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Sensation bei Rugby-WM : Guardiola hilft 1000:1-Außenseiter Japan

So sehen sportliche Helden aus: Japan besiegt völlig überraschend Südafrika bei der Rugby-WM. Bild: Reuters

Es ist die größte Überraschung, die es je bei einer Rugby-WM gab. Der große Außenseiter Japan überrumpelt den zweimaligen Weltmeister Südafrika. Auch Bayern-Trainer Guardiola hat seinen Anteil an diesem Coup.

          2 Min.

          Nicht, dass Pep Guardiola eine Statur hätte, die irgendwie an Rugby erinnern würde. Und doch spielt der Spanier auch im Rugby eine gewisse Rolle – und man könnte sogar sagen, dass er einen Anteil hat an der größten Überraschung, die es jemals bei einer Rugby-Weltmeisterschaft gegeben hat. Der 1000:1-Außenseiter Japan hat nun also bei dem Championat in England die Südafrikaner überrumpelt, die – wie die „All Blacks“ aus Neuseeland – bereits zweimal Weltmeister waren.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          In Brighton aber, bei ihrer WM-Ouvertüre, landeten sie hart auf dem Boden: Japan gewann mit einem Versuch auf den letzten Drücker, der fünf Punkte einbrachte, 34:32 gegen den hohen Favoriten. Und Japan war selbstverständlich aus dem Häuschen nach diesem Coup. „Japan erringt historischen Sieg nach dramatischem Comeback“, schrieb die Zeitung „Sports Hochi“.

          Wer hätte das gedacht? Japan besiegt Südafrika bei der Rugby-WM. Bilderstrecke
          Wer hätte das gedacht? Japan besiegt Südafrika bei der Rugby-WM. :

          Und auch Guardiola, der Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München, dürfte nach dem furiosen Auftritt Japans Genugtuung gespürt haben. Ende 2014 hatte er in München Besuch aus Japan – von dem australischen Rugby-Lehrer Eddie Jones, der die japanische Nationalmannschaft betreut. Jones hatte in der Vorbereitung auf die WM 2015 um Tipps von Guardiola gebeten, und er hatte sie auch bekommen.

          Jones sagte damals zu seinem Ausflug nach Bayern: „Rugby und Fußball sind sich sehr ähnlich. Man versucht, den Ball immer in den freien Raum zu befördern. Und Bayern München und der FC Barcelona haben das phantastischste Passspiel, das man je gesehen hat. Die Grundlagen sind exakt dieselben.“ Jones war in jedem Fall sehr angetan von der Unterstützung Guardiolas und von dessen bayrischen und spanischen Erfahrungen. Der Australier beobachtete den FC Bayern im Trainings-Alltag, „und ich hatte ein tolles Meeting mit dem Cheftrainer“.

          Das japanische Rugbyteam hatte zuvor bei Weltmeisterschaften nur einmal gesiegt. Das war 1991, damals gab es ein 52:8 gegen Simbabwe. 1995 verloren sie in der Vorrunde 17:145 gegen die „All Blacks“; das war die höchste Niederlage, die je ein Team bei einer WM kassiert hat. Nie überstanden die Japaner, die im Zeichen der Kirschblüte antreten, eine WM-Vorrunde.

          Mit Hilfe ausländischer Fachleute machte Japan, das 2019 die nächste WM ausrichtet, aber in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte, was Südafrika nun schmerzlich erlebte. Die Japaner, bei denen der Australier Jones seit dem Jahr 2012 engagiert ist, bauen auf Schnelligkeit, auf Ballsicherheit, und sie wissen sich inzwischen auch im Sturm gut zu schlagen, nicht zuletzt im Gedränge, wo die kräftigsten Kerle beider Teams direkt aufeinanderprallen.

          Mit dieser Mischung gelang das Bravourstück gegen die Südafrikaner. Karne Hesketh machte dabei kurz vor dem Abpfiff aus einem 29:32-Rückstand das 34:32: Er warf sich nach einem Sprint in das Malfeld – ein traumhafter japanischer Moment. Japan setzt einerseits auf das Knowhow von Männern wie Hesketh oder Michael Leitch, die aus Neuseeland stammen.

          Es verfügt jedoch auch über exzellente einheimische Kräfte wie Kicker wie Ayumu Goromaru, der es gegen Südafrika auf insgesamt 24 Punkte brachte, unter anderem mit fünf Straftritten. Guardiola-Bewunderer Jones glaubt allerdings, dass Japan vor allem Kapitän Leitch huldigt: „Jetzt wollen die Kinder zu Hause nicht nur Baseball- oder Fußball-Stars sein, sondern der nächste Michael Leitch.“ Das Ei, so scheint es, erobert nun auch Asien.

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