https://www.faz.net/-gtl-2e3l

Medien : Olympia sucht Pfad durchs Internet

  • -Aktualisiert am

Olympia im Internet, das war ein Langweiler. Keine bewegten Bilder aus Sydney, keine Stimmen. Nur Texte, Statistiken und Fotos. Das IOC hatte alles verboten, was den TV-Sendern Konkurrenz gemacht hätte. Vom Montag an entscheidet sich bei der „IOC-Konferenz Sport und neue Medien“, ob die Internetnutzer auch in Zukunft vom Erlebnis Olympia ausgeschlossen werden. „Wir befinden uns am Anfang einer neuen Ära“, sagte IOC-Präsident Samaranch.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist ratlos. Das ist eigentlich keine Besonderheit. In diesem Fall aber steht der mächtige Sportverband zu seinem Problem. Niemand weiß, wie die Zukunft des Sports im Internet aussehen soll. Gibt das IOC alle bewegten Bilder von den Olympischen Spielen frei, schreien die Fernsehanstalten auf. Verbieten die Olympier wie bei den Spielen in Sydney jegliche Übertragung im Netz, lassen sie sich eine Chance zur Präsentation der Spiele entgehen. Gleichzeitig verprellt das IOC die immer weiter wachsende Menge der Internetnutzer.

          Am Montag und Dienstag sollen bei der „IOC-Konferenz Sport und neue Medien“ erste Entscheidungen fallen, ob die Internetnutzer auch in Zukunft vom Erlebnis Olympia ausgeschlossen werden. „Wir befinden uns am Anfang einer neuen Ära. Ich hoffe, dass die Konferenz uns den Weg aufzeigen wird, den der Sport zusammen mit den neuen Medien gehen kann“, sagte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch.

          Bei den Spielen in Sydney wählte das IOC die Extremlösung: Keine bewegten Bilder, keine Töne im Netz. Aus Sydney kamen lediglich Texte, Statistiken und Fotos. Das IOC setzte sogar eine „Internet-Polizei“ ein, die Anbieter weltweit kontrollierte. Selbst Sender wie ARD und ZDF durften ihre Fernsehbilder im Internet nicht noch einmal verwerten. Während die deutschen Sender nichts gegen eine doppelte Verwertungen einzuwenden hatten, übte der amerikanische TV-Riese NBC aus Angts vor schlechteren Einschaltquoten Druck auf das IOC aus.

          Bis 2008 für die jeweils nächsten beiden Sommer und Winterspiel hat das IOC bereits Fernsehrechte verkauft. Eine Übertragung von Bildern im Internet würde die Exklusivität der TV-Bilder schmälern und damit ihren Wert verringern. Das Resultat wären immense Rückforderungen der Rechteinhaber an das IOC. Allein NBC zahlt bis 2008 2,8 Milliarden Dollar.

          Ein vergleichbarer Verkauf von Rechten für das Internet ist nicht möglich. Während TV-Sender nur regional begrenzt empfangen werden, und das IOC den gleichen Inhalt weltweit mehrfach verkaufen kann, reicht weltweit ein Internetanbieter. Im Word Wide Web ist ein Verkauf an mehrere Anbieter kaum sinnvoll. Zudem kann noch kein Internetmedium ähnliche Preise zahlen, wie sie im Fernsehbereich üblich sind.

          Noch ist die Technik nicht soweit, noch können bewegte Bilder im Netz nicht mit Fernsehbildern konkurrieren. Kurze Videosequenzen auf einer Teilfläche des Computerbildschirmes, kaum größer als eine Briefmarke sind derzeit üblich. Doch die Geschwindigkeit der Entwicklung der letzten Jahre läßt erwarten, dass Fernsehen und Internet schnell zu einem Medium verschmelzen werden.

          Weitere Themen

          BVB zeigt Nervenstärke und späte Klasse

          3:1 in Köln : BVB zeigt Nervenstärke und späte Klasse

          Lange nervt der forsche Aufsteiger aus Köln den zunächst schwachen Titelkandidaten, aber am Ende setzt sich beim 3:1-Auswärtssieg doch die individuelle Klasse des BVB durch.

          Vetter gelingt ein starkes Comeback

          Speerwerfen : Vetter gelingt ein starkes Comeback

          Bei seinem verspäteten zweiten Saisoneinstieg distanziert Speerwurf-Weltmeister Vetter Olympiasieger Röhler um fast acht Meter. Doch auch der Zweitplazierte ist nicht unzufrieden.

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.