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0:2 gegen Tschechien : Fehlstart im Fed Cup

Denksportaufgabe in Stuttgart: Sabine Lisicki verlor überraschend das Auftakteinzel Bild: REUTERS

Nach den ersten beiden Einzeln liegen die deutschen Tennisfrauen schon mit 0:2 hinten. Sabine Lisicki und Julia Görges gewinnen zwar jeweils den ersten Satz, aber nicht ihre Partie.

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          Was nutzte all das Lob schon, das sie von allen Seiten erhielt, was nutzte die eigene Erkenntnis schon, dass dies die beste Partie gewesen sei, die sie bislang je gespielt habe, was nutzten all die Komplimente schon, mit der Weltranglistenzweiten auf Augenhöhe agiert zu haben, was nutzte diese riesige Begeisterung der 4500 Zuschauer in der ausverkauften Porsche Arena schon, die ihr zwischendurch Tränen ins Auge getrieben hatte, was also nutzte das alles schon, wenn da am Ende des Tages nur eine schmerzende Leere zurückbleibt.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Wir liegen 0:2 zurück – und jetzt wird es verdammt schwer, sagte Julia Görges. Zuvor, als sie über ihre 6:3, 3:6 und 8:10-Niederlage gegen die Tschechin Petra Kvitova gesprochen hatte, da hatte ihre Stimme gezittert, nun klingt sie resignierend. Weil auch Sabine Lisicki nämlich überraschend ihr Auftakteinzel gegen Iveta Benesova 6:2, 4:6 und 2:6 verloren hatte, stehen die deutschen Damen in der Erstrundenbegegnung gegen Fed-Cup-Titelverteidiger Tschechien vor dem Aus.

          Dabei hatten sie sich soviel vorgenommen. Dass sie zusammenhalten wollen, jetzt, da sie mit der momentan verletzten Andrea Petkovic (Weltranglistenplatz 10) sowie Sabine Lisicki (14), Julia Görges (21) und Angelique Kerber (27) die beste Mannschaft seit Jahren zusammen haben und sich mit Mona Barthel (43) schon die nächste auf den Weg in die vorderen Regionen der Weltrangliste aufgemacht hat.

          Kein Gezicke sondern Teamgeist, und dann könne es was werden mit diesem deutschen Fed-Cup-Team, hatte Andrea Petkovic gesagt, eines Tages sogar mit einem Sieg.

          Die Tschechin Iveta Benesova machte die wichtigen Punkte - und siegte in drei Sätzen
          Die Tschechin Iveta Benesova machte die wichtigen Punkte - und siegte in drei Sätzen : Bild: REUTERS

          Dieser Moment scheint weit entfernt nach den ersten beiden Einzeln. „Es sind noch drei Punkte zu vergeben“, sagt Teamchefin Barbara Rittner, rechnerisch ist also noch alles möglich, aber soll sie auch anderes sagen?

          Sie wird einiges auf Aufbauarbeit leisten müssen, wenn es an diesem Sonntag noch etwas werden soll mit der Überraschung, die angesichts dieses Zwischenstandes nun schon eine Sensation wäre. Sabine Lisicki hatte die Tränen nicht zurückhalten können, als sie ihre Partie gegen Iveta Benesova analysieren sollte. Die Berliner ist überaus ehrgeizig, sie will in die Weltspitze, sie gilt auch als eine, die Druck aushalten kann und vorneweg marschiert.

          Bis in die Fingerspitzen patriotisch - es half nicht: Sabine Lisicki unterlag
          Bis in die Fingerspitzen patriotisch - es half nicht: Sabine Lisicki unterlag : Bild: REUTERS

          Sie war der deutsche Punktegarant für diesen ersten Tag, sie sollte Julia Görges mit einer 1:0-Führung im Rücken in ihre Begegnung gegen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova schicken. Und so hatte es gegen Iveta Benesova ja auch ausgesehen, als sie den ersten Satz relativ mühelos 6:2 gewonnen und sich im zweiten Durchgang zwei Breakbälle zu einer 4:2-Führung erspielt hatte.

          Alles schien seinen erwarteten Gang zu nehmen, und alles war dann ganz anders gekommen. Die Partie war ihr, der großen Kämpferin, schleichend entglitten, und je mehr sie am Ende die Wende hatte erzwingen wollen, je mehr war sie verkrampft. „Das passiert im Fed Cup, wenn man sich zu viel Druck macht. Dann wird man fest, und das ist unheimlich schwer zu lösen“, sagte Barbara Rittner.

          Auch Julia Görges verlor ihre Partie - mit 8:10 im dritten Satz
          Auch Julia Görges verlor ihre Partie - mit 8:10 im dritten Satz : Bild: dpa

          Wenn aus der Enttäuschung über das eigene Spiel über Nacht grenzenloser Trotz wird, dann sieht die Teamchefin ihre Spitzenspielerin nicht chancenlos an diesem Sonntagmorgen im dritten Einzel gegen Petra Kvitova. Das Spiel gegen Julia Görges werde nicht spurlos an der Tschechin vorübergehen, prophezeite Barbara Rittner. „Mal sehen, wie es aussieht, wenn es dann 1:2 steht“, fügte sie noch hinzu, mal sehen also, ob die Tschechinnen dann nicht doch nervös würden.

          Mächtig gewackelt hatte Petra Kvitova gegen Julia Görges ja schon, aber nur gewackelt. Ein paar Punkte hier und da haben den Ausschlag gegeben, sagen Tennisspieler nach solchen Partien gerne, und Julia Görges reduzierte das sogar auf einen Ball. „Diese Vorhand die Linie lang“, sagte sie, diese Vorhand war knapp im Aus gelandet und damit war die Breakchance dahin gewesen.

          Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova war zu stark für die Deutsche
          Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova war zu stark für die Deutsche : Bild: dpa

          „Ich kann viel aus so einem Spiel mitnehmen“, sagte die Verliererin, die keine war, und das klang um einiges nachvollziehbarer als neulich in Melbourne, als sie sich nach einer Niederlage gegen Agnieszka Radwanska genauso geäußert hatte. Barbara Rittner hatte sie danach überaus heftig kritisiert, weil sie sich gegen ihr Achtelfinal-Ausscheiden bei den Australian Open überhaupt nicht gewehrt hatte.

          „So verlieren die anderen den Respekt“, hatte die Teamchefin gesagt. Sie werden ihn wieder haben, nach diesem Spiel gegen Petra Kvitova. „Es war das beste Spiel, das ich bislang im Fed Cup gecoacht habe“, sagt Barbara Rittner, die diesen Job seit 2005 macht. Aber der Blick von Julia Görges sagte trotzdem alles: Was nutzte das alles schon?

          Im Vorfeld waren die deutschen Frauen noch bester Stimmung
          Im Vorfeld waren die deutschen Frauen noch bester Stimmung : Bild: dpa

          Der Fed Cup im Überblick

          Weltgruppe I, Viertelfinale:

          Moskau: Russland - Spanien 2:0

          Maria Scharapowa - Silvia Soler-Espinosa 6:2, 6:1; Swetlana Kusnezowa - Carla Suárez Navarro 6:3, 6:1

          Charleroi: Belgien - Serbien 1:1

          Kirsten Flipkens - Jelena Jankovic 5:7, 5:7; Yanina Wickmayer - Bojana Jovanovski 6:4, 6:4

          Biella: Italien - Ukraine 1:1

          Sara Errani - Katerina Bondarenko 6:2, 6:3; Francesca Schiavone - Lessia Zurenko 1:6, 2:6

          Stuttgart: Deutschland - Tschechien 0:2

          Sabine Lisicki (Berlin) - Iveta Benesova 6:2, 4:6, 2:6; Julia Görges (Bad Oldesloe) - Petra Kvitova 6:3, 3:6, 8:10

          Weltgruppe II:

          Hyogo: Japan - Slowenien 2:0

          Kimiko Date-Krumm - Polona Hercog 2:6, 6:4, 6:2; Ayumi Morita - Nastja Kolar 2:6, 6:4, 6:3

          Fribourg: Schweiz - Australien 1:1

          Timea Bacsinszky - Samantha Stosur 2:6, 5:7; Stefanie Vögele - Jarmila Gajdosova 6:0, 6:7 (6:8), 8:6

          Bratislava: Slowakei - Frankreich 1:1

          Daniela Hantuchova - Pauline Parmentier 5:7, 6:1, 9:7; Dominika Cibulkova - Virginie Razzano 4:6, 4:6

          Worcester: Vereinigte Staaten - Weißrussland 2:0

          Christina McHale - Victoria Asarenka 6:0, 6:4; Serena Williams - Olga Goworzowa 7:5, 6:0

          Modus: Sieger Weltgruppe im Halbfinale (21./22. April), Verlierer Weltgruppe und Sieger Weltgruppe II in der Playoff-Runde (21./22. April) um Qualifikation für Weltgruppe 2013

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