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24 Stunden von Le Mans : Rennen der Ungewissheit

  • -Aktualisiert am

Porsche ist zurück in Le Mans Bild: AFP

Rekordhalter Porsche kehrt zurück nach Le Mans und will gleich wieder um den Sieg mitfahren. Doch vor dem Start des Klassikers der Langstreckenrennen (Samstag,15 Uhr), gab es so viele Unfälle wie lange nicht mehr.

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          Keine 100 Meter von der Zielgeraden entfernt, hinter der Boxengasse, liegen zwei stämmige Briten im Gras. Sie haben unter einem Baum Schutz gesucht, erholen ihre sonnenverbrannten Gesichter von der Mittagshitze in Le Mans. Gleich wollen sie weiter, zum Zelt von Toyota, „die sind so stark, die wollen wir uns näher ansehen“, sagen sie. Bei Toyota steht Alexander Wurz, der Österreicher, der 1996 als jüngster Fahrer die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat und der in diesem Jahr bei seinem achten Start im berühmtesten Langstreckenrennen der Welt das Team von Toyota erstmals zum Sieg führen will. Wurz sagt: „Wenn das so heiß bleibt, ist die Fitness in diesem Rennen dramatisch wichtig.“ Gut, dass er fit sei, sagt er dann und lacht. Mit seinen Teamkollegen Stephane Sarrazin und Kazuki Nakajima ist er am Donnerstagabend auf die Pole-Position gefahren, ein erster Erfolg im Dreikampf um den Sieg, den Toyota mit Audi und Porsche führt.

          Rekordhalter Porsche kehrt zurück

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Porsche und Audi. Auch wenn Toyota führt, sind das die zwei Marken, die den Takt für das Wochenende in Le Mans bestimmen. Porsche als Rekordhalter mit 16 Siegen, der nach 16 Jahren Pause wieder zurückgekehrt ist an die Sarthe, den Fluss, an dem der 13,6 Kilometer lange Rundkurs liegt, der jedes Jahr 250.000 Autofans nach Frankreich lockt. Wie wird sich der alte Neuling schlagen? Fällt er früh aus, fährt er durch, oder gewinnt das Team am Ende noch? Es ist das bestimmende Diskussionsthema in vielen Zelten neben der Strecke, und auch die beiden Briten glauben, dass man mit den Teams um den ehemaligen Formel-1-Fahrer Mark Webber rechnen muss. Porsche selbst stapelt tief, auch wenn der 919 Hybrid schnell ist. Erst einmal ankommen im ersten Jahr, heißt die Devise.

          Audi ist der dominante Hersteller der vergangenen Jahre, seit dem Jahr 2000 konnte er fast jedes Jahr gewinnen. Diesmal fuhren die drei Teams in der Qualifikation nur auf die Plätze fünf bis sieben. Man habe noch nicht alles gezeigt, heißt es bei Audi – und man konnte auch noch nicht alles zeigen. Denn eine gelbe Flagge 15 Minuten vor Schluss sorgte dafür, dass es kein packendes Finale um die schnellste Runde gab und Toyota mit der Bestzeit von Nakajima auf die Pole fahren konnte.

          Auch der amerikanische Schauspieler Patrick Dempsey geht in Le Mans an den Start
          Auch der amerikanische Schauspieler Patrick Dempsey geht in Le Mans an den Start : Bild: AP

          Doch auch wenn alle über Porsche und Audi reden, stehen die Chancen für Toyota nicht schlecht, in diesem Jahr das schnellste Team zu stellen. Obwohl die Pole-Position wohl bei keinem Rennen der Welt so unwichtig ist wie bei den 24 Stunden von Le Mans, wo es auf Konstanz und Konzentration über einen langen Zeitraum ankommt, darauf, wessen Auto die beste und ausdauerndste Technik hat und wer mit dem hohen Tempo auch in der Nacht am besten zurechtkommt.

          Wenn der Zufall mitspielt

          „Vielleicht lässt uns Le Mans in diesem Jahr gewinnen“, sagt Wurz, und das klingt schon sehr danach, als ob Fahrer und Team wenig Einfluss auf den Ablauf des Rennens hätten. Und irgendwie stimmt das auch: Denn selbst wenn die Fahrer topfit und konzentriert sind, die Reifen, die Lenkung, die Technik und die Bremsen die hohe Belastung über 24 Stunden aushalten, gibt es immer noch den Zufall, den niemand kontrollieren kann – und die Amateurfahrer, die in der langsameren, aber dennoch sehr schnellen GTE-Klasse dem Zufall schnell nachhelfen können.

          Hingucker: der Porsche 919 Hybrid, gefahren vom Neuseeländer Brendon Hartley
          Hingucker: der Porsche 919 Hybrid, gefahren vom Neuseeländer Brendon Hartley : Bild: AFP

          So gab es im Training und im Qualifying so viele Unfälle wie lange nicht, meistens mit Beteiligung der Amateurfahrer – auch wenn der schlimme Crash von Audi-Pilot Loic Duval bislang für den größten Schreck sorgte. Duval fiel aus, konnte das Krankenhaus aber schon nach einer Nacht wieder verlassen. „So viele Unfälle habe ich noch nie erlebt“, sagt der Le-Mans-Veteran Wurz. Wenn das Rennen an diesem Samstag um 15 Uhr startet, hoffen alle Teams darauf, dass es bei diesem Crash bleiben wird. So etwas wie im vergangenen Jahr möchte hier niemand mehr erleben. Da starb der Däne Allan Simonsen nach einem Crash mit seinem Aston Martin in der Tertre Rouge, der roten Anhöhe.

          Die Angst vor einem Crash

          Die beiden Briten waren auch dabei im vergangenen Jahr, als Simonsen in Le Mans ums Leben kam. Die Bilder zeigte die Livekamera damals nicht. Keiner hatte die Bilder gesehen, und doch wusste jeder, was passiert war. Auf ihrem Zeltplatz sei es danach für „einige Stunden“ ziemlich ruhig gewesen. Doch das Rennen ging weiter, und die Stimmung kam irgendwann auch wieder in Fahrt. In diesem Jahr will keiner der Fans mehr über den tödlichen Unfall im Vorjahr sprechen. Sie freuen sich lieber auf das, was kommt. „Autorennen ist ein gefährlicher Sport, natürlich“, sagt der eine der Briten und zieht seine Mütze tief ins Gesicht. „Doch wir kommen seit elf Jahren hierher, bis dahin ist nie was Schlimmes passiert. Wir sind ziemlich sicher, dass das jetzt auch so bleibt.“

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