https://www.faz.net/-gtl-9pa1z

Lowry gewinnt British Open : Der irische Liebling

  • -Aktualisiert am

Da ist das Ding: Shane Lowry mit der Siegertrophäe der 148. British Open Bild: dpa

Premierensieg und Partystimmung: Shane Lowry gewinnt sein erstes Major-Turnier. Als er zum letzten Putt zum größten Erfolg seiner Karriere ansetzt, gibt es kein Halten mehr.

          Besser hätte die 148. British Open im Royal Portrush Golf Club in Nordirland nicht enden können. Ein Ire gewann bei der Rückkehr des ältesten Turniers der Welt auf die „Grüne Insel“, ein Heimsieg gleich für zwei Länder. Da spielte es keine Rolle, dass Shane Lowry aus Clara stammt, rund 300 Kilometer südlich von der nordirischen Nordküste gelegen. Dieser Tag war ein Feiertag für alle irischen Sportfreunde, zumal der neue „Champion Golfer of the Year“ mit Brian „Bo“ Martin einen Caddie an seiner Seite hatte, der aus dem zum Vereinigten Königreich gehörende Land im Nordosten der Insel kommt. „Royal Portrush ist einer meiner Lieblingsorte in Irland“, sagte Lowry bei der Siegerehrung und dankte seinem Caddie, seinem langjährigen Coach Neil Manchip, seinem Management-Team und seinen Eltern. Vater Brendan, ein ehemaliger Star im Gaelic Football, einem dem Rugby ähnelnden Spiel, hatte seinen Filius auf den 18 Schlusslöchern bei Wind und zeitweise starkem Regen begleitet. Der Weg über die herrliche Dünenlandschaft dürfte ihn viele Nerven gekostet haben, obwohl der Sieg des 32 Jahre alten Profis eigentlich nie in Gefahr geriet.

          Lowry begann die Runde zwar mit einem Bogey, aber fast über die ganze Schlussrunde hatte der Ire, in der Weltrangliste nur auf Rang 33 geführt, seinen Mitspieler, den Engländer Tommy Fleetwood, sicher im Griff. Am Ende sicherte sich der neue irische Publikumsliebling ganz überlegen den „Claret Jug“, die Rotweinkanne, und 1,935 Millionen Dollar Preisgeld – es war sein erster Sieg bei einem Major-Turnier.

          Der letzte Putt zum größten Erfolg

          Mit vier Schlägen Vorsprung vor Fleetwood war der Ire auf die letzten 18 Löcher gegangen, am Ende hatte er ihn auf sechs erhöht, ein Riesenvorsprung im Profigolf. Lowry siegte mit insgesamt 269 (67+67+63+72) Schlägen, und damit 15 unter Par, vor dem 28 Jahre alten Fleetwood (275/68+67+66+74). Der Amerikaner Tony Finau, dem als Einzigem der letzten Gruppen bei „brutalen Bedingungen“ (Fleetwood) eine Par-Runde von 71 Schlägen gelang, kam mit insgesamt 277 Schlägen auf Platz drei. Der amerikanische Weltranglistenerste Brooks Koepka teilte sich mit 278 Schlägen nach einer Schlussrunde von 74 Schlägen den vierten Platz mit dem 46 Jahre alten Engländer Lee Westwood, der die letzten 18 Löcher in 73 Schlägen absolvierte.

          Die Ergebnisse der Schlussrunde zeigten, welch hartem Test die Besten der Welt an diesem Sonntag unterzogen wurden. Der Wind blies oft mit 40 Kilometern in der Stunde über den Platz, dazu kamen Schauer, zeitweise goss es in Strömen. Koepka begann seine Runde mit vier Bogeys und war damit schnell aus dem Rennen. Der Amerikaner J.B. Holmes, der als Dritter auf die Schlussrunde gegangen war, brach gar vollkommen ein. 87 Schläge warfen ihn bis auf den 67. Platz zurück. „Es war großartig, wie Shane bei diesen Bedingungen den Ball kontrollierte“, sagte Fleetwood, der sich nach den US Open im Vorjahr zum zweiten Mal bei einem Major mit dem zweiten Platz begnügen musste, über den Sieger.

          An diesem Tag drehte sich alles um Lowry, einen Mann, der vor zehn Jahren bei ähnlich schlechtem Wetter als Amateur die Irish Open gewonnen hatte und kurz danach ins Profilager gewechselt war. Vier Mal, zuletzt Ende Januar in Abu Dhabi, hatte er auf der European Tour gewonnen, darunter 2015 auch eine Veranstaltung der World Golf Championship. Am Samstag hatte Lowry bei idealen Bedingungen einen neuen Platzrekord von 63 Schlägen auf dem für dieses Turnier umgebauten Platz aufgestellt.

          Schon danach wurde er lange nach Ende seiner Runde mit Sprechchören wie „There is only one Shane Lowry“ gefeiert, eine Stimmung, die am Sonntag überschwappte. Als Lowry am 18. Loch mit seinem zweiten Schlag den Grünrand erreicht hatte, riss er die Arme hoch, die Fans waren kaum zu halten und stürmten auf den Platz. Immer wieder feierten seine begeisterten irischen Landsleute ihren neuen Helden mit Sprechchören „Olé, Olé“, eine Atmosphäre wie beim Ryder Cup.

          Als er den letzten Putt zum größten Erfolg seiner Karriere versenkt hatte, kam seine Ehefrau Wendy Honner mit der zwei Jahre alten Tochter Iris aufs Grün – und dann rissen sich alle darum, den neuen „Champion Golfer of the Year“ zu herzen. Graeme McDowell, der in seiner Geburtsstadt Portrush auf seinem Heimatplatz weit abgeschlagen auf Rang 57 landete, umarmte den neuen Champion ebenso wie Padraig Harrington, der letzte Ire, der „The Open Championship“, wie das Turnier offiziell heißt, in den Jahren 2007 und 2008 gewonnen hatte und diesmal am Cut gescheitert war. „Es war ein surreales Gefühl, als ich das 18. Loch entlanglief. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich diesen Sieg richtig fassen kann“, sagte Lowry und blickte bei der Siegerpressekonferenz auf den Claret Jug, auf dem am Boden sein Name bereits eingraviert war. Shane Lowry in einer Reihe mit allen Größen dieses Sports, wer hätte das vor Turnierbeginn für möglich gehalten? Wohl nicht einmal Lowry selbst.

          Weitere Themen

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Topmeldungen

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.
          Sommerurlaub verwehrt: Wenn man eine Reise stornieren möchte, kann es auf Internetplattformen Probleme geben.

          Probleme mit Buchungsplattform : Kein Geld zurück

          Plattformen wie Booking.com & Co. nehmen dem Urlauber viel Arbeit ab. Schwierig kann es werden, wenn eine Übernachtung storniert werden soll. Ein Erfahrungsbericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.