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Medien : IOC will Internetrechte an TV-Sender verkaufen

  • -Aktualisiert am

Olympia-Highlight: Nils Schumann über 800 Meter Bild: dpa

Die Olympia-Internetrechte bis 2008 sollen an die übertragenden Fernsehanstalten verkauft werden. Damit will das IOC den TV-Sendern ermöglichen, exklusiver Anbieter von olympischen Bildern zu bleiben.

          Der Sport im Internet wird in den kommenden zehn Jahren von den großen Fernsehanstalten beherrscht werden. Schon bevor der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Juan Antonio Samaranch am Montagmorgen in Lausanne die „IOC World Conference on Sport and New Media“ eröffnete, hatten die Olympier die Weichen für die nächste Dekade gestellt.

          IOC verlangt Aufpreis

          Damit die Fernsehanstalten, die die olympische Bewegung mit ihren Rechtegeldern finanzieren, ihr teuer bezahltes Monopol auf bewegte Bilder von Olympischen Spielen nicht verlieren, will das IOC ihnen zumindest bis 2008 auch die Internetrechte gegen einen geringen Aufpreis verkaufen. „Wir werden den TV-Anstalten anbieten, dass sie auch die Internetrechte kaufen können“, bestätigte IOC-Exekutivkomiteemitglied Jacques Rogge. Bei den Spielen in diesem September in Sydney hatte das IOC allen Sendern mit Ausnahme des amerikanischen TV-Riesen NBC verboten, ihre Bilder auch im World Wide Web zu zeigen. Alein NBC zahlte für die Rechte bis 2008 3,55 Milliarden Dollar. „Wenn wir in die Internetwelt einsteigen, sollten wir das gemeinsam mit den TV-Anstalten tun“, sagte auch der Vorsitzende der IOC-Internet-Arbeitsgruppe Richard Pound.

          ARD und ZDF wenig begeistert

          Für die Winterspiele 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin sowie die Sommerspiele 2004 in Athen und 2008 (Ort offen) hat das IOC die TV-Rechte bereits verkauft. In Deutschland werden ARD und ZDF wie bisher die Spiele übertragen. Bei den Sendern dürften die angekündigten Nachverhandlungen auf wenig Gegenliebe stoßen. Bisher war man dort ohnehin davon ausgegangen, die Internetrechte gleich mitgekauft zu haben. Doch den Sendern bleibt kaum eine andere Wahl, als noch einmal in die Tasche zu greifen und die Forderungen des IOC zu erfüllen. Dem IOC geht aber zunächst um die Zufriedenheit der TV-Partner und erst in zweiter Linie um weitere Einnahmen. „Es wird immer deutlicher, das es im Internet nicht darum gehen kann Geld zu verdienen“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

          Idee des Web wäre ad absurdum geführt

          Die Frage, ob das IOC die Sender unter Druck setzen werde, auch die Internetechte zu kaufen, beantwortete Rogge allerdings ohne Zögern mit ja. Lehnen die Sender ab, wird das IOC seiner Ansicht nach auch mit andere Anbieter verhandeln. Dann allerdings könnte es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen, da die TV-Verträge Exklusivität garantieren. So weit werden es beide Seiten aber nicht kommen lassen. Der 58 Jahre alte Belgier Jacques Rogge gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Samaranch an der IOC-Spitze.

          Doch der Plan des IOC enthält noch einen entscheidenden Haken. „Die TV-Anstalten erhalten die Rechte nur unter der Bedingung, dass sie lediglich national senden“, sagte Rogge. Damit würde das IOC eine Grundidee des World Wide Web ad absurdum führen. Zudem ist ein national begrenzter Zugriff bisher technisch unmöglich. „Das wird sich schnell ändern“, meint Rogge. Die Sender werden sich einen technischen Weg überlegen müssen, um die IOC-Auflage zu erfüllen. Eine Alternative gibt es nicht. „Solange kein regional begrenzter Zugriff möglich ist, werden wir keine Internetvideos oder Audios zulassen“, betonte Pound. In den USA hat es während der Spiele bereits Versuche mit nur lokal zugänglichen Videoübertragungen im Internet gegeben.

          Samaranch: Das Internet bringt bisher kein Geld

          Wie so oft geht es dem IOC vor allem um das große Geld. Das machte auch Samaranch in seiner Ansprache unmissverständlich deutlich. „Das IOC muss Einnahmen generieren, um den Sport zu unterstützen. Das Fernsehen bringt Geld, das Internet bisher nicht“, sagte Samaranch.

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