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26:36 gegen Frankreich : Deutschland fehlen Kraft und Wille für EM-Bronze

  • -Aktualisiert am

Es hat nicht sein sollen: Heiner Brand und Henning Fritz (r.) beenden die EM als Vierter Bild: AP

Trainer Heiner Brand erkannte seine Weltmeister nicht wieder: Die deutschen Handballer beenden die EM mit 26:36 gegen Frankreich und Platz vier. Für Olympia werden personelle Alternativen gesucht - doch viel gibt das Reservoir nicht her.

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          Zum Schluss war Heiner Brand doch noch verärgert. Was Wunder auch, hatte sich die deutsche Nationalmannschaft bei ihrer Abschiedsvorstellung in Norwegen doch fast ohne Gegenwehr von Frankreich überrennen lassen. „Das kann ich nicht akzeptieren“, lamentierte der Bundestrainer nach der 26:36-Niederlage gegen die Franzosen. Der Weltmeister verpasste damit am Sonntag Platz drei bei der Europameisterschaft, doch schlimmer noch war für Brand dies: der fehlende Wille bei dem einen oder anderen Spieler, sich gegen das Debakel zu stemmen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          „Das geht einfach nicht“, klagte Brand. Kapitän Markus Baur urteilte ähnlich harsch, er sprach gar von einer Katastrophe. Er selbst war, nachdem er mit dem linken Fuß umgeknickt war, bereits nach zwölf Minuten ausgeschieden. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Deutschen 2:10 zurück. „Nach zehn Minuten war erledigt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagte Baur.

          „Das hat nichts mit Können zu tun, das ist Glückssache“

          Als Brand tags zuvor in Lillehammer auf dem Podium gesessen hatte, ging sein Blick ebenfalls schon bisweilen ins Leere. Er redete von seiner Enttäuschung und auch von seinem Schmerz, und wer wollte ihm das verübeln nach dem nervenaufreibenden Halbfinale. Der letzte Wurf der Dänen, ausgeführt von Lars Christiansen, hatte dieses spannungsgeladene Duell zugunsten der Skandinavier entschieden - exakt drei Sekunden vor dem Spielende traf Christiansen per Siebenmeter zum 26:25. „Das hat nichts mit Können zu tun, das ist Glückssache“, sagte Oliver Roggisch, der sich wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade mit der Zuschauerrolle hatte abfinden müssen.

          Es hat nicht sein sollen: Heiner Brand und Henning Fritz (r.) beenden die EM als Vierter Bilderstrecke

          Die Deutschen hatten gegen die Dänen noch beträchtliche Qualitäten offenbart, sie hatten sogar 12:7 geführt, und sie schienen die Kontrolle auch über diesen Gegner zu gewinnen. Doch letztlich mangelte es doch ein wenig an Konzentration und auch an Kraft, um diese Hürde zu meistern. Mancher hatte auch den Anstrengungen der vergangenen Tage Tribut zollen müssen. Bei Florian Kehrmann beispielsweise war dies so, der Rechtsaußen aus Lemgo musste schließlich - da seine Muskeln ihm den Dienst versagten - das Feld räumen. Am Sonntag stand Kehrmann - ebenso wie Kreisläufer Sebastian Preiß - gar nicht mehr zur Verfügung.

          „Bereitschaft über alle Hindernisse hinwegzugehen“

          Trotz einiger Handicaps zumindest in das Halbfinale vorgestoßen zu sein, wertete Brand dann doch als Erfolg für den Weltmeister. Das Team, hatte der Gummersbacher am Samstag noch behauptet, habe sich blendend geschlagen. Da pries Brand besonders die Bereitschaft seiner Gefolgsleute, „über alle Hindernisse hinwegzugehen“. Beim ersten Auftritt in Bergen, nach drei Minuten und 57 Sekunden, war ja schon Oleg Velyky ausgefallen, in den die Deutschen große Erwartungen gesetzt hatten.

          Mit dem gebürtigen Ukrainer wäre der deutsche Rückraum wohl schlagkräftiger und kreativer gewesen. Velyky hatte zwar auch bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr gefehlt, damals hatten die Deutschen dieses Manko aber ausgleichen können, da ihre offensiven Stützen eine große Konstanz bewiesen. Die Strategen Baur und Michael Kraus trumpften ebenso auf wie die Rückraumschützen Pascal Hens oder Holger Glandorf - diesmal hingegen zeigten sie wechselhafte Leistungen.

          „Im Angriff haben wir ein bisschen Nachholbedarf“

          So betrachtet Brand es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, diese Sparte zu stärken. „Im Angriff“, sagte der Bundestrainer, „haben wir ein bisschen Nachholbedarf.“ Kapitän Baur glaubt, dass dies nicht allein eine deutsche Sorge sei. „Wer“, fragte er in Norwegen, „hat hier Superangriffshandball gezeigt?“ Tatsächlich trumpften eher die Verteidiger und die Torhüter auf. Das galt - der Sonntag war eine Ausnahme - auch für die Deutschen.

          Brand sucht gleichwohl speziell für den linken Rückraum frische Kräfte. Er möchte eine Alternative zu Hens haben, zumindest einen Spieler, der den Hamburger von Fall zu Fall entlasten kann. Lars Kaufmann war dazu bisher kaum imstande; nun hofft der Bundestrainer, dass Kaufmann beim TBV Lemgo unter dem Trainer Baur spielerische Fortschritte erzielen möge.

          „Sie ist in der Pflicht, diese Spieler zu produzieren“

          Zwar kündigte Brand in Lillehammer an, dass er den Konkurrenzkampf in seinem Team hochhalten wolle, dass auch eine überzeugende Darbietung noch kein Freibrief für die Olympischen Spiele in Peking sei. Für Olympia sind lediglich 14 Plätze zu vergeben. Vermutlich aber wird sich das Gesicht des Weltmeisters nicht wesentlich ändern, auch wenn Brand demnächst den einen oder anderen neuen Kandidaten testen wird.

          Das Reservoir an Spielern, die für Belebung im deutschen Team sorgen könnten, ist schließlich begrenzt. Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), wünschte sich, dass Brand seinen Kader wenigstens um drei oder vier Vertreter „der jungen Garde“ erweitern könnte. Bredemeier appellierte in Norwegen an die Bundesliga, den Handball-Lehrer Brand zu unterstützen. „Sie ist in der Pflicht“, sagte er, „diese Spieler zu produzieren.“

          Das EM-Turnier als deutscher Stabilisierungseffekt

          Ob mit Velyky nach seinem Kreuzbandriss bei Olympia wieder zu rechnen sein wird, ist fraglich. Ein anderer Mann mit Erfahrung, Frank von Behren, kann nach seinen beiden Einsätzen in Norwegen mit weiteren Berufungen kalkulieren. Der Mindener, der kurzfristig Roggisch ersetzt hatte, ist imstande, der Deckung Halt zu verleihen.

          Manchmal sind aber auch bei den Deutschen, zu sehen am Sonntag, Tür und Tor offen. Am Samstag hatte Brand davon gesprochen, dass in Norwegen „unsere Arbeit“ bestätigt worden sei. Er bezeichnete die EM als ein Turnier mit Stabilisierungseffekt. Tags darauf musste er von dieser Einschätzung zwar nicht grundsätzlich abrücken. Aber die Weltmeister verlassen Norwegen doch auch mit einem Makel.

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