlauf deutlich gescheitert war, empfand er keine Leidenschaft für den Mittelstreckenlauf. Der Dritte der U-23-Europameisterschaften 2017 wollte sich nicht mehr quälen, den hohen Aufwand nicht mehr betreiben, der mit einer Karriere im Spitzensport verbunden ist. Gemeinsam mit seinem Trainer Georg Schmidt suchte er nach einer Lösung für das Problem zu finden. Nachdem der „Drive“ weiter ausblieb, entschloss sich Reuther, einen neuen Weg zu gehen.

          Acht Jahre hatte er bei dem Mittelstrecken-Bundestrainer geübt. So lange, wie der ehemalige Fußballspieler seine Laufschuhe schnürt. Aber so eine Beziehung, das war Reuther bewusst, „ist keine fürs Leben“. In einem anderen Umfeld, lautete sein Entschluss, wollte er sich nicht nur in sportlicher Hinsicht weiterentwickeln. Er suchte einen „Startschuss für eine Persönlichkeitsveränderung“, wollte weg von der Härte, die er sich stets abverlangt hatte, um so sein Potential auszuschöpfen. Sein Vater hatte ihn dazu angeregt, „keinen Stein mehr auf dem anderen zu lassen“. In Leipzig, in der Gruppe des Leitenden Bundestrainers Thomas Dreißigacker, der auch sein Kumpel und Konkurrent Robert Farken angehört, sah er die Chance dazu. Im Dezember absolvierte er eine Probezeit, dann stand für ihn fest, dass er das Gesuchte gefunden hatte.

          Üben ohne Schnickschnack

          Sein Training wurde nicht neu erfunden. Details änderten sich. In den Plänen ist vermerkt, welche Einheiten in der Woche die wirklich wichtigen sind. In diesen Vollgas zu geben, darauf liegt das Augenmerk. Reuther schätzt diese klare Ansage, das Üben „ohne Schnickschnack“. Früher habe er sich manchmal darin verloren, sich jede Kleinigkeit zu Herzen zu nehmen. „Ich bin ein Sensibelchen“, sagt der Freund von Sprinterin Lisa Mayer selbstkritisch.

          Der Student der Wirtschaftswissenschaften füllt jeden Morgen einen Bogen aus, in dem er angibt, wie er sich gerade fühlt. Danach wird die Belastung des Tages abgestimmt. Vorgaben, die der ehemalige Perfektionist nicht mehr in Zweifel zieht. „Ich habe gelernt, Vertrauen zu schenken.“ Auch das entspanne. In der neuen Einstellung, zu der seit November der Psychologe Henning Thrien seinen Anteil leistet, sieht Reuther das Geheimnis seines guten Saisoneinstiegs. Nur zu 30 oder 40 Prozent hätten ihn die neuen Trainingsreize angetrieben, den Rest schiebt er auf den Kopf.

          Das Perspektivkadermitglied ist sich sicher: „Erfurt war noch nicht das Ende der Fahnenstange.“ Die Saison geht für ihn noch bis zu den deutschen Meisterschaften am 22./23 Februar in Leipzig. Davor steht am 19. ein Start in Frankreich an. Zwei Chancen gibt es damit noch, den neuen, lachenden Marc Reuther unter dem Hallendach zu erleben. Dann hebt das Flugzeug zum ersten Trainingslager für die Olympiavorbereitung Richtung Südafrika ab.

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