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100 Jahre NFL : Für Hand und Kopf und ein paar Milliarden Dollar

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Erinnerungen aus den Kindheitstagen: Spielszene aus einer Partie der New York Giants gegen die Green Bay Packers im November 1929 Bild: Picture-Alliance

Die NFL ist mit Blick auf ein Jubiläum in die Saison gestartet: Als im Spätsommer 1920 die American Professional Football Association gegründet wurde, war der Sport von dem milliardenschweren Spektakel heutiger Tage noch weit entfernt. Doch vor allem eine Erfindung sollte das ändern.

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          Es gab ganz bestimmt keinen besseren Kandidaten, um der neuen Liga den Anstrich einer großartigen sportlichen Bestrebung zu geben. Jim Thorpe hatte 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm in der Leichtathletik Goldmedaillen sowohl im Fünfkampf als auch im Zehnkampf gewonnen und war mit einer Konfettiparade in New York gefeiert worden. Denn auch wenn der Triumph in Verruf kam, als ihm die Funktionäre vom Internationalen Olympischen Komitee ein Jahr später die Erfolge wieder aberkannten, weil er gegen das strenge Amateurstatut verstoßen hatte – seiner Reputation als begnadetem, vielseitig begabtem Athleten hatte das keinen Abbruch getan. Und so wurde Thorpe zum Liga-Präsidenten ernannt, als sich im Spätsommer 1920 Eigentümer von Football-Klubs aus den Bundesstaaten Ohio, New York und Illinois trafen, um ihren ambitionierten Plan umzusetzen: die Gründung einer Organisation namens American Professional Football Association.

          Das Geschäft war hart. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit gab es nichts besseres als das Spiel der Studenten, in deren Milieu die Sportart ein paar Jahrzehnte zuvor entstanden war. Zu Spielen strömten damals pro Wochenende mehr als drei Millionen Zuschauer und demonstrierten den Appetit auf Football. Auf eine Mannschaftssportart, die wie keine andere die „Kopfarbeiter“ an den Elite-Universitäten wie Harvard, Yale und Princeton sowie die „Handarbeiter“ an den Hochöfen und in den Bergwerken der Industriestädte in derselben Faszination verband. Dies kommerziell auszuschlachten, war allerdings keine leichte Aufgabe. Trotz jemandem wie Thorpe, der bei den Canton Bulldogs spielte und auf dem Platz jede Woche seine Vielseitigkeit demonstrierte: Obwohl er bereits weit über dreißig war, sprintete er als einer der schnellsten mit dem Ball unterm Arm. Warf sich mit Volldampf in jeden Tackle. Und er schoss in Punt- und Field-Goal-Situationen das Lederei so weit und präzise wie kein anderer. Trotzdem wäre Thorpes Liga wie viele Experimente in den Vereinigten Staaten, professionellen Sport auf die Beine zu stellen, beinahe gleich wieder eingegangen.

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