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Medien : Olympia: Fernsehen schlägt Internet

  • -Aktualisiert am

Sieht das IOC auf gutem Wege: IOC-Präsident Samaranch. Bild: AP

TV punktet gegen Internet: Die Fernsehsender werden bis Olympia 2008 auch im Internet das Monopol für bewegte Bilder halten.

          Albert Scharf hat den Palais de Beaulieu von Lausanne als Sieger verlassen. Dem Präsidenten der European Broadcasting Union (EBU), der auch ARD und ZDF angehören, muss um die Sportrechte der Zukunft nicht bange sein.

          Das Fernsehen - mittlerweile schon ein traditionelles Medium - trotzte bei der „IOC World Conference on Sport and New Media“ in enger Allianz mit dem Internationalen Olympischen Komitee den Angriffen der Internetanbieter.

          TV-Anstalten genießen Vorrang

          Die Bilanz von IOC-Vizepräsident Thomas Bach war für die ambitionierten Internetfirmen vernichtend. „Offensichtlich sind wir mit den Übertragungsrechten mit den TV-Anstalten auf der richtigen Schiene. Die Reichweite des Internets reicht nicht aus, die Qualität der Bilder ist keine Lösung“, sagte Bach.

          Und: „Die Verbindung mit den TV-Partnern ist gestärkt nach dieser Konferenz. Das war vorher nicht unbedingt zu erwarten.“

          Erst 2008 wird neu verhandelt

          Bis Olympia 2008 werden die TV-Sender ihre Bilder exklusiv auch im Internet anbieten können. Erst danach wird grundsätzlich neu verhandelt. Von 2004 an müssen die Sender allerdings mit zusätzlichen Kosten rechnen. Doch auch in diesem Punkt kann Scharf, der zudem Intendant des Bayerischen Rundfunkes ist, seinen Kollegen beruhigende Nachrichten vom Genfer See mitbringen. Nach Angaben vom Vorsitzenden der IOC-Internetarbeitsgruppe, Richard Pound, ist in den Verträgen bereits eine Einkommensteilung (revenue-sharing) festgeschrieben.

          Das heißt, dass die Sender lediglich ihre voraussichtlich geringen Gewinne aus ihrem Internetengagement mit dem IOC teilen müssen. „Wir wissen ja noch nicht einmal, wie viel diese Rechte wert sein können. Deswegen werden wir zunächst die Einkommen mit den TV-Anstalten teilen“, sagte Pound.

          Bach glaubt: „Bei den TV-Anstalten spüre ich die Bereitschaft, über alles zu reden, weil sie auch aus der Konferenz gestärkt herausgehen.“ Und noch wichtiger: ARD und ZDF sind offensichtlich bereit, die geforderte finanzielle Nachbesserung auch zu bezahlen.

          Visionen fürs Fernsehen

          Was erwartet den Zuschauer? Immer höher, schneller, weiter streben die Athleten. In die Hatz nach immer mehr wird auch der TV-Konsument eingebunden. Im Milliardengeschäft Olympia spielt er eine Hauptrolle, soll er doch vielleicht schon bald multimedial die Spiele bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten verfolgen.

          „Es ist doch denkbar, dass der 800-Meter-Lauf erst im Fernsehen, dann jederzeit bei uns im Internet zu sehen ist“, sagt Markus Bartosch von der ARD-Sportkoordination, „und dass wir Interviews und andere Sportarten im Netz senden, die es nicht im TV gibt.“

          „ARD hätte gerne in Sydney mehr gemacht“

          Das würde sich erheblich vom Internet-Auftritt der Olympia-Darbietung aus Sydney unterscheiden. Da war es strikt untersagt, bewegte Bilder ins World Wide Web zu stellen - auch weil etwa Fernsehgigant NBC die Ereignisse in den USA zeitversetzt ausstrahlte und ein länderübergreifender Internetauftritt die Exklusivität untergraben hätte.

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