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Niederlage gegen Frankreich : Deutsches Davis-Cup-Team muss in Relegation

Das deutsche Tennis-Doppel Benjamin Becker und Andre Begemann verlor in drei Sätzen Bild: dpa

Der DTB propagiert Optimismus, dabei streiten die Funktionäre, der Haushalt ist nicht gedeckt – und die Niederlage des Davis-Cup-Team gegen Frankreich steht bereits jetzt fest.

          Marketingabteilungen haben mitunter ja eine sehr eigene Wahrnehmung der Dinge, die um sie herum gerade geschehen. Man ist also durchaus einiges gewohnt. Aber der Inhalt der Mitteilung, die der Deutsche Tennis-Bund kurz vor der Davispokal-Partie gegen Frankreich verschickte, war so weit von der Realität entfernt, dass sie eigentlich nur als Satire durchgehen konnte. Von einer Aufbruchsstimmung beim mitgliederstärksten Tennisverband der Welt war da die Rede – und wer die momentan tatsächlich spürt, muss ausgesprochen feine Antennen haben. Denn in Wahrheit knirscht und kracht es, und auf die Schnelle ist nicht zu erkennen, wie es demnächst, auf welchem Geschäftsfeld auch immer, besser werden könnte.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zumindest sportlich war die Geschichte am Wochenende schnell geklärt. Nachdem Davis-Cup-Debütant Jan Lennard Struff (6:7 6:2, 7:6, 2:6 und 8:10 gegen Gilles Simon) und Philipp Kohlschreiber (4:6, 5:7, 6:7 gegen Gael Monfils) am Freitag ihre Auftakteinzel verloren hatten, fiel die Entscheidung schon durch die Dreisatzniederlage des chancenlosen Doppels Benjamin Becker/Andre Begemann gegen Julien Benneteau und Nicolas Mahut (4:6, 3:6, 2:6). Die Deutschen müssen nun in der Relegation im September versuchen, den Abstieg aus der Weltgruppe zu verhindern.

          Miteinander reden ist schwieriger

          Schlechte Nachrichten aber ist der DTB gewohnt – und meistens produziert er sie ja selbst. Turbulenzen hatte es zuletzt rund um die Trennung von Davis-Cup-Teamchef Carsten Arriens gegeben. Die zunächst kolportierte Begründung, der Trainer habe während der Australian Open in Melbourne das vom neuen Vizepräsidenten Dirk Hordorff anberaumte Versöhnungsgespräch mit dem Spitzenspieler Philipp Kohlschreiber platzen lassen, ließ sich nicht halten und fand sich in der offiziellen Meldung des Verbandes dann auch nicht wieder.

          Vor einem Jahr war es in Frankfurt zum Eklat gekommen, weil sich beim schon feststehenden Sieg über Spanien, als tatsächlich so etwas wie Begeisterung zu spüren gewesen war, am letzten Tag kein Spieler mehr gefunden hatte, der das letzte unbedeutende Abschlusseinzel bestreiten konnte oder wollte. Der dazu per Streichholzziehen auserkorene Kohlschreiber hatte am Morgen ein Attest präsentiert. Die Zuschauer pfiffen Arriens aus, der DTB organisierte Wochen später einen Versöhnungstag für die geprellten Fans, in dessen Vorfeld Arriens und Kohlschreiber sich endgültig verkrachten. Das Präsidium fand danach, es sei nach diversen Querelen an der Zeit, ein neues Team aufzubauen, und Arriens teilte Kohlschreiber im April vergangenen Jahres mit, er werde künftig auf ihn verzichten.

          Erfolgreiche Franzosen: Benneteau (links) und Mahut (rechts)

          Dann aber kam das neue Präsidium und erklärte, im Davispokal müsse doch auf jeden Fall die beste Mannschaft spielen. Also wurde Arriens beauftragt, das Gespräch mit Kohlschreiber zu suchen, und im Grunde war damit schon klar, dass der Spieler gewonnen hatte. Miteinander reden ist im deutschen Tennis allerdings traditionell schwieriger, als übereinander zu reden – Arriens und Kohlschreiber hatten zwar nach dem Eklat beim Klub Kurhaus Aachen in der Bundesliga miteinander gearbeitet, aber es dabei irgendwie geschafft, nicht über den Davispokal zu reden, was gar nicht so einfach gewesen sein dürfte.

          Sorgen hätte der DTB genug

          Das Gespräch aber, bei dem Arriens ausloten sollte, wie sich Kohlschreiber eine künftige Zusammenarbeit vorstellte, kam nie zustande, weil es terminlich für den Spieler nie passte – und so endete es, wie es das neue Präsidium und vor allem dessen starker Mann Hordorff ohnehin offenbar anstrebte. Denn kaum hatte man sich des lästigen Teamchefs entledigt, wurde das neue Trainerteam präsentiert, in dem sich auch der ehemalige Hochspringer Carlo Thränhardt befindet, der als Fitness- und Mentaltrainer auch ansonsten mit Kohlschreiber zusammenarbeitet.

          Alles sehr merkwürdig, fand Ulrich Lange, der Präsident des Tennisverbandes von Baden-Württemberg, und stellte deshalb wegen der Trennung von Arriens für die außerordentliche Mitgliederversammlung am Samstag den Antrag auf Abwahl Hordorffs. Der geißelte das Ganze mit harschen Worten, gleichzeitig betonte er, wie gelassen er dieser Geschichte entgegenblicke. Der gerade erst zurückgetretene Präsident des Hessischen Verbandes – nach den Statuten hätte er sonst nicht Vizepräsident im DTB werden können – ist nämlich ein mit allen Wassern gewaschener Funktionär. Zu Wahlen, die er nicht gewinnen kann, tritt er nicht an – seine Kandidatur als DTB-Präsident zog er so vor ein paar Jahren zurück, nachdem er in der Nacht zuvor die Stimmung ausgelotet hatte. Diesmal kam es, wie Hordorff siegessicher vorhersagte. Lange zog seinen Antrag am Morgen zurück, zuvor soll es eine Erklärung von Hordorff hinter verschlossenen Türen gegeben haben, die wie eine Entschuldigung geklungen haben soll, vermutlich aber nicht so gemeint war.

          Sorgen hätte der DTB eigentlich genug, und der Grund für das außerordentliche Treffen der Funktionäre hatte mit den Turbulenzen rund um das Davispokal-Team auch gar nichts zu tun. Schließlich hatte zuletzt der Haushalt nicht verabschiedet werden können, und besser ist in der Zwischenzeit nichts geworden. Der Etat mit einer bilanziellen Unterdeckung von 120.000 Euro wurde nun einstimmig angenommen, hinzu könnten noch Kosten von weiteren bis zu 50.000 Euro für die nationalen Hallenmeisterschaften kommen. Der für die Finanzen zuständige Vizepräsident Ralf E. Böcker glaubt aber, dass die laufenden Ausgaben durch die aktuellen Einnahmen bedient werden können. Das ist optimistisch – und erklärbarer ist die Zuversicht, dass der DTB von 2017 an wieder in die Förderung des Bundesinnenministeriums aufgenommen wird. Die Zeiten, dass er dafür zu viel Geld selbst generiert hat, sind vorbei. Aufbruchstimmung aber, soviel ist gewiss, müsste sich doch irgendwie anders anfühlen.

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